«Abfall tötet Tiere»

Baselbieter und Solothurner Bauern kämpfen mit provokativen Plakaten gegen Littering im Grünen – sie fordern ein Dosenpfand. Denn achtloser Umgang mit Abfall kann die Gesundheit der Tiere gefärden.

Landwirt Jürg Knörr, Markus Rediger, Landwirtschaftlicher Informationsdienst Bern, Andreas Vögtli, Präsident Solothurnischer Bauernverband, Peter Brügger, Bauernsekretaär (v.l.) wollen das Vieh vor gefährlichem Müll schützen.

Landwirt Jürg Knörr, Markus Rediger, Landwirtschaftlicher Informationsdienst Bern, Andreas Vögtli, Präsident Solothurnischer Bauernverband, Peter Brügger, Bauernsekretaär (v.l.) wollen das Vieh vor gefährlichem Müll schützen.

(Bild: Kurt Tschan)

Kurt Tschan

Der Bauernverband beider Basel sowie der Solothurnische Bauernverband haben die gleichen Sorgen, wenn es um Littering geht. «Abfallsünder kennen keine Grenzen», sagt der Präsident des Bauernverbandes beider Basel, Gregor Gschwind aus Therwil. «Was aus einer Gedankenlosigkeit entsteht, kann für die Tiere tödlich enden.»

Ähnlich formuliert es auch der Präsident des Solothurnischen Bauernverbandes, Andreas Vögtli aus Büren: «Es ist ein Wohlstandsproblem, das den Landwirten zunehmend Sorgen bereitet.» In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bauernverband haben die Bauern der Nordwestschweiz deshalb eine Kampagne lanciert, die «auf die Problematik hinweisen und das Bewusstsein der Leute schärfen» soll, wie der solothurnische Bauernsekretär Peter Brügger betont.

30 Red-Bull-Dosen auf dem Hof

Startschuss war gestern auf dem Hof von Jürg Knörr in Nennigkofen. Dieser entleert auf einem Tisch in seinem Stall jenen Abfall, den er bei einem Rundgang entlang der Kantonsstrasse aufgelesen hat: Bier- und PET-Flaschen, Aluminiumdosen und Verpackungen aller Art sind zu sehen, aber auch Scherben und Metallreste. Auch Andreas Vögtli hat die 1.-August-Ausbeute auf seinem Hof im Dorneckberg bereits eingesammelt. Auf den Fotos, die er zeigt, sind die verkohlten Reste eines grösseren Feuerwerkes zu sehen, aber auch Abfall, der zwingend in den Kehricht gehört. Nicht weniger als 30 Red-Bull-­Aludosen hat Vögtli während seines Rundgangs eingesammelt.

Littering beschert den Bauern nicht nur eine Menge unbezahlter Arbeit. Der achtlos weggeworfene Abfallgefährdet auch die Gesundheit der Tiere, die eben nicht selektiv genug fressen, wie Vögtli sagt. Es sei schon frappant zu sehen, was im Pansen von Schlachttieren gefunden werde, sagt Vögtli.

Ein Magnet im Magen

Immer wieder würden Tiere ­verletzt oder müssten sogar verenden. Wegen der Gefahr, die von Littering ausgeht, wird den Jungtieren ein Käfig­magnet eingesetzt, der zeitlebens im Netzmagen der Kuh bleibt und verhindert, dass der geschluckte Metallschrott in den sensibleren Verdauungstrakt vordringen kann. Die Art der Verletzungen, die die Hoftiere erleiden können, sind vielfältig. Besonders gefährdet sind Klauen, Maul und Speiseröhre. Rasch können auch Verdauungsstörungen auftreten bis hin zu ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden, sagt Vögtli.

Die Kampagne der Bauern gegen Littering ist zugespitzt. «Abfall tötet Tiere», heisst es auf jedem der drei Plakate, die vom Cartoonisten Jürg Kühni aus Burgdorf gestaltet worden sind. Auf dem ersten Bild wirft ein Autofahrer vor den Augen von zwei Kühen Abfallaus seinem Fahrzeug, auf dem zweiten Plakat liegt im Vordergrund eine grosse Getränkedose, deren aufgerissene Metallwand auf die Kuh zeigt, die im Hintergrund friedlich grast.

Provokation ist beabsichtigt

Auf dem dritten Plakat liegen Abfall und Hundekot im Vordergrund, während im Hintergrund vor einem dunklen Himmel eine tote Kuh liegt, die vom wehklagenden Kalb beweint wird.

«Die Aktionstafeln wollen wach­rütteln, sensibilisieren, ja dramatisieren», sagt Markus Rediger vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst in Bern. «Wir wollen die Leute ganz bewusst provozieren und sie in die Verantwortung nehmen», sagt er. Die Plakate werden jeweils nur für einige Tage bei einem Hof aufgestellt. «Wir wollen verhindern, dass sie nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung verlieren», sagt ­Rediger. Ruf nach Dosenpfand

Besonders grosse Angst haben die Landwirte vor jenen Gegenständen, die auch von den Magneten, die das Futter kontrollieren, nicht aufgespürt werden können. Plastik gehört dazu, aber auch Aluminium, das bei der Dosenherstellung verwendet wird. Sowohl für Gschwind als auch für Vögtli muss deshalb geprüft werden, ob in der Schweiz nicht ein Dosenpfand eingeführt werden soll. «Nur so können wir nachhaltig verhindern, dass unsere Tiere nicht unter dem grassierenden Littering leiden müssen», sagt Gschwind.

Und für Vögtli macht eine Pfandabgabe deshalb Sinn, «weil Jugendliche sich zwei Mal überlegen, 40 leere Dosen auf die Wiese zu schmeissen, wenn sie dafür im Supermarkt 20 Franken zurückverlangen können».

Basler Zeitung

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