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Auf Tournee gegen Cybercrime

Polizei und Regierungsrat rühren die Werbetrommel für mehr Sicherheit im Netz. Die Informationskampagne zieht vor allem ältere Leute an.

Der Cyberraum dürfe nicht zu einem rechtsfreien Raum werden, sagt Kathrin Schweizer. Foto: Kostas Maros
Der Cyberraum dürfe nicht zu einem rechtsfreien Raum werden, sagt Kathrin Schweizer. Foto: Kostas Maros

«So agil und reaktionsschnell wie die Cyberkriminellen sind, so starr und träge ist unser System», bemängelte die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer. Und Michel Meier, stellvertretender Chef der Baselbieter Kriminalpolizei, doppelte nach: «Es besteht ein Konsens darüber, dass wir ein grosses Problem haben.»

Die Baselbieter Polizei und Regierung sind auf einer kleinen Tournee durch den Kanton. Ziel ist es, die Bevölkerung auf Kriminalität im und durch das Internet zu sensibilisieren. Wie Meier unumwunden zugibt, gehe es auch darum, dass die entsprechende Cybercrime-Vorlage für zusätzliche Cyber-Fachkräfte im Landrat Unterstützung findet. «Wer einen Landrat kennt, soll ihn auf die Wichtigkeit der Vorlage hinweisen», sagte Meier.

«Immer noch analog»

Das Interesse in Reinach war gross, der Gemeindesaal voll. Kathrin Schweizer schilderte, weshalb sie auf weiteres Sicherheitspersonal dränge: «Auch wenn die Strafverfolgungsbehörden in Bezug auf die Digitalisierung Fortschritte gemacht haben, sind sie in ihrem Kern bezüglich Organisation, Abläufe, Mittel und Ausbildung ihrer Mitarbeiter immer noch analog unterwegs.» Das könne nicht so bleiben. Die Spiesse müssten gleich lang werden. «Mit diesem Projekt sollen die ungenügenden Strukturen und das ungenügende Know-how ausgeglichen werden.»

Michel Meier ist ein Vollprofi, wenn es um Informationstechnik geht. Für eine Grossbank war er in der Abteilung IT Risk tätig, bevor er in die IT-Forensik-Abteilung der Kantonspolizei St. Gallen wechselte und schliesslich Chef Informationsmanagement der Kantonspolizei Zürich wurde. Danach zog es ihn ins Baselbiet. Seine Botschaft lautete, überall, wo Prozessoren und Software im Einsatz stehen, können Hacker angreifen. Ziel eines Angriffs könne ein AKW sein, industrielle Produktion, Operationssäle und sogar Autos. Oder Ampeln. «Das Dümmste wäre, wenn alle grün hätten, obwohl sie dies gar nicht haben sollten.»

Die Delikte in jener Scheinwelt, die von Computern geschaffen werde, würden kontinuierlich zunehmen, sagte Kathrin Schweizer. Cyberkriminalität betreffe inzwischen «beinahe alle erdenklichen Lebensbereiche und beinahe die gesamte Bevölkerung». Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Cyberkriminalität entstehe, betrage in der Schweiz mehrere Hundert Millionen Franken. Allerdings liegen für die Schweiz noch keine wirklich aussagekräftigen Zahlen vor. Deshalb illustrierte Michel Meier mit einem Beispiel aus Deutschland von 2017. «Im Online-Banking betrug der durchschnittliche Schaden 4000 Euro in insgesamt 1425 Fällen.» Der Drogen-, Menschen- und Waffenhandel habe sich ins Darknet verlagert.

Das Internet bietet sich an

Die Palette der Delikte reiche noch viel weiter, führte Schweizer aus. Vom Identitätsdiebstahl, Internetbetrug, Internetmobbing, Stalking bis hin zum digitalen Bankeinbruch, während wir uns noch gewohnt seien, «dass die Straftäter ihre Taten mit Brecheisen, Pistole oder Messer begehen». Aufgrund seiner weltumspannenden Struktur biete sich das Internet als Tatwerkzeug geradezu an.

Alle drei Wochen werde jemand aus dem Baselbiet Opfer von Romance Scam. Dabei werden dem Opfer von einer virtuellen Persönlichkeit «romantische» Gefühle vorgegaukelt, während die Täterschaft um Darlehen bittet. Natürlich kommt es nie zu einem Treffen, und das Geld ist weg. «Die Opfer sind hinterher auch psychisch sehr niedergeschlagen», beschrieb Meier, «weil sie getäuscht und schamlos ausgenutzt wurden.»

Die Bevölkerung erwarte von den Strafverfolgungsbehörden, dass diese Delikte verfolgt und geahndet würden. «Der Cyberraum», forderte Sicherheitsdirektorin Schweizer, «darf nicht zu einem rechtsfreien Raum werden.» Michel Meier wertete den vollen Saal als «einen sehr grossen Erfolg» für die Informationskampagne. Dass im Publikum vorwiegend ältere Semester seinen Ausführungen folgten, relativiere diesen keineswegs. Die jungen Baselbieterinnen und Baselbieter verfügten in der Regel bereits über eine hohe Affinität zur Materie. Ältere Leute dagegen verfügten oft über jenes Geld, das sie für Kriminelle interessant mache. Was bleibe: «Die Bevölkerung weiss, die Polizei geht mit der Zeit und nimmt die Anliegen der Gesellschaft ernst.»

Weitere Veranstaltungen am 16. Oktober um 19 Uhr im Schulhaus Burg in Liestal sowie am 30. Oktober um 19 Uhr im Schulhaus Donnerbaum in Muttenz.

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