Kriminaltouristin klaute mehrere Wohnwagen

Eine 32-jährige Roma erhält eine bedingte Strafe wegen Diebstahl von mehreren Luxus-Wohnwagen. Die Staatsanwaltschaft kündigt noch vor Gericht Berufung an.

Frauen am Werk: Das Foto einer Überwachungskamera der Aescher Firma vom März 2013 zeigt den Abtransport eines Wohnwagens.

Frauen am Werk: Das Foto einer Überwachungskamera der Aescher Firma vom März 2013 zeigt den Abtransport eines Wohnwagens.

(Bild: Polizei Basel-Landschaft)

Die Täter wussten genau, was sie wollten. Innert nicht mal eines Jahres wurde auf dem Areal einer Aescher Firma, die Wohnmobile verkauft, drei Mal eingebrochen. Jedes Mal fehlte am nächsten Morgen ein Wohnmobil der Luxusklasse. Zwischen 50 000 und 100 000 Franken kostet jedes der drei Wohnmobile der Firma Tabbert neu – dafür bieten sie jeden erdenklichen Luxus für unterwegs: von der voll ausgestatteten Küche mit Mahagoni-Verkleidung bis hin zum Wellnessbad. Die Einbrüche gingen auf das Konto einer Roma-Bande. Offenbar waren dabei vor allem Frauen am Werk. Jedenfalls zeigte ein Foto der Überwachungskamera im März letzten Jahres drei Damen beim Abtransport. Drei Monate später erwischte die Polizei im luzernischen Wolhusen dann vier Frauen, die gerade zwei Wohnwagen geklaut hatten.

Eine der Frauen stand gestern in Lies­tal vor dem Strafgericht. Insgesamt sei sie beim Diebstahl von fünf Wohnwagen dabeigewesen, so die Anklage. Sie habe zusammen mit ihren Komplizen die Sicherungen aufgebrochen und die Anhänger mit mitgebrachten Autos abtransportiert. Um nicht aufzufallen, hat die Bande mindestens in einem Fall noch zusätzlich Autokennzeichen geklaut und dann am gestohlenen Wohnwagen angebracht. Als die Polizei den Wagen mit der 32-Jährigen am Steuer stoppte, fand sich eine grosse Menge Einbruchswerkzeug im Kofferraum, zudem enthielt das Portemonnaie der Frau Ausweise für zwei Alias-Namen. Auch der Führerschein war gefälscht.

Vom Mann gezwungen

Sie stamme ursprünglich aus Serbien, sei aber als Fahrende in Italien und Spanien aufgewachsen und habe keine gültigen Papiere, sagte die Frau vor Gericht. Die letzte Adresse von ihr stammt aus dem elsässischen Saint-Louis – diese existiert allerdings gar nicht.

«Mein Mann hat mir die falschen Ausweise besorgt», so die Frau. Auch sonst schob sie die gesamte Schuld auf ihren Mann. «Ich habe die Taten nicht begangen, weil ich wollte, sondern weil ich gezwungen wurde», sagte sie. Ihr Mann habe sie unter Schlägen und Drohungen zu den Diebestouren genötigt. Tatsächlich war die Frau bei ihrer Verhaftung grün und blau geschlagen.

Hoher Deliktbetrag

Auch ihr Anwalt betonte, dass sich die Frau lange in einer grossen Abhängigkeit ihrer Familie befand. Sie sei bereits im Alter von 15 Jahren von ihrem Vater verheiratet worden. Für die Diebstähle habe sie nie Geld gesehen. Die jetzige Haft habe aber ein Umdenken veranlasst, meinte der Anwalt.

Der Staatsanwalt glaubte nicht an die Version vom willenlosen Tatwerkzeug. Auch stellte er der Frau eine ungünstige Prognose. Dazu kam, dass der Deliktsbetrag mit rund 300'000 Franken ausserordentlich hoch ausfiel. Er forderte drei Jahre Haft unbedingt.

Verwirrung nach Urteil

Das Gericht folgte allerdings vollumfänglich der Verteidigung und verurteilte die Frau wegen gewerbsmässigem Diebstahl zu einer überraschend milden Strafe von zwei Jahren bedingt. Gerichtspräsidentin Irene Läuchli händigte der Frau und den Polizisten auch sogleich die Verfügung aus, dass die Haft sofort aufzuheben ist.

Doch kaum hatte sich die Frau überschwänglich bedankt, kündigte der Staatsanwalt Berufung an. Damit muss die Frau mindestens bis zum Entscheid, ob die Haft bis zur Verhandlung in zweiter Instanz verlängert wird, hinter Gittern bleiben. Ein solches Vorgehen ist ein absolute Ausnahmesituation und sorgte für einen Moment für reichlich Verwirrung. Da die erste Verfügung nicht zurückgenommen werden konnte, musste das Gericht noch eine weitere ausstellen, dass die Frau bis zum Entscheid, der in den nächsten Tagen fallen sollte, in Haft bleibt.

Basler Zeitung

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