Peter Meier war eine aussergewöhnliche Richterpersönlichkeit

Der ehemalige Kantonsgerichtspräsident verstarb überraschend im Alter von 75 Jahren.

Herausragend als Kantons­gerichtspräsident und Mensch: Peter Meier.

Herausragend als Kantons­gerichtspräsident und Mensch: Peter Meier.

(Bild: Tino Briner)

Thomas Gubler

An sein Fehlen wird man sich erst noch gewöhnen müssen. Obschon seit einiger Zeit pensioniert, war der ehemalige Kantonsgerichtspräsident Peter Meier immer noch ein fester Bestandteil dieses Kantons: in den letzten Jahren vielleicht weniger als profilierter Jurist und Richter, dafür als politisch interessierter und engagierter Mensch. Man traf ihn im Stedtli, an FDP-Anlässen, er präsidierte die Stiftung Luftseilbahn Reigoldswil-Wasserfallen, und erst jüngst noch machte er sich für eine Wahl von Daniela Schneeberger in den Ständerat stark. In der Nacht vom letzten Freitag auf den Samstag ist Peter Meier in seinem Heim in Lupsingen für alle überraschend verstorben.

Meier war eine aussergewöhnliche Richterpersönlichkeit. Seine mündlichen Urteils­begründungen bestachen dadurch, dass auch komplexe juristische Zusammenhänge für die Parteien und das Publikum nachvollziehbar waren. «Juristenchinesisch» war nicht seine Sache. Seine Sprache war ­verständlich. Obwohl der Kantonsgerichtspräsident stets der unbestrittene Chef im Saal war, wirkte er nie elitär. Meier nahm sein Gegenüber ernst und behandelte Rechtssuchende als Kunden. Er fände es unerträglich, wenn Richter ihre Macht «durch einschüchterndes Gehabe» missbrauchten, erklärte er einst nach einer Panne im Gerichtssaal.

Die Verhandlung hatte eben begonnen, als das Handy eines Kunden penetrant zu läuten begann und dieser das Ding vor lauter Nervosität nicht mehr zum Schweigen bringen konnte. Statt den älteren Mann noch zusätzlich zu verunsichern, bat Peter Meier den Gerichtsweibel, dem Mann doch draussen beim Abschalten zu helfen. Der Situation war damit jede Peinlichkeit genommen. Der Vorsitzende war eben ein Gentleman-Richter.

Spektakulärer Fall

Besondere Freude bereiteten Peter Meier denn auch nicht primär die spektakulären Fälle, sondern Lob von unerwarteter Seite. Etwa wenn ein Unterlegener dem Kantonsgerichtspräsidenten gegenüber Verständnis für den Richterspruch zeigte. Die spektakulären Fälle hatte er allerdings auch – erst am Verwaltungs­gericht und ab 1. April 2002 nach der Gerichtsreform als erster Kantonsgerichtspräsident. Zu nennen wäre etwa der in der Öffentlichkeit eifrig diskutierte Fall «Sabo/Röschenz» im Herbst 2007, bei dem es um die Verflechtung von staatlichem und innerkirchlichem Recht ging und in den der Bischof von Basel involviert war. Das Kantonsgericht unter Peter Meier betrat in diesem Fall nicht nur Neuland, sondern fällte auch einen bis heute wegweisenden Entscheid.

Ende 2008 trat Peter Meier im Alter von 64 Jahren in den Ruhestand – nach einem Berufsleben ganz im Dienste des Baselbiets. Zwar war er einmal im Begriff, in die Privatwirtschaft zu wechseln, doch dann wurde ihm eine Stelle angeboten, die er schlicht nicht ausschlagen konnte: Direktionssekretär (heute Generalsekretär) der Justiz- und Polizeidirektion. Von dort wechselte er später ans Verwaltungsgericht.  Ein Jährchen länger wäre er gerne noch am Kantonsgericht geblieben. Aber damals hatten Staatsdiener mit 64 in Rente zu gehen, ob sie wollten oder nicht. Angst vor Langeweile hatte der Reisefan und Hobbyflieger allerdings nicht. Vielmehr war er zu Beginn seines Ruhestands bestrebt, seinen Terminkalender nicht zu sehr auszufüllen.

Elf Jahre aktiven Ruhestands waren Peter Meier vergönnt, bis er vor Wochenfrist am Morgen nicht mehr erwachte. Wer den freundlichen und zuvorkommenden Kantonsgerichtspräsidenten und Menschen Peter Meier gekannt hat, wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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