«Ich bin vielleicht nicht unumstritten»

Thomas de Courten nimmt Stellung zur Kritik von Unternehmern. Er sieht keinen Interessenkonflikt zwischen seinen zwei Rollen als Wirtschaftsförderer und Nationalrat.

Thomas de Courten versucht, Politik und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Thomas de Courten versucht, Politik und Beruf unter einen Hut zu bringen.

(Bild: Moira Mangione)

Herr de Courten, fühlen Sie sich ernst genommen, wenn Sie als Bestandespfleger auf Hausbesuche bei den Baselbieter Unternehmern gehen?
Thomas de Courten: Ja. Warum nicht? Ich begegne unternehmerischer Leistung mit Respekt und erfahre das gegenseitig.

Unternehmer erzählen, Sie würden an Ihrer Unabhängigkeit aufgrund Ihres politischen Engagements zweifeln.
Unternehmer wissen zwischen wirtschaftlichen Realitäten und politischen Debatten zu differenzieren. Wenn ich ab und zu gegen den Mainstream politisiere, habe ich meine Gründe und meist auch Argumente. Auch meine Gesprächspartner haben oft eigene Ansichten. Die richtige Art ist doch, dies gleich am Tisch zu diskutieren. Ich kenne keinen Unternehmer, der solchen Diskussionen aus dem Weg geht.

Gehört es zu Ihrer Aufgabe als Bestandespfleger, politische Diskussionen bei den Unternehmern anzuregen?
Nein, umgekehrt. Mein Ziel ist es, die unternehmerische Denkweise und Sicht in Politik, Behörden und Verwaltung einzubringen. Als Bestandespfleger setze ich mich dafür beim Kanton ein, als Nationalrat beim Bund für die Region und für die Interessen der Wähler. Selbstverständlich vertrete ich dabei auch die Werte der SVP, auch darum wurde ich gewählt.

Genau so kommt es doch zu Zielkonflikten, weil Sie immer zwei Herren dienen müssen. Wie beispielsweise bei der Masseneinwanderungs-Initiative.
Es gibt sehr wohl auch volkswirtschaftliche Gründe, diese Initiative anzunehmen. Uneingeschränkte Einwanderung hat auch negative Konsequenzen für unseren Wirtschaftsstandort. Darum kann ich auch als Bestandespfleger hinter dieser Initiative stehen. Ich hatte immer eine klare Linie und stehe zu meinen Argumenten. Darum kann ich wirklich keinen Interessenskonflikt erkennen.

Ihre öffentliche Rolle als Nationalrat hat doch Einfluss auf Ihre Rolle als Bestandespfleger, wenn sich die Unternehmer darüber aufregen.
Wer nur schwarz-weiss sehen will, kann das so beurteilen. Als Bestandespfleger bin ich Ansprechpartner der Verwaltung gegenüber der Wirtschaft. Als Nationalrat bin ich Ansprechpartner der Wirtschaft für Anliegen in Bundesbern. Es ist nicht sinnvoll, die Funktionen strikt zu trennen. Es gibt viele Unternehmer, die damit keine Probleme haben, sondern eher den Nutzen sehen.

Im Landrat forderte man schon einen Bestandespfleger, der nur einen Hut auf hat, also unabhängig ist.
Wesentlich für die Aufgabenerfüllung ist ein vielfältiges, breites Netzwerk. Das bringe ich mit meinen unterschiedlichen Funktionen besser unter einen Hut als mit einer einseitigen Verwaltungssicht. Ich bin vielleicht nicht unbestritten in diesem Job. Aber ich mache ihn mit umso mehr Leidenschaft.

Gibt es konkrete Beispiele, in denen Sie dem Kanton Baselland durch Ihre Beziehungen weiterhelfen konnten?
Da gibt es einige. Ein Baselbieter Energie-Unternehmen beispielsweise bekam nicht die nötigen Bewilligungen bei einem Bundesamt, dort konnte ich zu einer einvernehmlichen Lösung beitragen. Ein anderes Unternehmen fühlte sich bei einer eidgenössischen Ausschreibung unfair behandelt. Ich konnte dafür sorgen, dass ein Teil des Auftrags ins Baselbiet kam. Oder eine Firma kam nicht an ihre Ware beim niederländischen Zoll heran. Ich brachte sie mit der entsprechenden Bundesstelle zusammen, die jetzt verhandelt. Dieses Problem ist leider noch nicht gelöst.

Sie haben sich mit Regierungsrat Thomas Weber getroffen, um über Ihre Doppelrolle zu diskutieren. Was ist dabei herausgekommen?
Wir haben gemeinsam definiert, nach welchen Regeln wir die verschiedenen Funktionen zur gemeinsamen Aufgabenerfüllung nutzen.

Sie werden sich also weiterhin öffentlich für die Anliegen der SVP einsetzen?
Als Nationalrat vertrete ich meine Position zu Sachgeschäften auf nationaler Ebene. Auf kantonaler Ebene äussere ich mich in aller Regel nicht öffentlich, da bringe ich meine Anliegen direkt in der Direktion ein oder lege sie dem Regierungsrat vor.

Dann blieb alles beim Status quo?
Das gleiche Gespräch hatte ich schon bei Stellenantritt mit Regierungsrat Peter Zwick. Nun habe ich es mit Thomas Weber geführt. Wir haben den künftigen Weg und seine Leitplanken definiert.

Und wo liegt die Grenze?
Im Verzicht auf persönliche Angriffe. Auch werde ich nicht öffentlich mit einem Baselbieter Regierungsrat die Klingen kreuzen. In den meisten aller Fälle sind wir ohnehin gleicher Meinung und treten gemeinsam für den Wirtschaftsstandort Baselland ein.

Basler Zeitung

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