«Von unschätzbarem Wert für die Kommission»

Paul Wenger (SVP), Präsident der Bildungskommission, stellt sich gegen den Parteiausschluss von Jürg Wiedemann. Mit ihm würde die Bildungskomission eines der kompetentesten Mitglieder verlieren.

Ungewöhnliche Parteinahme: SVP-Landrat Paul Wenger setzt sich für den grünen Bildungspolitiker Jürg Wiedemann ein.

Ungewöhnliche Parteinahme: SVP-Landrat Paul Wenger setzt sich für den grünen Bildungspolitiker Jürg Wiedemann ein.

(Bild: Florian Bärtschinger)

Daniel Wahl

BaZ: Paul Wenger, als Präsident der ­Bildungskommission setzen Sie sich vehement dafür ein, dass Landrat Jürg Wiedemann nicht aus der Fraktion der Grünen ausgeschlossen und damit aus der Kommission gespickt wird. Was ist der Grund dafür?
Paul Wenger: Mit Jürg Wiedemann würde die Bildungskommission eines der kompetentesten Mitglieder verlieren. Für die Qualität unserer Entscheide ist es denkbar schlecht, wenn der Grüne von seiner Partei gewissermassen liquidiert wird.

Es ist schon seltsam, dass das Lob für einen Grünen von der SVP kommt. Wollen Sie damit die Grünen schwächen?
Ha, die Grünen sind ohnehin aus den Landratswahlen geschwächt. Da muss man nicht noch nachtreten. Aber: Die Geschäftsleitung der Grünen sortiert Menschen aus, die nicht ihre Meinung teilen. Dass ausgerechnet die Bildungsexperten in der Grünen Partei ausgegrenzt werden, macht es nicht besser. Das ist ein Skandal.

Sie sorgen sich ernsthaft um den Zustand der Grünen?
Nein, man weiss ja, dass ich kein Freund der Grünen bin. Aber es geht um mehr und die Sache hat schon früher angefangen. Zunächst ist es der Geschäftsleitung der Grünen be­stimmt sauer aufgestossen, dass Jürg Wiedemann mit dem Komitee Starke Schule Baselland Monica Gschwind zum Regierungsamt verholfen hat. Allerdings will die Geschäftsleitung der Grünen immer noch, dass der Bildungszug der SP auf den Schienen bleibt und ungebremst weiterfahren kann. Deshalb will man Opponenten wie Wiedemann noch schnell aus der Kommission kippen.

Warum sprechen Sie ausgerechnet ihm Kompetenz zu?
Der Mathematiklehrer Jürg Wiedemann ist ein Mann der Praxis und vertritt nicht einfach ideologische Standpunkte. Seine Meinung fusst auf Erfahrungen. Er argumentiert im Gegensatz zu zahlreichen Mitgliedern in der Bildungskommission mit Erlebnissen aus der Praxis, leistet unglaublich starke Arbeit im Hintergrund und ist stets bestens informiert. Das ist von unschätzbarem Wert für die Kommission.

Das führt mich automatisch zur Frage: Wie viele Mitglieder der Bildungs- und Kulturkommission verstehen etwas von der Materie Bildung?
Ich will niemandem zu nahe treten. Aber von den 13 Mitgliedern hat vielleicht die Hälfte eine Affinität zum Thema. Nur wenige können wirklich aus der Schulpraxis mitsprechen – Sabrina Corvini-Mohn zum Beispiel. Jürg Wiedemann zeigte sich skeptisch gegenüber den Neuerungen, welche die Bildungstechnokraten von Urs Wüthrichs Direktion kreiert haben.

Hat Jürg Wiedemann Meilensteine in der Bildungspolitik gesetzt?
Ja, mit seinen parlamentarischen Initiativen gegen die Schaffung von Sammelfächern. Er hat einen Meilenstein gesetzt, indem er Urs Wüthrichs Bildungspolitik so gebremst hat, damit wir wieder in Ruhe über Alternativen nachdenken können. Zu viele Gleichgesinnte haben sich in der Direktion installiert. Aber Jürg Wiedemann stellte vieles infrage. Das ist bei den linken Parteien nicht gut angekommen.

Sie verstehen doch, dass die Grünen alarmiert sein müssen, wenn ihr Mitglied darüber nachdenkt, auf einer anderen Liste als Nationalrat zu kandidieren?
Jürg Wiedemann hat es schwer bei den Grünen. Er musste sich im Komitee Starke Schule Baselland zusammen mit anderen Grünen auch absichern. Festzuhalten ist, dass die Grünen gar nichts gewinnen, wenn sie sich von ihm trennen, ausser, dass sie sagen können: Wir haben es ihm gezeigt! Kommt die Liste «Grüne und Unabhängige» mit Wiedemann als Kandidaten zustande, dann ist Nationalrätin Maya Graf draussen.

Sie beklagten eingangs, dass Wiedemanns Austritt aus der Kommission ein Verlust wäre. Es ist eine Einzelstimme.
Sie unterschätzen seinen Einfluss. Das Stimmenverhältnis ist sehr labil in der Kommission. Ob Wiedemann drinsitzt oder sich dispensieren lassen muss, kann Auswirkungen auf das Abstimmungsverhältnis, ob der Bildungskurs nach links oder nach rechts driftet. Die Grünen sind match­entscheidend.

Welche wichtigen Geschäfte werden in der Kommission behandelt noch vor den Sommerferien, auch wenn Wiedemann aus der Kommission geflogen sein wird?
Die Vernehmlassung zu den Sammelfächern, die zu Ende gegangen ist, führt zu zwei ganztägigen Sitzungen. Vielleicht wird die Kommission noch vor den Sommerferien einen Beschluss fassen.

Als Kommissionspräsident können Sie die Traktandenliste bestimmen.
Das ist richtig. Auch kann ich Jürg immer noch zu Sitzungen beiziehen. Aber es gibt Leute, die auf einen Abschluss des Geschäfts drängen, weil die Kommission ab August konservativer sein wird und es Sammelfächer in der Kommission schwerer haben werden. Ist Jürg jetzt nicht drin, sind wir in der Unterzahl beim Thema Sammelfächer. Dann ist die Kommission SP-orientiert.

Glauben Sie, dass die SP auf die Grünen Druck gemacht hat, Wiedemann genau deswegen aus der Partei zu werfen?
Sie hat sicher Freude daran. Mehr weiss ich nicht dazu.

Haben Sie sich über Jürg Wiedemann auch genervt?
Klar, wenn er auf Trinkwasserpanik macht oder wenn er unverhältnismässige Deponiesanierungen fordert, kann ich ihm nicht mehr folgen. Er ist letztlich ein linker Politiker.

Basler Zeitung

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