Kantonsgericht verschärft Urteil für Wohnwagen-Diebin

Eine Serbin entwendete mehrere Luxus-Wohnwagen und kam trotzdem schon vor einem Jahr fast auf freien Fuss. Nun hat das Kantonsgericht eingegriffen.

In flagranti geknipst: Bei einem Wohnwagen-Klau im März 2013 wurden drei Täterinnen von einer Überwachungskamera fotografiert.

In flagranti geknipst: Bei einem Wohnwagen-Klau im März 2013 wurden drei Täterinnen von einer Überwachungskamera fotografiert.

(Bild: Polizei BL)

Das Baselbieter Kantonsgericht revidierte gestern eines der überraschendsten Urteileder letzten Monate. Im Januar hatte das Baselbieter Strafgericht eine Frau, die zusammen mit unbekannten Mittätern innert weniger Monate bei Nacht-und-Nebel-Aktionen insgesamt fünf Wohnwagen abtransportiert hatte, zu lediglich zwei Jahren Gefängnis bedingt verurteilt (die BaZ berichtete). Das Kantonsgericht verurteilte die Frau nun gestern zu einer teilbedingten Strafe von zweieinhalb Jahren, davon zwölf Monate unbedingt. Diese Strafe hat die Frau mittlerweile schon fast abgesessen.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre ohne Bewährung gefordert. Für die Anklage war klar: Die heute 33-jährige Roma aus Montenegro gehört zu einer organisierten Bande von Kriminaltouristen. Dafür spricht etwa das gezielte Vorgehen: Die Täter wussten genau, wonach sie suchten. Bei ihren Einbrüchen – drei davon bei einer Aescher Firma – klauten sie gezielt Wohnmobile der Luxusklasse. Zwischen 50'000 und 100'000 Franken kostet jedes der rollenden Eigenheime neu: voll ausgestattete Küche mit Mahagoni-Verkleidung und Wellnessbad inklusive.

Wichtiges Urteil für Ermittler

Bei einem dieser Einbrüche im Baselbiet wurde die Bande von einer Überwachungskamera fotografiert: Das unscharfe Bild zeigte drei Frauen in Stiefeln und Winterjacken beim nächtlichen Abtransport eines Wohnwagens. Auch weitere Aspekte, etwa dass die Angeklagte in mehreren Ländern Europas unter mehreren verschiedenen Namen bekannt ist, deuten auf eine Berufskriminelle hin.

Die erste Instanz glaubte aber der Frau, die sagte, sie sei von ihrem damaligen Partner unter Gewalt zu den Diebstählen gezwungen worden. Mit dem Urteil wäre sie sofort in Freiheit entlassen worden. Der Staatsanwalt legte noch vor Ort Berufung ein und beantragte die Frau in Haft zu behalten.

Für die Ermittler war es enorm wichtig, dass das erstinstanzliche Urteil revidiert wurde. Denn dieses hätte künftig jeder Verteidiger eines Kriminaltouristen als Blaupause für eine milde Strafe nutzen können. So etwa hatte dem Strafgericht eine zwar suboptimale, aber dennoch eindeutige DNA-Spur, die bei einem weiteren angeklagten Einbruch in ein Privathaus sichergestellt werden konnte, nicht für einen Schuldspruch gereicht. Im Kampf gegen Kriminaltouristen sind solche Spuren jedoch meist einer der wenigen Beweise und entsprechend wichtig.

Freispruch von Bandenmässigkeit

Vor dem Kantonsgericht schob die Frau die Schuld wiederum auf ihren Ex-Freund. Dieser habe sie wiederholt misshandelt und bedroht. Tatsächlich war die Frau grün und blau geschlagen, als sie vor einem Jahr nach ihrem letzten Coup mit drei verwandten Mittäterinnen im luzernischen Wolhusen verhaftet wurde.

Den Vorsitz im gestrigen Prozess hatte der Richter Enrico Rosa, der sich mit dem wegweisenden Urteil gegen den Kriminaltouristen J. vor zwei Jahren einen Namen gemacht hatte. Das Gericht wandte gestern viel Zeit für Details und auch für die Urteilsberatung auf. Dabei kamen immer wieder Ungereimtheiten zu Tage.

In einem Punkt unterlag die Staatsanwaltschaft vor Kantonsgericht trotzdem. Sie hatte dafür plädiert, dass die Beschuldigte nicht nur wegen Gewerbs-, sondern auch wegen Bandenmässigkeit schuldig gesprochen wurde. Dazu hätten aber zu viele Fragen zur Organisationsstruktur bei den Untersuchungen von den Ermittlern nicht beantwortet werden können, urteilte das Gericht.

Basler Zeitung

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