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CABB-Angestellter schuldig gesprochen

Im Zusammenhang mit dem Chemieunfall von 2014, der ein Todesopfer forderte, wird ein Chemiearbeiter mit 140 Tagessätzen bestraft. Hingegen wird sein Vorgesetzter und Mitbeschuldigter von jeder Anklage freigesprochen.

Die Chemiefirma CABB, bei der sich im Sommer 2014 der tödliche Unfall ereignet hatte.
Die Chemiefirma CABB, bei der sich im Sommer 2014 der tödliche Unfall ereignet hatte.
Christian Jäggi

Der Chemie-Unfall von Anfang Juli 2014 in der Prattler Firma CABB AG, der einem jungen Chemikanten das Leben gekostet hatte, fand am Donnerstag in Muttenz seine strafrechtliche Bewältigung. Dabei wurde der mit der Befüllung von Containern mit Flüssigkeiten betraute CABB-Angestellte H. A. der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Verursachung einer Explosion schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu 130 Franken verurteilt.

Von einer Busse, wie sie die Staatsanwaltschaft beantragt hatte, wurde abgesehen. Auf den 50-jährigen Verurteilten H. A. kommen indessen noch Genugtuungs- und Entschädigungskosten an die Familie des Opfers sowie Gerichts- und Anwalts­kosten von insgesamt über 70000 Franken zu.

Vorgesetzter freigesprochen

Der Vorgesetzte und Mitange­klagte des Verurteilten, Abteilungsleiter F. T., wurde dagegen freigesprochen. Ihm konnte keine Sorgfaltspflichtverletzung nachgewiesen werden. Damit fiel aber auch die Voraussetzung für ein fahrlässig begangenes Delikt dahin. Erstaunen mag dabei etwas, dass die Staats­anwältin für den vom Gericht freigesprochenen Vorgesetzten eine höhere Strafe als für den ­Angestellten – nämlich 180 Tagessätze – beantragt hatte.

Geschehen ist der Unfall am Nachmittag des 3. Juli 2014. Der Angestellte H. A. musste damals im Zuge der Herstellung von TFMBAC50 entstandenes Abwasser, beziehungsweise sogenannte wässrige Phase, in Container abfüllen. Im Laufe dieser Abfüllarbeiten gesellte sich plötzlich das spätere Opfer hinzu, um dem Beschuldigten zu helfen. Der junge Chemikant, dem aufgrund einer in der Rekrutenschule erlittenen Knie­verletzung Schonarbeit zugeteilt war, hätte allerdings nicht am betreffenden Ort sein dürfen.

Der sechste Container

Nachdem fünf Container ohne Probleme befüllt worden waren, geschah beim sechsten die Katastrophe. Bei diesem sechsten Container handelte es sich nämlich um ein älteres Containermodell, das im Prinzip 2012 ausgesondert worden war, von dem es aber offenbar immer noch ­einige Exemplare auf dem Betriebsareal gab. Ein Container von diesem alten Typ hatte sich nun quasi eingeschlichen. Der nicht unwesentliche Unterschied der neuen gegenüber den alten besteht darin, dass es sich bei den neuen Containern um sogenannte ableitbare handelt, bei denen die allfällig entstandene elektrische Ladung durch Erdung des Gitterkorbs vom Füllmedium abgeleitet wird.

Und weil sich in diesem sechsten Container noch Reste eines leicht brennbaren Destillates befanden, kam es zu einer elektrischen Entladung, die nicht ab­geleitet werden konnte. So stieg der Druck im Container. Dieser wölbte sich und brach auf. Dem Angeklagten H. A. gelang noch die Flucht ins Freie.

Im Gegensatz zum Opfer, das aufgrund seiner Verletzung – der junge Mann ging infolge seiner Verletzung an Stöcken – vom austretenden Nebel erfasst wurde, der in die Atemwege gelangte. Trotz unmittelbarer notärztlicher und intensivmedizinischer Versorgung verstarb der junge Chemikant zwei Monate später im Universitätsspital Lausanne nach schwerer Schädigung der Lunge an multiplem Organ­versagen.

Die einzige Möglichkeit

Das Strafgericht kam nun zur Überzeugung, dass der Unfall nur hätte vermieden werden können, wenn der Abfüller H. A. die vorgeschriebene Funktionskontrolle bei der Ableitlasche des Con­tainers vorgenommen hätte. Bei dieser Gelegenheit hätte er unweigerlich feststellen müssen, dass es sich beim Unglückscontainer um einen alten, eigentlich nicht mehr in Betrieb befindlichen Container ohne Elektrizitätsableitung gehandelt hätte.

Das Gericht folgte damit der Argumentation des Verteidigers von F. T., Niklaus Ruckstuhl, der im Übrigen mit der Staatsanwältin hart ins Gericht gegangen war und in seinem Plädoyer geltend gemacht hatte, dass einzig «die Ableitung die Unfallfreiheit ­garantiert hätte».

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