«Wir kamen uns vor wie in einem Aquarium»

Heftige Regenfälle sorgten am Samstagabend im Baselbiet für Sturzbäche, überschwemmte Keller und evakuierte Häuser. Insbesondere in Frenkendorf und Giebenach hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun.

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Im letzten Moment konnte Hansjörg Watzl in Giebenach sein Auto aus der Tiefgarage retten und die Frontscheibe seines Hauses mit einem Klapptisch verbarrikadieren. Bei heftigen Regenfällen wie jenen vom frühen Samstagabend steht sein Haus nämlich an einer heiklen Stelle: Watzl wohnt an der Hauptstrasse im Dorfzentrum – dort, wo bei Unwettern das Regenwasser via Zettelweg vom Hang herunterfliesst. «So etwas habe ich seit den Überschwemmungen von 1999 nicht mehr erlebt», sagt Watzl.

Der Sturzbach am Samstag prallte direkt auf die bis zum Boden reichende Frontscheibe seines Wohnzimmers. «Ich hatte Angst, dass wegen dem Schwemmholz die Scheibe kaputt geht.» Doch die verbarrikadierte Scheibe hielt, auch wenn sie zeitweise bis zu einem halben Meter unter Wasser stand. «Wir kamen uns vor wie in einem Aquarium». Wenige hundert Meter weiter wurde die Hauptstrasse beim Lindenplatz total überschwemmt. «Das ist der tiefste Punkt in Giebenach», sagt Watzl über den Strassenabschnitt beim Violenbach.

Evakuierte Häuser in Frenkendorf

Kurz nach seinen Schilderungen teilt die Polizei mit, dass die starken Regenfälle im Baselbiet vor allen die kleinen Bäche habe bedrohlich anschwellen lassen – so sei etwa in Giebenach gegen 18 Uhr der Zettelbach über die Ufer getreten und habe mehrere Keller überflutet. In Frenkendorf beschädigten Murgänge – das sind schnell talwärts fliessende Sturzbäche aus Schlamm und gröberem Gesteinsmaterial – mindestens drei Einfamilienhäuser am Rüttimattweg. Aus Sicherheitsgründen hätten deren Bewohner die Häuser vorübergehend verlassen müssen.

Die Höhe der entstandenen Sachschäden ist gemäss Polizeiangaben enorm und kann noch nicht abschliessend beziffert werden. Im gesamten Baselbiet standen und stehen rund 20 Feuerwehren im Einsatz. Im Raum Liestal wurden zudem Zivilschutzkompanien aufgeboten. Im übrigen Kantonsgebiet sei die Situation vergleichsweise normal geblieben – im Laufental kam es am Samstag vereinzelt zu vorübergehenden Strassensperrungen. Bäche wie die Birs und die Ergolz vermochten die Wassermassen jedoch zu schlucken.

Das nützt Hansjörg Watzl aus Giebenach wenig. Sein Wohnzimmer wurde zwar verschont, doch sein Garten ist nach dem Unwetter kaum wiederzuerkennen. «Unser Garten ist komplett kaputt und total verschlammt». Schlimmer sei es einzig bei den Überschwemmungen von 1999 gewesen. Danach hätte man an der «neuralgischen Stelle» am Zettelweg bauliche Anpassungen vorgenommen. «Aber offenbar ist diese Stelle immer noch ein Problem.»

baz.ch/Newsnet

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