Sie kämpfen gegen ihre Abwahl

Bei den Landratswahlen dürften auch dieses Jahr mehrere Landratsmitglieder die Wiederwahl verpassen.

Die Wiederwahl von Daniel Altermatt (GLP, Münchenstein) ist gefährdet.

Die Wiederwahl von Daniel Altermatt (GLP, Münchenstein) ist gefährdet.

(Bild: Dominik Plüss)

Thomas Dähler

Mehreren Landrätinnen und Landräten droht bei den Gesamterneuerungswahlen vom 31. März die Abwahl. Das hat im Baselbiet Tradition. Vor vier Jahren wurden insgesamt 14 Bisherige nicht mehr gewählt. Schuld an der vergleichsweise hohen Zahl an Abwahlen ist vor allem das Baselbieter Wahlsystem.

Gewählt wird in zwölf Wahlkreisen unterschiedlicher Grösse. Im Proporz zugeteilt werden die Mandate jedoch in vier Wahlregionen, die zwei bis vier Wahlkreise zusammenfassen. Zudem sind allen zwölf Wahlkreisen sechs Parlamentssitze unabhängig von der Bevölkerungszahl fix zugeordnet. Die Folge daraus ist ein kompliziertes Umverteilungsverfahren der Mandate von einem Wahlkreis in einen anderen, was jeweils mehreren Landräten trotz hoher Stimmenzahl den Verlust des Sitzes beschert. Vor vier Jahren waren deswegen trotz guter Wahlresultate Hans Furer (GLP), Gerhard Schafroth (GLP) und Martin Geiser (EVP) nicht wiedergewählt worden.

In zwei der vier Wahlregionen sind für die diesjährigen Wahlen neue Listen eingereicht worden. In der Wahlregion eins (Allschwil, Binningen, Oberwil) tritt neu die Allschwiler Volkspartei (AVP) an, eine Liste mit früheren SVP-Mitgliedern, die nach dem Ausschluss von Roman Klauser und Pascale Uccella gebildet wurde. Uccella wird die Wiederwahl kaum schaffen, denn die AVP dürfte, wenn überhaupt, nur einen einzigen Sitz ergattern. Die entsprechenden Verluste für die SVP könnten zudem zur Folge haben, dass ein Sitz der Grünen vom Wahlkreis Oberwil in den Wahlkreis Allschwil wechselt. Dies würde den Sitz der bisherigen Landrätin Lotti Stokar gefährden.

Zwei Sitze für die «Mitte»

In der Wahlregion vier (Sissach, Gelterkinden, Waldenburg) sind neu in allen Wahlkreisen Listen der «Mitte» eingereicht worden. Diese Gruppierung besteht in den einzelnen Wahlkreisen aus jeweils zwei Kandidierenden der Grünliberalen und je einem der CVP und der BDP. Diese neuen Listen könnten im Oberbaselbiet gut und gerne zwei Mandate erringen – zum Nachteil von SP und SVP. Im Wahlkreis Sissach gefährdet dies den Sitz von Sandra Strüby (SP), weil gemäss Berechnungen dieser Sitz nach Waldenburg verschoben werden könnte. Und im Wahlkreis Gelterkinden könnte der Sitzverlust an die neue «Mitte» die Wiederwahl von Hans-Urs Spiess (SVP) gefährden.

In der Wahlregion drei (Liestal, Pratteln) ist die Ausgangslage im Vergleich zu 2015 unverändert. Es sind die gleichen Parteien, die Listen eingereicht haben. Auch bei Berücksichtigung der nationalen Trendmeldungen ist es unwahrscheinlich, dass die BDP oder die FDP früher verlorene Mandate zurückerobern.

Parteiinterne Konkurrenz

Hingegen sehen sich Bisherige starker parteiinterner Konkurrenz ausgesetzt. So dürfte Christoph Buser (FDP, Füllinsdorf) im Wahlkreis Pratteln vom Prattler Gemeindepräsidenten Stephan Burgunder bedrängt werden. Und Landrätin Priska Jaberg (EVP, Bubendorf) könnte parteiintern vom Sissacher Micha Eglin überholt werden.

Am unübersichtlichsten ist die Ausgangslage in der grossen Wahlregion zwei (Münchenstein, Muttenz, Reinach, Laufen). Hier könnte es gemäss den Trends für die Grünen zu einem zusätzlichen Mandat zulasten der SVP reichen. Das Nachsehen könnte Martin Karrer (Pfeffingen) haben. Gefährdet ist auch die Wiederwahl von Daniel Altermatt (GLP, Münchenstein), denn der Sitz der Grünliberalen könnte vom Wahlkreis Münchenstein in den Wahlkreis Reinach wechseln.

Erstaunlich ist, dass das Umverteilungsverfahren, welches das Prädikat «demokratisch» nicht verdient, von niemandem infrage gestellt wird. Für Wählerinnen und Wähler jedenfalls ist es nicht durchschaubar, braucht es doch dafür mehr als Kopfrechenkünste. Möglicherweise wurde es nach früheren Landratswahlen nie infrage gestellt, weil die Opfer dieser Rechenübungen anschliessend gar nicht mehr im Landrat sitzen.

Basler Zeitung

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