Das Herz schlägt das Portemonnaie

Mit der Annahme der Schlösser-Initiative bleiben die Kulturgüter Eigentum des Kantons. Nun muss dieser eine Vorlage zur Umsetzung ausarbeiten. Ob die Basellandaschaftliche Kantonalbank mitmacht, ist noch offen.

Bleibt beim Kanton: Schloss Wildenstein wird vorerst nicht von einer Stiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank übernommen.

Bleibt beim Kanton: Schloss Wildenstein wird vorerst nicht von einer Stiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank übernommen.

(Bild: Dirk Wetzel)

Bereits um 13.30 Uhr gratuliert Hans Furer der Bottminger Gemeindepräsidentin und Initiantin Anne Merk­ofer: «Glückwunsch zur zweitbesten Lösung», sagt der Co-Präsident des Komitees «Beste Lösung für Schlösser und Hof – Ja zum Gegenvorschlag» lachend. Mit dem Resultat könne er leben.

Schon früh zeichnete sich das deutliche Ja ab. Zum Schluss stimmten gut 60 Prozent für die Initiative. Der Gegenvorschlag wurde knapp abgelehnt. Furer zeigt sich einsichtig. «Wir haben es verpasst, die Debatte auf die Sachebene zu bringen. Der Gegenvorschlag liess sich schlechter verkaufen.» Als Beweis zückt er sein Handy. «Sehen Sie? Auf den Onlineportalen schreibt man, ‹die Schlösser bleiben im Besitz des Kantons›. Das ist falsch! Auch beim Gegenvorschlag wäre der Kanton Besitzer gewesen», sagt Furer und nennt damit die Schwäche seiner Wahlkampfparolen: die juristische Fachsimpelei.

Sparen ist Kopfsache

Sie sei überglücklich und erleichtert, sagt Merkofer. Auch das Resultat ihrer Gemeinde, knapp 1500 Ja- zu gut 500 Nein-Stimmen, mache sie stolz. Mit alt Landrat Paul Schär und EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger, ebenfalls Mitglieder des Initiativkomitees, sitzt sie in einer kleinen Runde. Als Hans Rudolf Tschopp dazustösst, das Gewissen der Schlösser-Initiative, kennt die Freude keine Grenzen. «Ich war ehrlich gesagt im Vorfeld eher pessimistisch, habe nicht unbedingt daran geglaubt», sagt Tschopp. Das Baselbiet habe das Herz sprechen lassen. Damit forderte es wieder eine höhere Priorität für seine Kulturgüter, schliesst Tschopp daraus.

«Jetzt müssen wir noch Edi benachrichtigen», schlägt Augstburger vor. Denn auch alt Regierungsrat Eduard Belser machte sich für die Initiative stark, weilt aber zurzeit in den Skiferien. «Ich schreibe eine SMS und ...», will Merkofer vorschlagen. «Ich rufe ihn an», unterbricht sie Schär. «Hoi Edi, hast du es schon erfahren ...?»

Ein Stück Heimat

Das Baselbiet habe sich für das Herz entschieden und nicht für das Portemonnaie, sagte der inzwischen dazugestossene alt FDP-Landrat Adolf Brodbeck. «Sparen ist Kopfsache, die Schlösser Herzenssache», fügt er an und fasst sich dabei an die Brust. Augstburger nickt. Es sei ein Stück Heimat, das in die Hände des Kantons gehöre.

Schär kommt in die Runde zurück. «Edi war extrem nervös, aber jetzt könne er wieder mit Freude auf den Wildenstein», erzählt er lachend. Die Annahme der Initiative sei nun eine Chance, damit man eine optimale Lösung finden könne. Bewusst sei eine unformulierte Initiative lanciert worden, sagt Schär. Jetzt liege der Ball beim Kanton, eine entsprechende Vorlage auszuarbeiten. «Am besten auch mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank», fügt Merk­ofer an.

Engagement der BLKB unsicher

Bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) steht ein Engagement aber auf wackligen Beinen. «Wir müssen das neu diskutieren», sagt der BLKB-Sprecher Christoph Loeb. Eine Überführung von Schloss Wildenstein in eine Stiftung sei hinfällig. «Wir brauchen Planungssicherheit. Das Jubiläum ist 2014, eigentlich müssten wir schon heute Klarheit haben», sagt Loeb. Die Christoph Merian Stiftung erteilte eine klare Absage. Man habe den Volksentscheid zur Kenntnis genommen. Kauf und Pflege des Hofes Wildenstein seien aber dadurch nicht mehr möglich, lässt Sprecher Toni Schürmann vermelden.

Man habe den Volksentscheid zur Kenntnis genommen, sagt Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro. Eine Lösung mit einer Stiftung sei zwar immer noch möglich, betont sie. Aber man habe jetzt eine Chance verpasst, Geld einzusparen. Den Betrag von jährlich 700 000 Franken, der als Unterhaltskosten für die Schlösser Wildenstein und Bottmingen im Entlastungspaket enthalten ist, müsse man jetzt anderswo einholen. «Ich möchte jetzt aber nicht den schwarzen Peter den Initianten zuspielen», sagt Pegoraro.

Auch für sie war der Ausgang der Schlösser-Initiative keine Überraschung: «Ich habe erwartet, dass sie angenommen wird.»

Basler Zeitung

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