Eine Notbremse für die Chaoten

Der SBB-Sonderzug ist offenbar rechtsfreies Nirwana, und Verantwortung übernehmen will sowieso keiner.

Ein abrupt haltender Zug. Jugendliche Hitzköpfe, die Steine und Flaschen über die Geleise werfen. Polizisten, die mit Gummischrot die Bande zurückdrängen. Eingeschlagene Autoscheiben, verängstigte Anwohner, ratlose Beobachter: Am Samstagabend spielte sich am Bahnhof Pratteln wieder einmal der ganz normale Wahnsinn ab. Ein Zürcher Club trat in Basel gegen den FCB an – da ist das Chaos fast schon Programm.

Beschämend wirkt die Tatsache, mit welcher Gleichgültigkeit mittlerweile das Ziehen einer Notbremse in einem SBB-Sonderzug zur Kenntnis genommen wird. Idiotie stumpft ab.

Rechtsfreies Nirwana

Dabei wären aus juristischer Sicht die Weichen gestellt: In einem Zug gibt es keine Sonderrechte; weder für den normalen Bürger noch für einen Fussballfan. Verstösse sind hart und gleich zu ahnden. Will man dieses Problem endlich lösen, müssen die entsprechenden Mittel bereitgestellt werden. Sicherheit kostet. Doch im grauen Alltag der Super League scheitert jede Absicht kläglich. Der SBB-Sonderzug ist offenbar rechtsfreies Nirwana, und Verantwortung übernehmen will sowieso keiner. Nicht die Politik, nicht die Polizei, nicht die Vereine, nicht die Liga. Sollen doch die anderen schauen.

Jeder Club trägt Mitverantwortung bei seinen Fans. Schafft er keine Ordnung, gehören die SBB-Sonderzüge sofort abgeschafft. Sollen die Dummköpfe doch laufen oder gewöhnliches Rollmaterial benutzen. Und zieht ein Chaot die Notbremse, kommt die Polizei. Wie im richtigen Leben.

Basler Zeitung

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