Die Seilschaften der InterGGA

Der Millionen-Deal des regionalen Kabelnetzbetreibers InterGGA mit ihrem neuen Provider Quickline wirft Fragen auf. Es gibt einen grossen Verlierer.

So wurde Improware ausgebootet. Auffällig ist, dass an der Ausschreibung für den Kabelnetzbetreiber mehrere InterGGA-Verwaltungsräte direkt oder indirekt Beziehungen zum neuen Betreiber Quickline unterhalten habe.Grafik BaZ/na

So wurde Improware ausgebootet. Auffällig ist, dass an der Ausschreibung für den Kabelnetzbetreiber mehrere InterGGA-Verwaltungsräte direkt oder indirekt Beziehungen zum neuen Betreiber Quickline unterhalten habe.Grafik BaZ/na

Joël Hoffmann

2014 ist wegweisend für den Kabelnetzbetreiber InterGGA. In diesem Jahr stellt die AG, die im Besitz von 13 Gemeinden ist, Fernsehen, Internet und Telefonie komplett auf ihren neuen Provider Quickline um. Die Quickline-Gruppe aus Biel erhielt nach einem zweijährigem Auswahlverfahren den Zuschlag – ein Millionen-Deal. Der grosse Verlierer ist die Improware, der langjährige bisherige Provider aus Pratteln. Recherchen der BaZ zeigen nun, dass die Vergabe von vielen Interessenkonflikten gesäumt ist. Dahinter steckt ein InterGGA-Filz (siehe Grafik).

Bei der Suche nach dem neuen Provider stand dem InterGGA-Verwaltungsrat die Broadband Planning AG von Anfang bis Ende zur Seite. Die Firma gehört zur Broadband Networks AG aus Urdorf. Auf deren Website ist zwischen den Firmen kein Unterschied auszumachen. Broadband hat die Ausschreibung ausgearbeitet und den Verwaltungsrat der InterGGA beim Entscheid beraten. Sie ist aber keine neutrale Firma. Im Gegenteil: Broadband hatte ein grosses Interesse daran, dass am Ende der Suche Quickline den Zuschlag erhält. Broadband Networks ist, wie ein Blick auf die Website zeigt, seit Jahren der Hardware-Lieferant der Quickline-Gruppe. Die Broadband Networks AG profitiert von der Vergabe an Quickline: Sie kann nun ihre Modems in 45'000 Baselbieter Haushalte liefern – ein gutes Geschäft.

Für InterGGA-Verwaltungsrat Lucas Wyss, der für die Ausschreibung zuständig war, ist das Verfahren neutral und professionell verlaufen. Einen Interessenkonflikt sieht er keinen: «Es war für mich wirklich reiner Zufall, dass die Schwesterfirma der Broadband Planning, also die Broadband Networks, der Modemlieferant von Quickline war.»

Quickline-Lobby bei InterGGA

InterGGA-VR-Präsident Karl Schenk pflichtet Wyss bei: «Wir haben die Auswahlkriterien selbst definiert, die Evaluation unter unserer Leitung durchgeführt und bei jedem Schritt durch unsere Prüfung dafür gesorgt, dass die Evaluation in jedem Fall völlig korrekt und unbeeinflusst ablief.» Seltsam nur: Auf der Website der Broadband steht das Gegenteil. Unter der Rubrik «Kunden über uns» schreibt der InterGGA-Geschäftsführer, dass Broadband Gesamtprojektleiter war und die Verantwortung für die Vorevaluation, die Bewertung der Offerten bis zur Moderation der Entscheidungsprozesse hatte.

Die Ausschreibung für den neuen Provider begann 2012. Parallel dazu stellte die InterGGA nach und nach ihr Geschäftsmodell um – weg vom blossen Koordinator kommunaler Kabelnetze hin zum eigentlichen Anbieter, der sämtliche Kundenkontakte abwickelt. Es fällt auf, dass sich die neue InterGGA am Geschäftsmodell der Quickline ausgerichtet hat. Das dürfte an zwei Verwaltungsräten der InterGAA liegen, die mit dem neuen Provider verbandelt sind.

Es sind dies Roger Ballmer und Iwan Nussbaumer. Beide wurden 2012 Verwaltungsräte der InterGGA. Ballmer sass noch ein ganzes Jahr lang bis im Frühling 2013 im Verwaltungsrat der EBM Telekom. Diese Firma gehört zur Quickline-Gruppe. Ballmer war also für die Quickline tätig als die InterGGA zusammen mit dem Quickline-Hard­warelieferanten Broadband einen neuen Provider ausgeschrieben hat.

Und Iwan Nussbaumer ist leitender Berater der Firma EVU Partners, zu deren Kunden auch die EBM Telekom (Quickline) zählt. Nussbaumers Beratungsschwerpunkte sind unter anderem Telekommunikation und IT. Zwar gibt es keine Beweise, inwiefern die beiden die InterGGA zum Wechsel zu Quickline beeinflusst haben. Doch kaum waren Ballmer und Nussbaumer 2012 bei der InterGGA, ging diese auf die Suche nach einem neuen Provider.

Die Ausschreibung wurde auf die Quickline zugeschnitten. Mehrmals erwähnt beispielsweise die InterGGA als Kriterium, dass sämtliche Kundenkontakte über sie laufen müssen. Das entspricht der Quickline-Philosophie, weil sie sich ausschliesslich als Lieferantin versteht. Der bisherige Anbieter Improware hingegen hätte auf seine Kundendaten verzichten müssen.

Deals im Verwaltungsrat

Wäre der Verwaltungsrat des Staatsbetriebes InterGGA ein Regierungsgremium, wie ein Gemeinderat, so hätten Nussbaumer und Ballmer in den Ausstand treten müssen. Doch Karl Schenk, InterGGA-VR-Präsident und Oberwiler Gemeinderat, sieht auch hier keinen Interessenkonflikt, weil die beiden von den Aktionären gewählt wurden: «Die Gewählten nicht im Auswahlverfahren dabei zu haben, wäre falsch, weil die Aktionäre bewusst diese beiden gewählt haben», sagt Schenk.

Wie ihr Präsident sehen auch Ballmer und Nussbaumer kein Problem: «Im Vorfeld meiner Wahl als Verwaltungsrat wurde meine berufliche Anstellung offen und transparent dargelegt. Vor meiner Wahl wurden bereits die Grundzüge der neuen strategischen Ausrichtung den Aktionären aufgezeigt. Einen Interessenkonflikt gab es damit nicht», so Nussbaumer.

Übrigens: Beim Providerwechsel wurde die InterGGA im gleichen Atemzug auch Aktionärin der Quickline.

Basler Zeitung

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