Elisabeth Augstburger krebst zurück

Nach dem Shitstorm über ihre Aussage über Homosexuellen-Therapie distanziert sich Elisabeth Augstburger davon. Die Listenpartner der EVP - CVP, GLP und BDP - stehen mehrheitlich zur Ständeratskandidatin.

Ein Kulturschaffender aus Zürich brachte auf Twitter ein gefälschtes Plakat der EVP-Ständeratskandidatin in Umlauf.

Ein Kulturschaffender aus Zürich brachte auf Twitter ein gefälschtes Plakat der EVP-Ständeratskandidatin in Umlauf.

(Bild: Twitter)

Katrin Hauser

Mit einem einzigen Satz schaffte es die EVP-Politikerin Elisabeth Augstburger, für einen schweizweiten Shitstorm in den sozialen Medien zu sorgen. Die Baselbieter Ständeratskandidatin äusserte sich am Mittwoch gegenüber der BaZpositiv zu sogenannten Konversionstherapien. Dabei handelt es sich um Behandlungen, die darauf abzielen, Homosexuelle zu «heilen» und sie zu Heterosexuellen umzupolen.

Konkret liess sich Elisabeth Augstburger im Artikel der «Basler Zeitung» mit dem Worten ­zitieren, dass eine Therapie Homosexuellen helfen könne, «sofern die oder der Betroffene das auch will». Zwar betonte sie, dass sie einen Zwang keinesfalls gutheisse, liess jedoch ebenfalls durchblicken, dass sie Homo­sexualität nicht unbedingt für etwas hält, das angeboren ist. Sonst wären Therapieversuche ja sinnlos.

Damit löste die Politikerin eine wahre Hasstirade auf Facebook aus. Unter dem Beitrag sind Kommentare zu lesen wie «Auch Gläubigkeit ist heilbar, am besten durch Fegefeuer» oder «Vielleicht möchte sie eine Lesbe sein, dank guter Therapie!». Die Haltung von Elisabeth Augstburger sei «mittelalterlich», und als Ständeratskandidatin habe sie sich damit unwählbar gemacht, so der Tenor unter den Facebook-Kommentatoren.

Zu wenig nachgedacht

Elisabeth Augstburger musste sich an diesem Tag so einiges ­anhören. Kurz vor 18 Uhr abends rief sie schliesslich auf der Redaktion der BaZ an. Mit solchen Reaktionen habe sie nicht gerechnet, sagte sie: «Ich fühle mich missverstanden. Als ich diese Aussage tätigte, habe ich zu wenig darüber nachgedacht, was solche Therapien in Menschen auslösen können.»

Mittlerweile habe sie ihre Meinung überdacht: «Ich distanziere mich nun von Konversions­therapien.» Sollten Menschen aufgrund ihrer sexuellen Neigungen Hilfe in Anspruch nehmen wollen, solle ihnen diese aber gewährt werden.

Elisabeth Augstburger krebst damit zwar von ihrer ursprüng­lichen Aussage zurück. Ganz vertreiben kann die Politikerin den Eindruck, dass sie Homosexualität für etwas ­Anormales hält, ­allerdings nicht.

Nebst Hassbotschaften wurden auch Fake-Plakate ange­fertigt: Auf Twitter brachte ein Unbekannter ein EVP-Plakat in Umlauf, auf dem Augstburger mit dem Slogan «Homosexualität ist therapierbar ‹sofern die oder der Betroffene das auch will›» zu sehen ist. Die EVP Schweiz stellte unmittelbar klar, dass es sich bei diesem Plakat um eine Fälschung handle.

Ein Kulturschaffender aus Zürich machte sich daraufhin einen Spass daraus, das Plakat zu Diensten der EVP anzupassen. Er ersetzte den Begriff «Homosexualität» durch «Homophobie», sodass der Slogan neu «Homophobie ist heilbar, sofern die oder der Betroffene das will» heisst.

Ebenfalls mit Humor reagierte die Juso Baselland. Drei Abgeordnete der Jungpartei machten sich am Donnerstagmorgen auf den Weg nach Liestal, um der EVP-Politikerin ein Geschenk zu überreichen. Das Präsent besteht aus einer regenbogenfarbenen Schachtel, die ein Plüsch-Einhorn sowie mehrere Schwulen- und Lesbenartikel enthält.

«Wir laden Frau Augstburger gerne ein, mit uns den Schritt ins 21.Jahrhundert zu wagen», kommentiert Anna Holm, Präsidentin der Juso Baselland, den Besuch.

CVP reagiert am schärfsten

Bevor Elisabeth Augstburger ihre Aussage am Donnerstagabend noch revidierte, drohte ihr diese massgeblich zu schaden, was die Wahlen im Oktober betrifft. Die Listenpartner der EVP Baselland – CVP, BDP und GLP – nahmen sie dennoch mehrheitlich in Schutz. Erstaunlicherweise waren es ausgerechnet die ebenfalls religionsaffinen Christlichdemo­kraten, aus deren Reihen die schärfste Kritik kam: «Meine persönliche Meinung zu Elisabeth Augstburgers Zitat ist, dass es ein völliges No-go ist», sagte Parteipräsident Silvio Fareri auf Anfrage der BaZ. «Die Idee, man könne Homosexualität wegtherapieren, kommt einer Verunglimpfung von Schwulen und Lesben gleich.»

Weit sanftere Töne schlugen GLP und BDP an. «Wir bewerten dieses Zitat nicht. Wir beteiligen uns nicht am Shitstorm gegen Elisabeth Augstburger», sagte BDP-Parteipräsident Marc Bürgi.

Die GLP Baselland indessen nahm Augstburger gar in Schutz: «Sie wurde Opfer der sozialen Medien», sagte Landrat Yves Krebs. «Das Zitat sei dadurch aufgebauscht und aus dem Zusammenhang gerissen worden. «So wie ich Frau Augstburger einschätze, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie Homosexualität als eine Krankheit betrachtet.»

Basler Zeitung

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