Ein Spital-Neubau auf der grünen Wiese?

Baselbieter Ärzte wollen das Kantonsspital mit einer Ein-Standort-Lösung neu ausrichten. Sie sind überzeugt, dass es sich nur mit einem Neubau in Pratteln in eine bessere Zukunft führen lässt.

Blick auf den geplanten Standort (rot) und auf Salina Raurica, zwischen den Wohngebieten von Augst (links) und Pratteln gelegen. Foto: AeGBL

Blick auf den geplanten Standort (rot) und auf Salina Raurica, zwischen den Wohngebieten von Augst (links) und Pratteln gelegen. Foto: AeGBL

Thomas Dähler

«Ein Neubau für das Kantonsspital Baselland im Gebiet von Salina Raurica ist eine zukunftsträchtige Lösung, die das Spital von seinen Problemen befreien kann»: Tobias Eichenberger, Präsident der Ärztegesellschaft Baselland (AeGBL), führte am Donnerstag vor den Medien aus, dass sich diese Lösung zu einem überblickbaren Preis und in einem überblickbaren Zeitraum realisieren lässt.

Die Kosten schätzen die Ärztegesellschaft und der Verband der Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO), welche das Vorprojekt gemeinsam ausgearbeitet haben, auf 600 Millionen Franken. Realisiert werden sollen ein ambulantes Zentrum sowie ein akutsomatisches Spital mit 200 bis 300 Betten.

Substanz gefährdet

Dass mit einem Kantonsspital an mehreren Standorten mit seinen Doppelspurigkeiten und seiner Ineffizienz keine Lösung gefunden werden könne, habe sich in der Vergangenheit gezeigt, führte Eichenberger aus. Die beiden Ärzteorganisationen würden sich als Vermittler verstehen.

Nach dem negativen Volksentscheid zu einer Spitalfusion stehe man vor dem Problem, dass die Spitäler der beiden Kantone wieder auseinanderdriften und sich als Konkurrenten verstehen. Ausserdem befinde sich das Kantonsspital an den drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen in einer Situation, in der es laufend an Substanz und Finanzmitteln verliere.

Gut erreichbar

Der vorgesehene Standort im Gebiet von Salina Raurica liegt unmittelbar neben der Raststätte Pratteln der Autobahn A2. Er ist gut erreichbar, sowohl aus dem Oberbaselbiet und dem Fricktal als auch aus dem unteren Kantonsteil – mit der beschlossenen Verlegung der Rheinstrasse sogar noch besser.

Auch mit dem öffentlichen Verkehr kann die Lokalität über die S-Bahn und die bereits geplante Tramverlängerung erreicht werden. Der Prattler Gemeindepräsident und Landrat Stephan Burgunder, der das Spitalprojekt befürwortet, erklärte, im fraglichen Perimeter seien die Gespräche mit den Grundeigentümern auf gutem Weg. Die Arealentwickler und Losinger Marazzi als Totalunternehmer qualifizierten das Projekt als planerisch umsetzbar.

Conrad Müller, Mitglied des Kernteams der beiden Verbände und früherer CEO beim Neubau des Kinderspitals, führte aus, ein Neubau hätte den Vorteil, dass nicht bei laufendem Betrieb umgebaut werden müsse. Er könne vollkommen auf die heutigen Bedürfnisse ausgerichtet werden sowie stationäre und ambulante Behandlungseinheiten trennen.

Das Ambulatorium sei auch als Katalysator für eine Zusammenarbeit mit Basel-Stadt geeignet. Mit einer Kooperation beauftragt sind die Regierungen nach dem Volksentscheid ohnehin. Basel-Stadt könne sogar, meinte Müller, zugunsten von Salina Raurica auf das geplante eigene Ambulatorium beim Universitätsspital verzichten.

Möglich sei für das rund 200 Millionen Franken teure Ambulatorium eine private Finanzierung. Ein Neubau des Akutspitals würde rund 400 Millionen Franken teuer, sagte Müller. Dies sei weniger als die auf eine halbe Milliarde geschätzten Umbaumassnahmen in Liestal und auf dem Bruderholz. Miodrag Savic, Präsident des VSAO Basel, ist überzeugt, dass sich die Ablösung der drei alten Spitäler durch das neue ohne Entlassungen beim Personal realisieren liesse.

Mit den beiden Spitaltrakten für das Ambulatorium und die Akutversorgung liessen sich die Prozesse optimieren, die Zusammenarbeit betrieblich eng gestalten und die Betriebskosten dank Synergien senken, führte Müller weiter aus. Realisiert werden könnte auch ein dritter Bereich für Alter und Pflege, der eigenständig zu konzeptionieren sei, aber vom Dienstleistungsangebot des Spitals profitiere.

Zürich als Vorbild

Vorbilder für solche neu erstellten Spitäler gebe es in der Schweiz und im Ausland viele. Müller verwies bei seiner Aufzählung an die eben erst eröffneten Neubauten des Spitals Limmattal und des Hôpital Riviera-Chablais. In den kommenden 15 Jahren sind in der Schweiz gemäss einer nationalen Zusammenstellung Investitionen von zwischen 15 und 20 Milliarden für Spitalneubauten geplant.

Die Neubaupläne in Pratteln werden auch vom Verwaltungsrat des Kantonsspitals als Variante erwogen. Doch er empfiehlt der Regierung vorrangig, die Spitäler in Liestal und auf dem Bruderholz als dezentrale Standorte für stationäre Leistungen zu erhalten. Eine neue Strategie braucht es aber sowieso: Operativ hat das Kantonsspital 2018 mit einem Verlust von 12,7 Millionen Franken abgeschlossen.

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