Zentral ist der Rückbau des Bruderholzspitals

Die Fusion des Kantonsspitals Baselland mit dem Basler Unispital ist für die Kostendämpfung nicht zwingend. Vielmehr muss man es den Wettbewerbsbedingungen anpassen.

Zu gross: Das Bruderholzspital muss seine Strukturen verkleinern.

Zu gross: Das Bruderholzspital muss seine Strukturen verkleinern.

(Bild: Michael Koller)

Thomas Dähler

Von den drei Zielen, welche die beiden Basel mit ihrer am Montag verkündeten gemeinsamen Gesundheitspolitik verfolgen, ruft nur eines nach wirklich dringlichen Massnahmen: Es braucht möglichst rasch eine deutliche Dämpfung des Kostenwachstums, und dies vor allem im Kanton Baselland. Die für die Kostenentwicklung entscheidenden Massnahmen, die zur Kostendämpfung in Aussicht gestellt werden, sind der Rückbau des Bruderholzspitals und dessen Überführung in eine Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe. Die vertiefte Kooperation der beiden Basel hingegen – bereits ist von einer Fusion die Rede – spielt finanziell eine untergeordnete Rolle.

Bei den beiden anderen Zielen, die die Regierungsräte Thomas Weber und Lukas Engelberger am Montag vor den Medien nannten, ist Gelassenheit angesagt: Beim Ziel einer optimierten Gesundheitsversorgung besteht kein akuter Handlungsbedarf, denn ein akutes Qualitätsproblem existiert in der Nordwestschweiz nicht. Die Sicherung der Hochschulmedizin hingegen, das dritte Ziel, ist durchaus eine anspruchsvolle Herausforderung. Diese aber hat einen langfristigen Zeithorizont.

Kantonsspital in Nöten

Deutlich wurde, dass in erster Linie der Kanton Baselland handeln muss. Ob mit oder ohne Fusion ist nicht entscheidend, denn die Fusion allein löst die finanziellen Probleme nicht. Dringender Handlungsbedarf besteht bei den Kapazitäten: «Wir haben zu viele Betten in der Region», sagte Weber an der Medienkonferenz. In aller Deutlichkeit hat zudem Werner Widmer, Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals Baselland (KSBL), festgehalten, dass das Kantonsspital Baselland in seiner heutigen Form wirtschaftlich nicht bestehen kann. Mit anderen Worten: Die Fusion der Baselbieter Spitäler war ein Fehlentscheid und damit die falsche Antwort auf die Herausforderungen des auf Bundesebene beschlossenen neuen Gesundheitssystems mit Fallpauschalen und freier Spitalwahl.

Das Resultat der von der Baselbieter Politik falsch gestellten Weichen findet seinen Ausdruck in den 2014 auf 355 Millionen Franken gestiegenen Spitalkosten für den Kanton Baselland. Um ganze 42 Millionen Franken hat sich der Kanton bei deren Budgetierung vertan. Die falsche Antwort auf den neuen gesetzlichen Rahmen verantwortet der Kanton Baselland. Entsprechend liegt es auch am Kanton Baselland, zu korrigieren – ob mit oder ohne Kooperation mit dem Stadtkanton. Den Rückbau des Bruderholzspitals und dessen Überführung in eine Tagesklinik kann Baselland, wenn nötig, auch allein bewältigen. Allein vielleicht sogar schneller.

«Strukturen verkleinern»

Dass sich 46 Prozent der Patienten aus dem Baselbiet in einem ausserkantonalen Spital behandeln lassen, ist das Resultat der freien Spitalwahl. Negativ auf die Entwicklung der Kantonsfinanzen wirkt sich dies nicht aus. In der Antwort auf eine Interpellation von Landrat Christoph Buser vom März führt der Regierungsrat sogar aus, dass sich dies auf die gemeinwirtschaftlichen Leistungen des Kantons kostensparend auswirkt. Den höheren Tarifen des Universitätsspitals Basel würden zudem tiefere Tarife der Basler Privatspitäler gegenüberstehen, weshalb auch deswegen keine Zusatzkosten anfallen würden. Die Regierung weist dabei auch darauf hin, dass es im Unispital nur begrenzte Kapazitäten gebe. «Zusätzliche Kapazitäten sind bei den Privatspitälern vorhanden», schreibt die Regierung. «Sie haben jedoch alle eine tiefere Baserate als das Kantonsspital Baselland.»

Daraus lässt sich schliessen, dass nicht die ausserkantonalen Tarife die grossen Kostensteigerungen verursachen, sondern die Ausweitung der Leistungen und die leer gewordenen Betten in den Baselbieter Spitälern. «Wir müssen die Strukturen verkleinern, bis sie der Zahl der Patienten entsprechen, so dass der Betrieb effizient und gewinnbringend geführt werden kann», sagte dazu KSBL-Präsident Widmer an der Medienkonferenz dieser Woche.

Tagesklinik im Trend

Wenn der Rückbau des Bruderholzspitals mit der Überführung in eine Tagesklinik gekoppelt wird, reagiert das Kantonsspital damit auf einen Trend, der bereits eingesetzt hat: die steigende Tendenz, einfache Operationen und Behandlungen ambulant statt stationär durchzuführen. Bei einer ambulanten Behandlung entfällt der Anteil von 55 Prozent, den der Kanton übernehmen muss. Weil die Behandlung insgesamt günstiger wird, führen ambulante Behandlungen nur in geringem Masse zu höheren Krankenkassenprämien.

Skepsis ist hingegen angesagt, wenn die beiden Basel beim stationären Angebot Absprachen zwischen Basel und ­Liestal treffen wollen. Basler wollen kaum nach Liestal ins Spital. In die Bresche springen würden wohl die Privatspitäler, die solche Absprachen ohnehin als Kampfansage verstehen.

Basler Zeitung

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