«Ungewöhnlich, dass die SP so lange brauchte»

Wie ist die Regierungsratswahl zu interpretieren? Joël Hoffmann, BaZ-Ressortleiter Stadt und Land, fragt Thomas Dähler, den BaZ-Experten für Baselbieter Politik.

Die Überraschung steckt im Detail, sagt BaZ-Politikexperte Thomas Dähler. Vor allem erstaunt das gute Resultat von Kathrin Schweizer. Aber auch das von Anton Lauber.

Joël Hoffmann: Alle bisherigen Regierungsräte sind wiedergewählt und Kathrin Schweizer ist für die SP in die Regierung gewählt – ist das eine Überraschung?

Thomas Dähler: Natürlich nicht. Es ist alles wie erwartet gekommen. Vier Jahre lang war die SP in der Opposition, jetzt ist die Konkordanz wieder hergestellt. Überraschend ist nur, dass Kathrin Schweizer ein so gutes Resultat gemacht hat.

Worauf ist das gute Resultat von Schweizer zurückzuführen?

Ich sehe verschiedene Aspekte. Die bisherige Regierung ist schwierig zu beurteilen. Toni Lauber hat ein Spitzenresultat erzielt, Thomas Weber und Monica Gschwind haben nicht gut abgeschlossen, so im Sinn: Einer hat die schwarzen Zahlen, und jene, die diese möglich machten, sind abgestraft worden.

Warum hat Lauber als Kassenwart des Kantons dieses hervorragende Resultat geholt?

Es zeigt, dass diese Sparpolitik mehrheitsfähig ist. Auch wenn von Links behauptet wurde, dass ein solcher Sparkurs nichts bringt, die Bevölkerung unterstützte die Anstrengungen, wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Warum hat Schweizer, die Oppositionspolitik betrieb, dennoch ein solch gutes Resultat erzielt?

Hier muss man doch relativieren. In der SP machten sie natürlich Oppositionspolitik, aber nicht in erster Linie Kathrin Schweizer. Im Wahlkampf hat sie das Argument Konkordanz stark eingesetzt. So gesehen kann ich nachvollziehen, dass sie belohnt worden ist.

Jetzt ist Kathrin Schweizer die erste SP-Frau in der Regierung. Ist das wichtig fürs Baselbiet?

Grundsätzlich ist wichtig, dass Frauen vertreten sind. Mir scheint es ungewöhnlich, dass die SP so lange brauchte, um eine Regierungsrätin zu stellen.

Was wird sich ändern mit Kathrin Schweizer in der Regierung? Die Regierung bleibt auch nach dem Wahlsonntag klar bürgerlich.

Das hängt von der Direktion ab, die sie künftig verantwortet. Es ist schwierig zu spekulieren, welches Departement sie übernehmen könnte.

Möchtest du nicht spekulieren?

Isaac Reber hat ein so gutes Resultat erreicht, dass er Anspruch auf die Baudirektion erheben kann.

Warum haben Thomas Weber und Monica Gschwind ein weniger gutes Resultat erreicht? Das hängt wohl mit den Massnahmen zusammen, die sie durchführen mussten Monica Gschwind hat sich bei der Universitäts-Debatte durchgesetzt und es gab weniger Geld, Thomas Weber hat die Spitalfusion nicht durchgebracht, hinzu kommt bei ihm der Trend – der Trend ist gegen die SVP.

Die Regierungsratswahl ist für die SVP ein Desaster: Thomas Weber weit abgeschlagen, Thomas de Courten chancenlos, fast noch überholt vom Aussenseiter – wie kam es soweit?

Majorzwahlen sind immer ein Problem für die SVP, weil sie dann nicht nur die eigenen Leute ansprechen kann. Und jetzt mit dem Trend ist es umso schwerer.

Letzte Frage: Wird sich mit diesem neu zusammengesetzten Regierungsrat im Kanton Basel-Landschaft etwas ändern?

Ich denke, es wird mehr der Konsens gesucht.

baz.ch/Newsnet

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