In Münchenstein boomen Erneuerbare

Energie Aventron schliesst zu BKW und Alpiq auf und produziert erstmals Sonnenstrom ohne Subventionen.

In der Gemeinde Onnens am Neuenburgersee befindet sich die grösste PV-Anlage des Landes. Sie ist Teil des Aventron-Portfolios.

In der Gemeinde Onnens am Neuenburgersee befindet sich die grösste PV-Anlage des Landes. Sie ist Teil des Aventron-Portfolios.

Kurt Tschan

Die Baselbieter Aventron wächst schneller als der Markt. Die frühere EBM-Tochter gehört inzwischen zu den drei grossen Schweizer Produzenten erneuerbarer Energie und befindet sich auf Augenhöhe mit Axpo und BKW, wie deren CEO Antoine Millioud gestern sagte. Ihre Produktion liegt inzwischen bei 1,2 Terawattstunden (TWh). Zum Vergleich: Der gesamtschweizerische Strombedarf beziffert sich auf 58 TWh. «Somit produzieren wir bereits zwei Prozent des ­gesamten Schweizer Bedarfs», sagte Millioud. «Eine Zahl, die sich zeigen lassen darf.»

Allerdings liegt der Anteil des Stroms aus Wasser, Sonne und Wind, der in der Schweiz hergestellt wird und hier ins Netz fliesst, auf einer vernachlässigbaren Grösse. Der Umsatz liegt unter zehnProzent. Länder wie Norwegen, Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien erhalten den Grossteil des grünen Stroms, den die Münchensteiner herstellen. Primeo Energie (früher EBM) als Ankeraktionär müssen also zumeist ohne Aventron-Strom auskommen. Immerhin, so Primeo-Energie-Sprecher Jo Krebs, sind inzwischen in den 70Netzgemeinden knapp 2600 PV-Anlagen mit einer installierten Leistung von 59,3Megawatt in Betrieb.

Norweger greifen zu

So richtig grün fliesst der Strom allerdings dort, wo der Wind stärker bläst und die Sonne länger scheint. «In Spanien gibt es 1500 Volllaststunden im Jahr, in der Schweiz sind es im besten Fall 950. Im Fall des neuen Solarkraftwerks in Bargas bei Toledo, das Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen soll, werden es sogar 1900 Volllaststunden sein. «Das Bargas-Projekt im südlichen Spanien ist nicht nur ­deshalb besonders», sagte Millioud. Gemäss seinen Angaben wird es ohne Förderung auskommen. Was früher für unmöglich gehalten wurde, sei Tatsache geworden. 70 Prozent des Stroms für die nächsten fünf Jahre sicherte sich der staatliche norwegische Energiekonzern Statkraft.

Bei durchschnittlichen Gestehungskosten von 50 Franken pro Megawattstunde (MWh) und Grosshandelspreisen von 60Euro winken respektable Gewinne. Das Projekt Bargas enthalte eine gute Rendite, so Millioud. Immerhin sind bei Aventron auch Schweizer Pensionskassen über die Grossbanken CS und UBS involviert, die strenge Renditeziele verfolgen.

Schon immer sei es das Ziel ­gewesen, Energie aus Wind, Wasser und Sonne marktfähig zu machen, sagte Aventron-Finanzchef Bernhard Furrer. «Bargas zeigt, dass wir dort angekommen sind.» Allerdings glaubt er nicht, dass dieses Ziel bis auf weiteres auch in der Schweiz erreicht werden kann.

Die Schweiz sei kein Eldorado für Erneuerbare, ist er überzeugt – eine Aussage, die Millioud jedoch anzweifelt. «Es geht lediglich um die Frage, welchen Preis eine Gesellschaft bereit sei, für ihre Energie zu bezahlen», sagte er. Selbst Windenergie könne unter diesem in der Schweiz rentabel arbeiten.

Aventron will längerfristig über ein Produktionsportfolio von 1000Megawatt (MW) verfügen. Das ist beinahe eine Verdoppelung der aktuellen Kapazität.

Grosszügige Entschädigung

Wind macht die Hälfte der erzeugten Energie aus, Wasser ist das kleinste Glied, was auch nicht überrascht, da sich Aventron auf Flusslaufwerke spezialisiert hat. Der Schweiz traut Millioud ­weiterhin viel Potenzial zu. Der Gebäudepark verfüge über eine theoretische Produktionskapazität von 67 TWh im Jahr. Heute liege sie jedoch nur bei 1,7TWh. ­Aktuell grösstes Projekt von ­Aventron in der Schweiz ist das zweitgrösste Solardach auf dem Aldi-Verteilzentrum im luzernischen Perlen. Die erwartete Stromproduktion liegt bei 5,7Gigawattstunden.

Aventron ist an der Börse ­kotiert. Der Aktienkurs ist allerdings weniger interessant als die zuletzt ausbezahlten 2,5Prozent Dividende. In den letzten dreiJahren ­dümpelte der Kurs unaufgeregt zwischen neun und zehn Franken. Durchaus beachtlich präsentiert sich dagegen die Gesamtentschädigung der Geschäfts­leitung. Diese bezifferte sich 2018 auf 885 000Franken. CEO Millioud erhielt davon 359 000 Franken. An den Verwaltungsrat flossen 122 000Franken.

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