SP und Grüne für Frauen und Familien

Nach den Baslern machen sich nun auch Baselbieter Parlamentarier für Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit stark. Ausserdem reicht die SP anlässlich des Frauenstreiks ein ganzes Paket an Vorstössen ein.

Florence Brenzikofer (Grüne) und Lucia Mikeler (SP) wollen Vätern mehr Zeit mit ihren Kindern ermöglichen. Foto: Heike Grasser

Florence Brenzikofer (Grüne) und Lucia Mikeler (SP) wollen Vätern mehr Zeit mit ihren Kindern ermöglichen. Foto: Heike Grasser

Eine Woche nachdem sich der Basler Grosse Rat für einen Vaterschaftsurlaub von zwanzig statt zehn Tagen für Kantons­angestellte ausgesprochen hat, nehmen sich auch Baselbieter Parlamentarier dem Thema an. Grünen-Landrätin Florence Brenzikofer reicht heute Donnerstag eine Motion ein, in der sie für Väter, die beim Kanton ­Baselland angestellt sind, bei der Geburt eines Kindes zehn statt fünf Tage bezahlten Urlaub fordert (die BaZ berichtete).

Brenzikofer gibt zu, dass sie bewusst die Debatte im Grossen Rat abgewartet hat. Doch die Oberbaselbieterin hatte dem ­Regierungsrat bereits im März Fragen zu diesem Thema gestellt. Ausserdem ist es nicht das erste Mal, dass sich Brenzikofer für den Vaterschaftsurlaub einsetzt: Nachdem sie 2003 erstmals in den Landrat gewählt worden war, war einer ihrer ersten Vorstösse eine Motion, die eine Erhöhung von einem auf fünf Tage forderte. Noch bevor der Vorstoss im Parlament behandelt wurde, änderte der Regierungsrat die Personalverordnung und erhöhte den Vaterschaftsurlaub wie ­gefordert auf fünf Tage.

Nun will Brenzikofer einen Schritt weiter gehen: «Da das Thema momentan auch auf nationaler Ebene diskutiert wird, glaube ich, dass jetzt der richtige Moment ist dafür.» Natürlich würde sie sich nicht nur für Kantonsangestellte einen längeren Vaterschaftsurlaub wünschen. Doch als Landrätin könne sie nicht mehr tun, als auf Kantonsebene etwas zu bewirken. «Alles andere liegt beim Bund.» Für die dreifache Mutter ist wichtig, dass der Vorstoss breit abgestützt ist. Politiker aus verschiedenen Fraktionen hätten ihr zugesichert, dass sie die Motion mitunterzeichnen.

Frei einteilbare Elternzeit

Auch die SP macht sich für ­Familien stark. Lucia Mikeler ­verlangt in einem Postulat, die Finanzierung von Elternzeit für alle Baselbieter Familien zu prüfen. Sie orientiert sich dabei an den Zahlen der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen, die zusätzlich zu den bestehenden 14 Wochen Mutterschaftsurlaub noch 24 Wochen Elternzeit empfiehlt. Von diesen 24 Wochen sollen acht nur vom Vater bezogen werden können. Die restlichen 16 Wochen sollen die Eltern zwischen der Geburt und der Einschulung des Kindes frei unter sich aufteilen können.

Den Vorstoss hat Mikeler insbesondere aus eigener Betroffenheit eingereicht: «Als Hebamme spüre ich täglich, wie Familien darunter leiden, dass der Vater so kurz nach der Geburt schon wieder arbeiten muss.» Vor allem, weil die Frauen immer weniger Zeit im Spital verbringen, sei dies nicht einfach. «Die Frauen benötigen in der vulnerablen Zeit des Wochenbetts unbedingt Betreuung», sagt Mikeler. Die Land­rätin ist überzeugt davon, dass derzeit ein Paradigmenwechsel im Gang ist: «Junge Männer haben heute ein anderes Weltbild als früher. Es geht nicht mehr darum, zwingend 100 Prozent zu arbeiten und Karriere zu machen. Die Familie hat mehr Priorität bekommen.»

Mikelers Postulat ist Teil eines Pakets von insgesamt sechs Vorstössen, das die SP-Fraktion heute einreicht. Anlässlich des Frauenstreiks am Freitag haben die Sozialdemokraten das Motto «Lohn. Zeit. Respekt.» übernommen und dazu verschiedene Forderungen ausgearbeitet.

Flexiblere Arbeitspensen

So will Fraktionspräsidentin ­Miriam Locher beispielsweise die Anstellungsbedingungen von Berufen, die traditionell von Frauen ausgeübt werden, verbessern. Besonders im Pflege- oder Sozialbereich seien die Konditionen oft schlecht. Weil der Bedarf an Betreuungs- und Pflege­personal mit der steigenden Lebenserwartung immer grösser werde, erachtet Locher eine ­Verbesserung der Situation als unabdingbar.

Zudem fordert die SPlerin mehr Lohnkontrollen, um die Gleichstellung von Mann und Frau sicherzustellen. Ein weiterer ihrer Vorstösse zielt darauf ab, bereits ab der Sekundarstufe intensive Präventions- und Informationsarbeit zu leisten, um damit sexueller Belästigung und Sexismus vorzubeugen.

Auch Parteikollegin Désirée Jaun reicht einen Vorstoss im Rahmen des Frauenstreiks ein. Jaun spricht sich für ein Arbeitszeitmodell aus, bei dem das Pensum testweise für eine bestimmte Zeit reduziert, danach aber wieder auf den ursprünglichen Beschäftigungsgrad aufgestockt werden kann. Dieses Modell ­werde derzeit von verschiedenen Arbeitgebern getestet. Die Birsfelderin ist sich sicher, dass ­solche temporäre Reduktionen Frauen und Männern eine Fle­xibilität ermöglichen, ohne dabei die finanzielle Sicherheit ­aufzugeben.

Basler Zeitung

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