Deponie-Sanierung «nicht dringend»

MUTTENZ

Nach 40 Kernbohrungen auf dem Areal der Alt-Deponie in Muttenz – sowie fünf weiteren Grundwassermessstellen – kann nun das Sanierungsprojekt ausgearbeitet werden.

Unter dem Feldrebenareal in Muttenz verbirgt sich eine Chemiemülldeponie.

Unter dem Feldrebenareal in Muttenz verbirgt sich eine Chemiemülldeponie.

Unter der «grossen Menge an organischen Schadstoffen» in der Deponie hat es einen «hohen Anteil» chlorierter Kohlenwasserstoffe. Diese haben «ein grosses Potenzial zur langfristigen Grundwasserbelastung», wie am Donnerstag an einer Medienkonferenz der beteiligten kantonalen Behörden in Liestal zu erfahren war.

Der grösste Schadstoffanteil befindet sich konkret im westlichen Teil der alten Deponie, und zwar in einer Tiefe von fünf bis zehn Metern. Schadstoffe sind indes inzwischen auch in darunter liegenden Fels gelangt. Der Felsanteil sei schwer zu schätzen; er könne bis zur Hälfte ausmachen, hiess es.

«Keine Dringlichkeit»

Für Bau- und Umweltschutzdirektorin Sabine Pegoraro steht fest, dass «keine Dringlichkeit» für die Sanierung gegeben ist. Das genaue Vorgehen zur Sanierung solle bis Mitte 2012 auf dem Tisch liegen. In Screenings aufgetauchte unbekannte Substanzen konnten im Übrigen nicht identifiziert werden, weshalb man sie ignoriere.

Anhand des Schlussberichts der Deponie-Untersuchung (mit Datum 17. Juni) hat das Baselbieter Amt für Umwelt und Energie (AUE) zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) Sanierungsziele für die Feldreben-Deponie formuliert. Die anstehende Projektierung der Sanierung wird der Firma CSD Ingenieure anvertraut.

Als Sanierungsziel haben AUE und Bafu unter anderem festgelegt, dass innert fünf Jahren im direkten Abstrombereich der Deponie die Konzentrationen der wesentlichen Schadstoffe unter bestimmte Werte gedrückt werden. Und nach 50 Jahren soll eine künftige Sanierungsbedürftigkeit der Deponie ausgeschlossen werden können.

Sanierungskosten noch völlig offen

Die Kosten für die Grundwasserüberwachung bei den Muttenzer Deponien Rothausstrasse und Margelacker sowie zur Erarbeitung des Sanierungsprojekts bei der Deponie Feldreben liegen gemäss früheren Schätzungen bei rund 3,4 Millionen Franken. Die Kosten der eigentlichen Sanierung werden indes erst klar, wenn das Projekt dazu vorliegt. Dann wird eine Kooperationsvereinbarung dafür zwischen den Trägern auszuhandeln sein.

Die drei Muttenzer Deponien sind seit Jahren ein Politikum - dies vor allem auch, seit im benachbarten Trinkwassergewinnungsgebiet Hard Chemikalienspuren im Wasser gefunden wurden. Initiativen der Grünen, die die Totalsanierung der Deponien samt Kostenüberwälzung auf die Chemie wollten, wurden aber 2010 vom Volk verworfen.

Die Feldreben-Deponie beim geplanten Fachhochschulcampus und unweit der Hard war einst eine Kiesgrube. Von 1930 bis 1967 wurden darin Abfälle von Gemeinde, Gewerbe und Industrie abgelagert. Die Menge wird auf 600'000 bis 650'000 Kubikmeter mit einer Mächtigkeit von 10 bis 15 Metern geschätzt.

amu/sda

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