Baselland fordert von den SBB Taten statt Worte

Liestal

Kritik: Schon wieder kommt es zu einer Pannenserie und schon wieder fehlen Ersatzzüge – die SBB winken ab.

Ein Flirt fährt in Basel SBB ein. Ob es hier auch zu einer Verspätung kam?

Ein Flirt fährt in Basel SBB ein. Ob es hier auch zu einer Verspätung kam?

(Bild: Mischa Christen)

Reihenweise Verspätungen, Zugausfälle, durchfahrende «Interregio», Fahrleitungs- und Betriebsstörungen oder blockierte Türen sind Pannen, welche die Zugpendler in der Region regelmässig auf die Palme bringen. Verärgert ist auch BaZ-Leser Rafael Wunderlin. Vergangene Woche habe der Flirt in Basel bereits nach fünf Metern wieder gestoppt. «Das machte er gleich mehrmals und dann ging auch noch das Licht aus», erzählt er. «Am Schluss hatten wir 30 Minuten Verspätung und der Zug fuhr nur nach Liestal statt bis nach Olten, was mit einem Lokdefekt begründet wurde.»

Für Wunderlin liegt das Problem denn auch darin, dass die Stadler-Züge sehr störungsanfällig seien. Ein anderes Beispiel? Nur eine Woche vorher sei die S3 mit 17 Minuten Verspätung im Bahnhof Basel angekommen. Dort sei der Zug auf dem Gleis weit nach hinten geschoben und an eine Abschlepplokomotive angekoppelt worden.

Kaum Ausweichmöglichkeiten

Auch den Baselbieter Behörden ist die Pannenserie auf dem S-Bahn-Netz nicht entgangen. Der kantonale ÖV-Beauftragte Markus Meisinger will aber nicht von einer dramatischen Häufung sprechen. «Im Herbst war es schlimmer.» Die Störungen hätten immer wieder andere Gründe und würden sich auf dem stark ausgelasteten Netz eben kumulieren. «Gerade im Ergolztal ist der Fahrplan so dicht, dass jede Verspätung weitreichende Auswirkungen hat», sagt Meisinger. Hinzu komme, dass der Bestand an Rollmaterial sehr knapp sei. Sei dann mal eine Lokomotive defekt, könne kaum auf einen kurzfristig einsatzbereiten Reservezug ausgewichen werden. Ein Problem, das für Meisinger auch hausgemacht ist: «Ich bin davon überzeugt, dass es den SBB mit einer solch grossen Fahrzeugflotte möglich sein muss, in der Region grössere Reserven zu haben.» Es scheine sich hier um ein logistisches Problem zu handeln. Schon im vergangenen Winter wurde die Region von einer anhaltenden Pannenserie im S-Bahn-Verkehr geplagt – mit Zugausfällen, Verspätungen, Betriebsleitungsstörungen und blockierten Türen. Der damalige Baselbieter Verkehrsdirektor Jörg Krähenbühl (SVP) wollte mit den SBB denn auch ein Bonus-Malus-System aushandeln. Die Gespräche sind allerdings ins Stocken geraten. Der Kanton Baselland zahle jährlich insgesamt 40 Millionen Franken für den Regionalverkehr, hatte Krähenbühl damals festgehalten: «Wir geben das Geld aus für eine Leistung, die wir von den SBB nicht in vollem Umfang erstattet bekommen.» Das sei ärgerlich und inakzeptabel. Solch harsche Kritik ist derzeit nicht zu hören. Doch auch jetzt wird Besserung erwartet.

«Sicher genug Rollmaterial»

Bei den SBB dagegen stelle man im Basler Regionalverkehr keine Auffälligkeiten fest, erklärt Mediensprecher Daniele Pallecchi. Allerdings lägen für den Dezember derzeit keine verbindlichen Daten vor. Grundsätzlich aber verweist Pallecchi auf die Verhältnismässigkeit: Täglich sind in der Schweiz rund 9000 Züge unterwegs. «Natürlich ist es ärgerlich, aber da kann auch mal eine Panne vorkommen.» Auch Probleme mit Reservezügen könnten nicht bestätigt werden. Pallecchi: «Der Bestand ist zwar schweizweit eher knapp. Wir haben aber sicher genug Rollmaterial.» Ohnehin sei es irrig zu glauben, dass mit mehr Reservezügen eine Stabilisierung des Bahnbetriebs möglich wäre. Das Bahnnetz in der Schweiz sei einfach extrem stark ausgelastet. «Bis da ein Ersatzzug vor Ort ist, sind meist andere Betriebslösungen möglich», sagt der SBB-Sprecher. Nicht in allen SBB-Abteilungen scheint man das aber gleich zu sehen: Die Regionalleitung Basel habe sich in bisherigen Gesprächen sehr engagiert gezeigt, sagt der Baselbieter ÖV-Beauftragte Meisinger. «Die Pannen sind ihnen natürlich auch nicht recht. Sie bekommen schliesslich ebenfalls Reaktionen von Bahnkunden.» Die SBB würden daher intensiv an einer Verbesserung arbeiten. Und die Baselbieter Behörden seien auch tatsächlich guter Hoffnung, dass das Bahnunternehmen die Probleme in den Griff bekommen wird. «Irgendwann wollen wir aber etwas Konkretes sehen», sagt Meisinger. «Es müssen mehr Züge nach Basel verschoben werden.»

baz.ch/Newsnet

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