Binningen kämpft gegen das Laden-Sterben

An der Hauptstrasse machen immer mehr Geschäfte dicht. Der Gemeindepräsident Mike Keller kündigt ein umfassendes Massnahmenpaket an.

Kaum Nachfrage: Im stadtnahen Binningen geht den Ladenbesitzern die Kundschaft aus.

Kaum Nachfrage: Im stadtnahen Binningen geht den Ladenbesitzern die Kundschaft aus.

(Bild: Kostas Maros)

Yvonne Béboux, eine ältere tüchtige Frau mit welschen Wurzeln, hängt an ihrem Schuhgeschäft. Gefragt, seit wann sie ihren Laden an der Hauptstrasse 7 in Binningen führt, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen: «Seit dem 2. September 1977.»

Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Der Verkauf läuft mies. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Béboux einen Umsatzeinbruch von 20 Prozent. «Vielleicht wird es ja im zweiten Halbjahr besser», sagt sie. Die Aussage trägt starke Züge von Zweck-optimismus. Blickt die Schuhverkäuferin aus dem Schaufenster auf die gegenüberliegende Strassenseite, bekommt sie die traurige Realität zu Gesicht: darniederliegendes Gewerbe.

Fatale Kettenreaktion

Rechts modert das stillgelegte Dorenbach-Center vor sich hin. Im Jahr 2006 schloss die Migros dort ihre grossräumige Filiale, wodurch bei den umliegenden Geschäften die Laufkundschaft stark zurückging. Links befand sich bis vor zwei Jahren der Geschenkeladen «Strizzi». Im Jahr 2013 zog Betreiberin Francoise Haegeli jedoch die Reissleine. «Der Wegfall der Migros war kaum zu verkraften. Danach kamen jährlich weniger Leute», erklärt Béboux. Binningen leide an einem Strukturproblem. Die Hauptstrasse sei aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens keine attraktive Shoppingmeile mehr. Seit Haegelis Wegzug fand sich kein Nachfolger. Die Einsicht ins tote Innere wurde mit Packpapier abgedeckt. Ein kümmerliches Bild.

Als sich Ende 2014 mit dem Detailhändler Denner ein weiterer Publikumsmagnet verabschiedete, verschlechterten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch einmal deutlich. Das Kleiderunternehmen Modeva handelte – und gab seine Niederlassung an der Hauptstrasse 5 nach 33 Jahren auf. Ein neuer Mieter ist auch hier bis jetzt nicht eingezogen. Das Fehlen von Denner und Modeva bekommt Paula Jost vom nahe domizilierten Blumenfachgeschäft «Blumen Design» zu spüren. Seit 16 Jahren in Binningen, verzeichnet sie rückläufige Einkünfte. «Wenn die passende Gelegenheit kommt, ziehe ich weg», sagt sie zur BaZ.

Preise wie in Zürich

Die Blumenhändlerin erklärt sich das rapide Ladensterben damit, dass die Gemeinde an der Stadtgrenze – anders als Muttenz oder Arlesheim – über kein Ortszentrum verfügt. Ein grosses Problem seien aber vor allem die hohen Mietzinsen. Leopold Stefansky pflichtet ihr bei. Seit 1972 ist er mit seinem Optikergeschäft an der Hauptstrasse 62 angesiedelt. In dieser Liegenschaft stehen seit Monaten zwei Räumlichkeiten zur Vermietung frei. «Kein Wunder, es werden ja auch Preise wie an der Zürcher Bahnhofstrasse verlangt», kritisiert Stefansky. Die Hauseigentümerin, die Zollikoner Firma Meili Immobilien, widerspricht allerdings. «Wir haben die Angebote einmal ohne Preisangabe ausgeschrieben und dennoch keine Rückmeldungen erhalten. Was den Mietzins betrifft, wären wir verhandlungsbereit. Aber es fehlt die Nachfrage», erklärt Doris Senti, zuständig bei Meili für die Immobilienbewirtschaftung.

Aus den Gesprächen mit den Ladenbesitzern ist auch Kritik an der Gemeinde herauszuhören. So wird moniert, dass die private Sicherheitsfirma, die im Auftrag Binningens Parkbussen verteilt, mit Vorliebe am Samstag an der Hauptstrasse auf die Pirsch gegangen sei. Dadurch sei die Kundschaft schikaniert worden. Gemeindepräsident Mike Keller (FDP), der diese Vorfälle bestätigt, spricht von einem Fehlverhalten: «Als wir im Frühling davon erfuhren, sind wir umgehend eingeschritten. Bussenexzesse sind gewiss nicht in unserem Sinn.»

Wöchentliche Aktionen geplant

Keller, der gleichzeitig als Präsident des Gewerbevereins Binningen-Bottmingen amtet, kündigt gegenüber der BaZ ein umfassendes Massnahmen-paket an. In den letzten Wochen seien intensive Gespräche mit den Vereinsmitgliedern geführt und ein Konzept ausgearbeitet worden. «Nach dem gleichen Muster, wie es die Shoppingcenter anwenden, wollen wir ein Coupon-Heft ins Leben rufen, um mit wöchentlichen Aktionen das Interesse an den ortsansässigen Geschäften zu steigern», verrät Keller. Weiter würde ein Ladenverzeichnis verfasst und verteilt. «Die Bevölkerung soll wissen, was Binningen zu bieten hat.» Vorangetrieben wird zudem ein grosses Überbauungsprojekt, das die Hauptstrasse aufwerten soll.

Ob all das wirkt? Erika Christ, seit 23 Jahren mit ihrem Modegeschäft «di albero» an der Hauptstrasse 32, ist skeptisch: «Die Kunden bevorzugen immer mehr das Internet und Shoppingmalls. Gegen diesen Trend sind wir machtlos.»

Basler Zeitung

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