Behandlung kranker Katzen verweigert

Das Tierärztliche Überweisungszentrum in Tenniken wollte zwei Katzen wegen Verdacht auf einen ansteckenden Virus nicht behandeln.

Vanessa Jost mit dem Kater, der die Krankheit überlebt hat. Dessen Zwilling Brownie starb am Sonntag.

Vanessa Jost mit dem Kater, der die Krankheit überlebt hat. Dessen Zwilling Brownie starb am Sonntag.

Vanessa Jost ist zu Tode betrübt. Ihr Kater Brownie ist am Sonntag nach kurzer, heftiger Krankheit gestorben. Die Katzenfreundin aus Muttenz ist nicht nur traurig, sondern auch wütend. Brownie könnte noch leben, wenn er rechtzeitig tierärztliche Hilfe erhalten hätte, glaubt sie. Doch die sei ihm verweigert worden, aus Angst der Tierärzte vor dem hochansteckenden Calicivirus. Konkret wirft die Katzenfreundin dem Tierärztlichen Überweisungszentrum (TÜZ) in Tenniken unterlassene Hilfe­leistung vor.

Das Unheil nahm am Samstagmorgen seinen Lauf: Jost brachte ihre an Durchfall leidenden und dehydrierten Katzenzwillinge Brownie und Pancake in eine Notfallpraxis. Nach anfänglicher Besserung habe sich deren Zustand am Sonntagmorgen verschlechtert, berichtet die Halterin. Die behandelnde Tierärztin des Tiergesundheitszentrums am Blauen in Laufen habe die Katzen mit Verdacht auf das gefährliche Calicivirus ans TÜZ in Tenniken überwiesen.

Risiko zu gross

Die TÜZ-Verantwortlichen aber hätten die Tiere weder in ihre Obhut nehmen noch sie untersuchen wollen – nicht einmal auf dem Parkplatz, also ausserhalb der Klinik, was man ihr auf der Fahrt zum TÜZ aber telefonisch in Aussicht gestellt habe, wie Jost sagt. «Die Untersuchung von Katzen auf einem Parkplatz ist wegen Fluchtgefahr unverantwortlich», be­gründet Christine Wacker, die am Sonntag zuständige Tiermedizinerin am TÜZ, das Vorgehen auf Anfrage der BaZ. Ausgehend vom Calicivirus-Verdacht der überweisenden Ärztin habe es in dieser Situation keine bessere Lösung gegeben, als eine Unterbringung im Tierspital Bern. Das Tierspital habe für diese Fälle ein Notfallprotokoll aufgestellt und sich bereit erklärt, die beiden Tiere in einer Isolierstation aufzunehmen, berichtet Wacker weiter, «eine stationäre Behandlung der Tiere an einem anderen Ort wäre in dieser Situation völlig fahrlässig gewesen». «Ich denke, weder Frau Jost noch sonst wer würde für die Kosten aufkommen, falls wir aufgrund einer Calicivirus-­Infektion das TÜZ für einige Wochen schliessen müssten.»

Eine Stunde sei sie zwischen den Katzen in ihrem Auto und dem Schalter der TÜZ hin und her gelaufen, berichtet Vanessa Jost. Den Tieren ging es immer schlechter. Von der Autofahrt nach Bern sah sie deshalb ab. Viereinhalb Stunden war sie mit ihren schwerkranken Katzen ja schon auf Achse, sie wollte nicht riskieren, dass ihre Lieblinge im Auto sterben. «Das wäre für mich das Schlimmste gewesen.» Stattdessen wandte sie sich erneut an einen Notfalltierarzt und verschwieg den Verdacht auf das Calicivirus. Ein Basler Tierarzt versorgte die Katzen. Für Brownie kam die Hilfe zu spät. Er starb am späten Sonntagabend an Organversagen. Pancakes Zustand verbesserte sich gemäss Jost, gestern Abend konnte sie ihn beim Tierarzt abholen.

Woran Brownie gestorben ist, weiss man noch nicht. Der behandelnde Arzt vermutet nicht das Calicivirus, sondern eine der Virus­erkrankungen Parvo oder FIP. Eine pathologische Untersuchung Brownies soll die Antwort liefern.

Während der Odyssee wurde Vanessa Jost von ihrer Mutter Marlen, die in der Administration des Tierheims beider Basel arbeitet, am Telefon begleitet. Die Mutter ist verärgert – nicht nur über das Verhalten der TÜZ-Verantwortlichen, sondern auch über die Hysterie wegen des Virus aufgrund von Medienberichten zu einem Ausbruch der Krankheit in der Kleintierklinik des Tierspitals Zürich.

Ombudsstelle eingeschaltet

Wie sie in Zürich in Erfahrung gebracht habe, sei ausserhalb des Tierspitals aber in der ganzen Schweiz kein einziger Fall bekannt. Dazu Christine Wacker: «Unseres Wissens nach hat Frau Jost ihre Informationen, wonach es sich wahrscheinlich nicht um Caliciviren handle, von einer Tierarzthelferin im Tierspital Zürich erhalten. Fürs TÜZ ist der Beweis aber erst dann erbracht, wenn ein entsprechender Laborbefund vorliegt.»

«Jeder Tierarzt leistet einen Eid, dass er jedes kranke Tier behandeln werde», postuliert Marlen Jost. Nach der Krise habe sie mit dem Cheftierarzt des TÜZ, Urs Weber, telefonieren wollen. Dies sei ihr aber verwehrt worden. Tierärztin Wacker präzisiert: «Da ich selber zur Geschäftsleitung gehörte und ich sowohl mit Frau Jost und mit dem Tierspital Bern kommuniziert habe, wollte das TÜZ, dass ich mit Frau Jost telefoniere.» Das habe diese abgelehnt.

Marlen Jost hat den Fall der Ombudsstelle der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte gemeldet. Dort sei ihr angekündigt worden, dass man der Sache nachgehen werde.

Basler Zeitung

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