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Auf dem Weg zur Legalisierung des Bikens im Wald

Baselland Tourismus lockt die Mountainbiker mit einer Karte, die 14 attraktive Routen enthält, ins Baselbiet. Das Werk ist ein auch politisches Statement: Die Bikerszene ist zunehmend auf eigentlich illegalen Pfaden willkommen.

Den Ort zur Präsentation der ­ersten offiziellen Karte für Mountainbiker – mit 14 Touren über Jurakämme, durch Wälder und Landwirtschaftsgebiete in der Nordwestschweiz – haben die Promotoren mit Bedacht gewählt: die Grimstelucke auf dem Bergrücken südlich von Nusshof. Dort, auf dem Pfad, wo Biker mit Tempo die Senke durchfahren und einen befestigten Waldweg kreuzen könnten, dort, direkt neben einem Rastplatz mit Feuerstelle, wurde eine Schikane eingebaut. Baumstämme ragen in den Weg und zwingen den Biker, das Tempo zurückzunehmen. «Trailtoleranz» steht auf einem Schildchen und ein Piktogramm mit Wanderer und Biker, die denselben Pfad benutzen.

Grimstelucke ist ein symbolischer Ort für «Trailtoleranz», die Koexistenz von Wanderern und Bikern auf demselben Weg. Er steht für die künftige Politik im Baselbiet. Denn im Grunde ­genommen ist das Biken auf Pfaden im Baselbieter Wald gesetzlich nicht erlaubt, höchstens auf befestigten Waldstrassen. Bloss hält sich niemand daran; das Gesetz hinkt der gesellschaftlichen Realität nach.

Trend unterschätzt

Einst hätten viele Gemeinden das Mountainbiken unterschätzt und für eine vorübergehende Modeerscheinung gehalten, das Bedürfnis sei aber unübersehbar, sagt Kantonsförster Ueli Meier, der die Erstellung der Karte unterstützt und begleitet hat.

Zunächst dachte die betroffene Gemeinde Nusshof, im Bereich der von Bikern längst benutzten Grimstelucke ein Extratrassee neben dem Wanderweg auszuscheiden. Aber Meier bringt es mit seiner Aussage auf den Punkt: «Es ist eine furchtbare Vorstellung, für Biker im Wald einen zweiten Weg bauen zu müssen.» Es gelte, eine andere Haltung gegenüber dem Trendsport einzunehmen, der sich in den letzten 30 Jahren zum Breitensport entwickelt hat: ein Nebeneinander mit Rücksicht.

Die neue Vogelschaukarte für Biker, die nun Baselland Tourismus auch online herausgibt und von der sie 15000Stück drucken liess, umfasst Strecken hauptsächlich auf Naturstrassen, aber auch schöne und beliebte Singletrails. Dabei gibt es Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Karte ist insofern die Offizialisierung von bislang illegalen Strecken. Dazu ist Trailnet.ch, der Interessenverein der Biker, mit dem Amt für Wald beider Basel und Baselland Tourismus, mit vielen verschiedenen Dienst­stellen zusammengesessen und hat einen Bike-Kodex ausgearbeitet: «Gewähre Wanderern den Vortritt, bleibe auf dem Trail, schliesse Weidzäune», heisst es etwa. Dafür erhielt man offiziell die Erlaubnis von Bürgergemeinden, Gemeinden und Waldeigentümern (von denen es 4500 im Baselbiet gibt), auf den Trails zu fahren. Man möchte dadurch auch eine Kanalisierung der Bikerszene auf die offiziellen Routen und eine Entlastung von anderen Wanderwegen erzielen.

Daten aufs Smartphone

Auf der Karte werden die jeweiligen Routen kurz beschrieben, es gibt ein Höheprofil. Über QR-Codes lässt sich die Tour auf­rufen, und die GPS-Daten kann man direkt aufs Smartphone laden. Damit erübrigt oder reduziert sich eine umfassende Markierung der Routen in der Landschaft. Auf der Karte sind ferner sämtliche Standorte von Sonderangeboten wie ausgebaute Downhill-Strecken oder Pumptrails eingetragen und lokalisiert.

Der Anteil der für Biker attraktiven Singletrails, den kleinen Wegen, ist auf den ausgeschiedenen Routen allerdings noch bescheiden, was der Geschäftsführer von Baselland Tourismus, Tobias Eggimann, als «Wermutstropfen» bezeichnet. Kantonsförster Meier hält aber fest, dass diese Karte bloss einen Anfang darstelle.

Ohnehin ist dem Karten­projekt ein langer politischer Prozess vorausgegangen. Auslöser war eine Petition von Swiss Cycling für offene Trails. In der Folge überwies der Landrat im Jahr 2010 ein Postulat an die Regierung. Die Umsetzung harzte.

Das Bündnerland hat dasselbe Waldgesetz wie das Baselbiet. Dort hat sich, wohl aus touristischen Überlegungen, längst eine freundlichere Haltung gegenüber den Bikern durchgesetzt. Das Befahren der beliebten Single­trails ist kaum ein Thema. Das Baselbiet hinkt diesbezüglich nach. Haftungsfragen der Waldeigentümer, Fragen zur Finanzierung des Unterhalts von Gemeinden stehen hier schnell im Vordergrund. Aber für Kantonsförster Meier ist das eine Generationenfrage.

Baselbiet mit Potenzial

Vor dem Hintergrund, dass das Biken die zweitbeliebteste Sportart nach dem Wandern ist, dass auch zunehmend ältere Personen mit E-Bikes durch den Wald pedalen, stellt sich René Schenker, Präsident des Vereins Trailnet.ch Region Nordwestschweiz die Frage, ob die Gemeinden die Prioritäten nicht anders setzen sollten: mehr Geld für den Unterhalt des Streckennetzes als für die teuren Sportanlagen, die jeweils nur kleineren Interessengruppen dienten? Der Erholungswert des Bikens werde nämlich unterschätzt.

Als unterschätzt gilt auch das Potenzial des Baselbiets fürs Biken generell: ganzjährig befahrbar, herausfordernd, aber nicht zu steil und zu hoch. Die beiden gebauten Downhill-Strecken in Sissach und Arlesheim zählen zu den beliebtesten der Schweiz und ziehen Biker aus anderen Kantonen ins Touristengebiet. Dann ergänzt Tourismus-Chef Eggimann: «Je höher der Bildungsgrad, desto eher ein Biker. Diese geben das Geld gerne in den Restaurants aus.»

www.bikebaselland.ch

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