Die Geheimzeichen der Einbrecher

In Deutschland sind Gaunerzinken aufgetaucht – möglicherweise auch in der Region Basel. Damit sollen Informationen über ein Einbruchsobjekte weitergegeben werden.

Kommunikation der Gauner: Aus der «Änzliger Zytig», dem Dorfblatt von Nenzlingen: Mit solchen Zeichen verständigen sich die Einbrecher.

Kommunikation der Gauner: Aus der «Änzliger Zytig», dem Dorfblatt von Nenzlingen: Mit solchen Zeichen verständigen sich die Einbrecher.

Ein kleines eingeritztes X neben dem Klingelschild, vier kleine Punkte auf dem Briefkasten oder ein Halbmond mit Nase auf der Hauswand. In Deutschland und Österreich warnte die Polizei Anfang Jahr vor den sogenannten Gaunerzinken. Denn was aussieht wie Kinderkritzeleien, sind Geheimzeichen, mit denen Einbrecher untereinander kommunizieren. Das kleine X heisst beispielsweise «Hier gibt es was», die vier Punkte bedeuten «fette Beute» und der Halbmond steht für «Am Abend kommen».

Auch im Baselbiet sollen solche Gaunerzinken aufgetaucht sein. In der «Änzliger Zytig» warnt ein Gemeinderat aus Nenzlingen vor Gaunerzeichen an Haus oder Briefkästen. «Es wird erzählt, dass im Unterdorf solche Zeichen entdeckt worden sind», sagt Gemeindepräsidentin Therese Conrad. Sie wisse aber nicht, ob das wirklich stimme. Im Dorf herrsche eine gewisse Nervosität, weil es seit Oktober immer wieder zu Einbrüchen von Kriminaltouristen gekommen sei. «Wir müssen aufpassen, dass nicht gleich alles als Zeichen gewertet wird», erklärt Conrad.

Schwierige zu erkennen

Tatsächlich kann alles Mögliche als Zeichen angesehen werden. Die deutsche Boulevardpresse warnt vor neuartigen Zinken, die noch viel unauffälliger seien. Die Rede ist von Ästen, Spänen oder abgeschnittenen PET-Flaschen. Ob das aber tatsächliche oder nur vermutete Geheimzeichen sind, bleibt offen.

Das Phänomen der grafischen Gaunerzinken ist jedoch auch der Baselbieter Polizei bekannt. «Wie konkret diese im Baselbiet eingesetzt werden, entzieht sich jedoch unserer Kenntnis. Wir erhalten nur selten diesbezügliche Meldungen», sagt Mediensprecher Meinrad Stöcklin. Im Fall von konkreten Meldungen habe die Polizei auch schon festgestellt, dass es sich bei genauerer Betrachtung lediglich um (Kinder-)Kritzeleien handelte. Wer jedoch solche Zeichen entdecke, solle sich trotzdem bei der Polizei melden.

Jahrhundertealte Kommunikation

In Basel-Stadt sind in den letzten Monaten keine Einbrüche bekannt, die aufgrund von Gaunerzinken erfolgten: «Wir haben aber schon erlebt, dass sich angebliche Gaunerzinken als Zeichen von Zeitungsverträgern herausstellten», sagt René Gsell, Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Die Kommunikation über Zinken ist schon seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Die Zeichen waren eine Spezialsprache des fahrenden Volkes und boten allerhand Informationen für Nachreisende – beispielsweise, wo man gut Arbeit finden konnte, auf welche Art und Weise das Betteln am Ort am erfolgreichsten ist oder wer kostenlos Unterschlupf und Essen gewährt. Auch Bettler, Hausierer oder Landstreicher nutzten die Zeichensprache. Aus diesen Zigeunerzinken wurden im 16. Jahrhundert die Mordbrennerzeichen abgeleitet. Mit ihrer Hilfe informierten sich Kriminelle, welcher Hof überfallen oder gebrandschatzt werden sollte.

Die aktuellen Gaunerzinken zeigen nicht nur an, wo sich ein Einbruch lohnt, sondern etwa auch, wo es bissige Hunde gibt (gezackte Linie), wo man besser abhauen sollte (zwei Pfeile durch einen Kreis) oder wo alte Leute (zwei eng stehende, umgekehrte T) oder alleinstehende Frauen (Dreieck) wohnen.

Basler Zeitung

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