Mit dem Abfall schnell über die Grenze

Um sich die Gebühren für den Bebbi-Sack zu sparen, entsorgen viele Basler ihren Müll illegal in Deutschland und Frankreich.

Bussen bis 100'000 Euro möglich. Dreiste Abfallsünder werfen die Müllsäcke einfach in den Wald.

Bussen bis 100'000 Euro möglich. Dreiste Abfallsünder werfen die Müllsäcke einfach in den Wald.

(Bild: Keystone)

Zwei Franken und 30 Rappen kostet der 35-Liter-Bebbi-Sack. Eine hohe Abfallgebühr, die für viele Basler ein Ärgernis ist. Deshalb greifen immer mehr Basler zu einem unschönen Mittel – sie fahren mit ihrem Hausmüll einfach mal schnell über die Grenze und entsorgen ihn illegal. Dabei gingen sie auch noch richtig schamlos vor, wie Günther Merz, Centermanager im Rheincenter Weil am Rhein, berichtet. «Wir müssen täglich Tüten und Abfallsäcke wegräumen, die meist Schweizer Kunden im Parkhaus stehen lassen», sagt er. «Ich habe schon Schweizer da­rauf angesprochen und bekam zu hören, dass sie die Waren bei uns gekauft hätten und wir deshalb den Müll auch wieder nehmen sollen. Oft wird auch vorgebracht, dass man sich die teuren Bebbi-Säcke sparen wolle.» Das Rheincenter verzichtet darauf, die Schweizer Abfallsünder zu büssen. «Wir wollen ja unsere Kunden nicht verlieren», sagt Merz.

Weniger Verständnis zeigen die Behörden im Landkreis Lörrach. Denn die dreisten Abfall-Grenzgänger schrecken nicht davor zurück, die Müllsäcke einfach in den Wald zu werfen. «Aktuell haben wir den Fall eines Baselbieters», sagt Hans-Albert Oswald, Sachbearbeiter im Bereich Umweltrecht beim Landratsamt Lörrach. «Er hat in Badisch Rheinfelden zwei Müllsäcke entsorgt und wurde dabei von Zeugen beobachtet. Sie konnten seine Autonummer notieren», sagt Oswald. Gegen den Baselbieter wurde Anzeige erstattet. «Es wird eine Busse geben. Die Bussenhöhe hängt stark von der Menge und der Gefährlichkeit des entsorgten Stoffes ab», so Oswald. «Es sind Bussen bis 100'000 Euro möglich.»

Bevölkerung verärgert über Abfalltourismus

Doch damit nicht genug: Dem Baselbieter Kehricht-Sünder drohen noch weitere Kosten. In den nächsten zwei Wochen muss er den Müll in Rheinfelden wieder einsammeln. «Sonst wird das eine Firma für uns erledigen. Das verrechnen wir dann dem Mann.» Das Landratsamt bestätigt, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt. «Allerdings können wir nicht jeden Sünder überführen. Obwohl die Polizei jeden Sack durchforstet, kann leider nicht jeder Müll einer Person zugeordnet werden», sagt Oswald.

Mittlerweile ärgert sich auch die Lörracher Bevölkerung über den Abfalltourismus aus der Schweiz. «Wir erhalten regelmässig Hinweise, dass auf unseren Recycling-Höfen Autos mit Basler Kennzeichen vorfahren», sagt Michael Hellmann, Sprecher der Abfallwirtschaft des Landkreises Lörrach. In Deutschland können die Anwohner dort ihren Sperrmüll ohne zusätzliche Kosten entsorgen, weil sie eine jährliche Abfallgebühr zahlen. Dass die Schweizer sich dort auch anstellen, ohne dafür zu zahlen, kommt nicht gut an. Im Februar haben die Behörden auf das Drängen der Bevölkerung reagiert und an einem Samstagvormittag eine Grosskontrolle auf den vier Recycling-Höfen im Bezirk durchgeführt. Tatsächlich wurden die Kontrolleure fündig. «Bei 14 Fahrzeugen mit einem Basler Autokennzeichen stellten wir eine unberechtigte Benutzung fest. Wir haben die Lenker verwarnt», so Hellmann.

Arzt schnitt Adressen aus

Sorgen mit dem Schweizer Abfall haben längst nicht nur die Lörracher und der deutsche Grenzbereich zur Schweiz. Auch die französischen Behörden kennen das Problem. Betroffen ist vor allem der französisch-schweizerische Grenzabschnitt zwischen Saint-Louis und Leymen. «Es gibt jedes Jahr um die 15 Fälle», sagt Jean-Paul Linder von der Brigade Verte in Hagenthal-le-Bas. «Meistens deponieren die Schweizer die Abfallsäcke einfach am Strassenrand, darunter haben wir auch immer wieder solche, die im Elsass einen Zweitwohnsitz haben.»

Vergangenes Jahr ging der Brigade Verte ein Baselbieter Arzt ins Netz, der mehrere Säcke mit Hausmüll im Elsass wegwarf. Von einer Verwarnung liess der Mann sich nicht beeindrucken und schnippelte vorsorglich alle Adressen von den Couverts, die er in den Abfallsack stopfte. Nur weil ihm eine Unachtsamkeit unterlief, konnte die Brigade Verte den Wiederholungstäter dingfest machen. «Es drohen bis zu 1000 Euro Busse», sagt Linder.

Es sind aber nicht nur die Basler, die sich als Abfallsünder entlang der Schweizer Grenze unbeliebt machen. Auch in anderen Landesteilen wird versucht, auf diesem Weg Abfallgebühren zu sparen. So haben die Behörden in Konstanz und Waldshut ebenfalls schon Bussen gegen Schweizer ausgesprochen.

Basler Zeitung

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