Projekt Spitalneubau wird vertagt

Die Baselbieter Regierung setzt bei der Spitalstrategie auf die bisherigen Standorte Liestal und Bruderholz. Ein späterer Neubau bleibt aber möglich.

Das Bruderholz soll sich als Zentrum für den Bewegungsapparat, Rehabilitation, Alter und Schmerzklinik profilieren.

Das Bruderholz soll sich als Zentrum für den Bewegungsapparat, Rehabilitation, Alter und Schmerzklinik profilieren.

(Bild: Christian Jäggi)

Jan Amsler

Die Vision der Ärzteverbände bleibt eine Vision. Die Idee, das Kantonsspital Baselland (KSBL) mit einem Neubau auf grüner Wiese wieder auf Kurs zu bringen, wird nicht weiterverfolgt. Stattdessen sieht die Strategie der Kantonsregierung vor, an den bisherigen drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen festzuhalten.

Allerdings, das haben die Verantwortlichen an der Medienkonferenz vom Donnerstag in Liestal wiederholt betont, sollen zusammenhängende Areale auf Baselbieter Boden reserviert werden, damit die nächste Generation dort gegebenenfalls ein neues Spital bauen kann. Doch für die kommenden rund 30 Jahre liegt der Fokus nun auf den beiden Standorten Liestal und Bruderholz.

«Fokus»: So heisst auch die gewählte Strategievariante. Denn die Standorte sollen klarere Profile erhalten. Während in Liestal weiterhin eine erweiterte Grundversorgung angeboten werden soll, erfolgt beim Bruderholz eine Konzentration auf Bewegungsapparat, Rehabilitation, Alter und Schmerzklinik. Im Bereich Bewegungsapparat entsteht eine Kooperation mit der Hirslanden-Klinik Birshof. Dass der stationäre Teil in Laufen zugunsten eines ambulanten Gesundheitszentrums aufgegeben werden soll, ist bereits seit vergangener Woche bekannt.

Start im kommenden Jahr

Die Spitalleitung und die Regierungsmitglieder haben am Donnerstag zwar versucht, den Ein-Standort-Vorschlag der Ärztegesellschaft als wichtigen Teil des Entscheidungsprozesses zu würdigen. Doch ein Neubau hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen und wäre «vermutlich auch zu teuer ausgefallen», sagt Gesundheitsdirektor Thomas Weber. Hinzu komme die Unvorhersehbarkeit der Zukunft: «Wer weiss schon, wie ein Spital in 30 Jahren aussieht?» Die Zukunft jetzt zu betonieren, sei ein falscher Schritt.

Ausserdem hätte man auch bei der Variante Neubau in die alten Standorte investieren müssen, um die Zwischenzeit überbrücken zu können. Dieses Geld wäre verloren. Als «völlig unrealistisch» erachtet Regierungspräsident Isaac Reber den von den Ärzteverbänden kommunizierten Zeitplan, «in ein paar Jahren ein Spital zu bauen».

Demgegenüber kann die «Transformation», wie es Verwaltungsratspräsidentin Madeleine Stöckli nennt, bereits im kommenden Jahr beginnen. Was das medizinische Angebot angeht, so soll der Prozess im Jahr 2023 abgeschlossen sein. Die Sanierung der Behandlungstrakte in Liestal und der modulare Teilneubau auf dem Bruderholz benötigen laut Plan aber noch Zeit bis Ende 2031.

Voraussetzung dafür ist, dass der Landrat die Strategie gutheisst und das Darlehen des Kantons in Eigenkapital umwandeln lässt. Mit dem zusätzlichen Eigenkapital will das Kantonsspital die Transformationen aus eigener Kraft finanzieren. Zwar muss das KSBL bis zu 400Millionen Franken aufnehmen, doch zusätzliche Gelder vom Kanton sollen keine fliessen.

10 Millionen Gewinn

Die Neuausrichtung führe in den kommenden Jahren zu Verlusten, doch ab 2025 soll das Kantonsspital Baselland wieder rentieren, sagt Verwaltungsrat Philipp Hammel. Er rechnet später mit einem Gewinn von 10 Millionen Franken pro Jahr. Dieses Geld soll dereinst für Neu- und Umbauten zur Verfügung stehen. Hammel strebt in acht Jahren eine Ebitda-Marge von 10 Prozent an. «Der Wert des Kantonsspitals in den Büchern des Kantons wird nach Abschluss der Transformation wesentlich höher sein als heute», sagt er.

Vom Spitalpersonal wird im Zuge der Neuausrichtung mehr Flexibilität gefordert, wie es der Noch-CEO Jürg Aebi sagt. Doch bestehe ein grosses Interesse an Fachkräften, und es sei nicht vorgesehen, aktiv Kündigungen auszusprechen. Eine Reduktion der Stellen würde über die natürliche Fluktuation gesteuert.

Will man die neue Strategie aus Sicht der Regierung auf den Punkt bringen, eignen sich Thomas Webers Worte: «Heute geht es um die Stabilisierung des KSBL und morgen darum, die Weichen für ein erfolgreiches Spital zu stellen. Übermorgen wollen wir einen gesundheitspolitischen Handlungsspielraum schaffen.»

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