SP-Schweizer macht auf FDP

Ein überparteiliches Komitee wirbt mit blauen Flyern und Anzeigen für Kathrin Schweizer. Die Freisinnigen sind sauer.

Verantwortlich für die Farbwahl ist denn auch nicht das Mitte-, sondern Kathrin Schweizers persönliches Wahlkomitee, das vorwiegend aus SPlern und Grünen besteht.

Verantwortlich für die Farbwahl ist denn auch nicht das Mitte-, sondern Kathrin Schweizers persönliches Wahlkomitee, das vorwiegend aus SPlern und Grünen besteht.

(Bild: Dominik Plüss)

Jan Amsler

Da staunt der Zeitungsleser nicht schlecht: Regierungsratskandidatin Kathrin Schweizer lächelt aus einem Inserat entgegen, daneben ein dicker hellblauer Balken. Auf diesem steht in weisser Schrift: «Bürgerliche und Parteilose für die Konkordanz. Die SP gehört wieder in die Regierung.»

Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um eine Werbefläche der FDP. In Wahrheit liegt die Urheberschaft aber bei einem Pro-Schweizer-Komitee, das aus Mittepolitikern besteht und vergangene Woche ins Leben gerufen worden ist. Nur eines der 50 Mitglieder gehört tatsächlich der FDP an: Heidi Frei, Gemeinderätin in Münchenstein (die BaZ berichtete). Analog dem Inserat sind auch der Flyer und die Website des Komitees in einem Blau gehalten, das jenem der Freisinnigen auffällig ähnelt.

Bei den Freisinnigen stösst die Kampagne sauer auf: «Dass hier suggeriert wird, die FDP sei mit an Bord, erachte ich als grenzwertig», sagt Interimspräsidentin Saskia Schenker zur BaZ. Die FDP unterstützt offiziell das bürgerliche Viererticket mit Monica Gschwind (FDP), Anton Lauber (CVP), Thomas Weber und Thomas de Courten (beide SVP) – nicht aber SP-Kandidatin Kathrin Schweizer. «Mit der Kampagne wird gezielt ein falsches Bild vermittelt.» In den Augen Schenkers wird die Grenze des Anstands damit klar überschritten.

Mitte-Flyer von Linken entworfen

Paul Spänhauer, parteiloser Gemeindepräsident von Maisprach und offiziell Kopf des blauen Schweizer-Komitees, hat den Flyer erst am Tag der Pressekonferenz zu Gesicht bekommen: «Mit der Gestaltung des Flyers und des Inserats habe ich nichts zu tun.» Ihm sei aber «wurscht», in welcher Farbe die Kampagne daherkomme: «Jetzt ist es halt blau.»

Verantwortlich für die Farbwahl ist denn auch nicht das Mitte-, sondern Kathrin Schweizers persönliches Wahlkomitee, das vorwiegend aus SPlern und Grünen besteht. Dieses Wahlkomitee war es auch, das die Mittepolitiker zusammengetrommelt hat.

«Blau passt gut zum Bild»

Schweizer hat die Kampagne abgesegnet und sieht darin kein Problem: «Blau ist von keiner Partei patentiert.» Von bewusster Täuschung will sie nichts wissen: «Klar war einfach, dass das bürgerliche Komitee nicht in Rot oder Grün, also den Farben von SP und Grünen, auftreten soll.» Und: «Wir sind der Meinung, das Blau passt gut zum Bild.» Ausserdem sei jede Farbe politisch irgendwie besetzt.

Geht man die Mitgliederliste des überparteilichen Schweizer-Komitees durch, fällt auf, dass von bürgerlicher Seite vor allem CVP-Politiker mit von der Partie sind. Daher hätte wohl weniger Anlass für Zoff bestanden, wenn das Komitee etwa in Orange oder Gelb aufgetreten wäre. Schweizer aber sagt: «Die CVP pflegt ihre Farbe Orange stärker, als es die FDP mit dem Blau macht.» Die Kritik kontert sie mit der Feststellung, dass «die vier rechten Kandidierenden» für ihre Kampagne schliesslich auch rot und grün verwenden. «Die SP und die Grünen haben das meines Wissens auch nicht kritisiert.» Ausserdem gehe es im Kern doch gar nicht um das Blau: «Nervt sich die FDP wirklich ab der Farbe? Und nicht etwa eher daran, dass sich ein so breites Komitee von EVP/GLP bis FDP-Mitgliedern für die SP-Kandidatin ausspricht?»

Kritik aus eigenen Reihen

Mit seinem Auftritt irritiert das Schweizer-Komitee bei der FDP nicht nur Saskia Schenker. Auch andere Mitglieder haben laut der Interimspräsidentin ihren Unmut darüber geäussert. Kritisiert werde auch, dass sich Parteimitglied Heidi Frei öffentlich für Schweizer starkmacht – und somit dazu beiträgt, dass die FDP mit einer Unterstützung der SP-Kandidatin in Zusammenhang gebracht wird.

Frei selber will den Auftritt des Komitees und die Kritik aus den eigenen Reihen nicht kommentieren. Sie sagt nur: «Ich hatte keinen Einfluss auf die Gestaltung.» Ihr Beitritt zum Komitee basiere auf Gründen der Konkordanz. «Dafür stehe ich ein.»

Mangelnde Teamfähigkeit

Parteichefin Schenker hat, nachdem sie vom blauen Flyer erfahren hatte, bereits mit Frei telefoniert. «Ihren Entscheid, Kathrin Schweizer zu unterstützen, finde ich bedauerlich.» Ein Mandatsträger «muss sich schon sehr gut überlegen, wie er sich exponiert». Doch werde Schenker keine weiteren Massnahmen ergreifen.

Nicht nur das Mitte-Komitee in den Diensten Schweizers hat jüngst für Streit gesorgt. Auch die sechs Gemeindevertreter, die sich für das bürgerliche Viererticket eingesetzt hatten, gerieten in die Kritik. Sie haben es nicht dabei belassen, sich für die drei amtierenden bürgerlichen Regierungsräte und den Herausforderer Thomas de Courten auszusprechen, sondern attackierten Mitbewerberin Kathrin Schweizer, indem sie ihr mangelnde Teamfähigkeit vorwarfen. Dass sie «auf den Mann gespielt» haben, kam allgemein schlecht an.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt