Ein klarer Grünen-Sieg bei den Landratswahlen

Die Landratswahlen im Kanton Baselland kommen ähnlich heraus wie die Zürcher Kantonsratswahlen vor Wochenfrist. Den grünen Siegern steht die SVP als diskussionslose Verliererin gegenüber. Der Landrat ist insgesamt spürbar nach links gerückt.

Die Grünen Bálint Csontos und Klaus Kirchmayr gehören zu den strahlenden Wahlsiegern.

Die Grünen Bálint Csontos und Klaus Kirchmayr gehören zu den strahlenden Wahlsiegern.

(Bild: Pino Covino)

Thomas Gubler

Wer vor einer Woche noch glaubte, Zürich und Liestal seien weit voneinander weg, musste sich eines Besseren belehren lassen. So wie letztes Wochenende in Zürich waren gestern im Baselbiet die Grünen die klaren Sieger der Wahlen in den 90-köpfigen Landrat. Sie erhöhten ihre Sitzzahl um sechs auf neu 14 Mandate. Und insgesamt ist der Landrat nach links gerutscht.

Dabei gelang es den Grünen, flächendeckend in allen vier Wahlregionen zuzulegen. Am Schluss gelangten sie mit ihrer Stimmenzahl von 9343 fast schon in die Nähe einer Verdoppelung des Resultats von 2015 mit damals 5855 Wähler stimmen. Mit dem gestrigen Ergebnis sind sie ungefähr beim Wahlerfolg von 2011 bei der damaligen sogenannten Fukushima- Wahl angekommen, als auch Isaac Reber in die Regierung gewählt worden ist. Mandatsmässig haben sie aber das Resultat von damals übertroffen.

Doppelerfolg für Csontos

Für den jungen Grünen-Präsident Bálint Csontos war die Wahl von diesem Wochenende gleich ein doppelter Erfolg. Nicht nur war seine Partei die unbestrittene Siegerin. Er selbst zieht neu in den Landrat ein, obschon seine Kandidatur im Waldenbur gertal im Vorfeld nicht eben als aussichtsreich beurteilt wurde. Dass der Ramlinsburger im benachbarten Tal dennoch einen Sitz für die Grünen gewonnen hat, kann er durchaus als persönlichen Erfolg verbuchen.

Fast schon sensationell mutet an, dass die Grünen im Wahlkreis Gelterkinden auf Kosten der SVP einen zweiten Sitz eroberten. Neben der ehemaligen Kantonalpräsidentin Florence Brenzikofer zieht neu Anna-Tina Groelly in den Landrat ein.

Eine weitere Parallele zu Zürich ist der Einbruch der SVP. So wie die Grünen flächendeckend gewonnen haben, hat die SVP flächendeckend verloren. Minus sieben Sitze von 28 zurück auf 21 Abgeordnete. Der Verlust eines Sitzes in den Stammlanden des Oberbaselbiets an die Grünen ist fast schon symptomatisch. Letztere haben möglicherweise auch dank der Klimadiskussion genau den Lauf, den die SVP nicht hat. Die Gründe dafür sind zwar eher auf der nationalen als auf der kantonalen Ebene zu suchen. Allerdings hat sich ihr SVP-Regierungsratskandidat Thomas de Courten mit seinem bescheidenen Resultat auch für die Landratswahlen nicht als Wahllokomotive erwiesen.

SP neu stärkste Partei

Bei der SP mochte am Sonntagnachmittag zuerst keine richtige Siegerstimmung aufkommen. Lange Zeit war nicht absehbar, auf welche Seite sich das Schicksal neigt. Ja, sogar geringfügige Verluste schienen möglich. Am Schluss aber konnte sich dann auch SP-Präsident Adil Koller quasi zum Co-Wahlsieger erklären.

In Liestal verzeichnete man einen Mandatsgewinn und kommt neu auf 22 Sitze. Vor allem aber löst die SP die SVP als stärkste Partei im Kanton ab. Bei praktisch gleicher Wahlbeteiligung wie vor vier Jahren, nämlich 33,93 Prozent, kam die SP auf gut 600 Wählerstimmen mehr als 2015. Die SVP erzielte demgegenüber 2400 weniger. SP-Chef Adil Koller zeigte sich dann auch «äusserst zufrieden mit dem Resultat». Die Sozial demokraten waren mit ihrer Telefonwerbung neue und einigermassen riskante Wege gegangen. Laut Koller hat die SP nun aber die Bestätigung dafür erhalten, «dass unsere Strategie richtig war».

Zufriedene Gesichter auch bei den Freisinnigen und der CVP. Beide konnten den Besitzstand von 17 (FDP) beziehungsweise 8 (CVP) Sitzen waren. Die FDP musste zwar da und dort etwas Haare lassen. Insgesamt büsste die FDP gegenüber ihrem Resultat von vor vier Jahren rund 1000 Wählerstimmen ein. Am Schluss aber kam sie mit einem blauen Auge davon. Die CVP glänzt zurzeit - ebenso wie die EVP - durch Stabilität, was sich vor allem im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen als relevant erweisen könnte, bei denen die Christlichdemokraten ihren keineswegs gesicherten Nationalratssitz zu verteidigen haben.

Stabil ist auch die GLP, die - im Gegensatz zu ihrer Zürcher Schwesterpartei - vom Trend hin zu grünen Themen nicht profitieren konnte. Immerhin hier zeigt sich ein klarer Unterschied zum Kanton Zürich, wo die GLP ihre Heimatbasis hat. Die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) ist im neuen Landrat nicht mehr vertreten. Sie hat ihren letzten Sitz, denjenigen von Marie- Therese Müller, eingebüsst.

Insgesamt ist der Landrat nach links gerutscht. Von einer links-grünen Mehrheit ist er aber ziemlich weit entfernt. Links-Grün-EVP kommt auf 40 Sitze. CVP und Mitte werden das Zünglein an der Waage spielen. Einer Revolution entspricht das Resultat aber genauso wenig wie die bürgerliche Übermacht von 2015.

Basler Zeitung

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