Baselbieter befolgen striktes Rauchverbot

Seit der Einführung vor zwei Jahren mussten im Kanton Baselland nur sieben Gastrobetriebe ermahnt werden. Baselbieter Wirte beklagen sich über Umsatzeinbussen und abwandernde Kundschaft.

Verboten: Im Baselbiet gibt es weder Raucherbeizen noch bediente Fumoirs. Gäste müssen draussen rauchen.

Verboten: Im Baselbiet gibt es weder Raucherbeizen noch bediente Fumoirs. Gäste müssen draussen rauchen.

(Bild: Keystone)

Im Gegensatz zum Stadtkanton, wo die juristischen Streitereien um das Rauchverbot auch mehr als zwei Jahre nach der Einführung noch nicht gelöst wurden, klappte im Baselbiet die Umstellung offenbar praktisch problemlos. Das zeigt die Antwort der Regierung auf eine Interpellation von EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger.

Gerade mal sieben Gastrobetriebe mussten in den letzten zwei Jahren von den Behörden ermahnt werden. Und auch das ausschliesslich in den kalten Wintermonaten. Weitere einschneidendere Massnahmen seien bisher nicht erforderlich gewesen, so die Regierung. Ihre Schlussfolgerung: «Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen darf bei über 800 Gastrobetrieben als sehr gut bezeichnet werden.»

Das Baselbieter Gesetz bleibt streng

Dieser Meinung ist auch die Interpellantin: «Ich bin erstaunt, dass sich so viele daran halten», sagt Augstburger. «Das dürfte auch andere Kantone optimistisch stimmen, dass auch ein striktes Rauchverbot für alle Seiten funktioniert.» Besonders erfreut ist die Liestalerin darüber, dass die Regierung auch im Falle einer Ablehnung der bevorstehenden Abstimmung über die Initiative zum «Schutz vor Passivrauchen» am 23. September weiterhin am bisherigen Kurs festhalten will. Die Initiative will schweizweit ein striktes Rauchverbot à la Baselland durchsetzen und so auch kleine Raucherbeizen oder bediente Fumoirs verbieten.

In den Nachbarkantonen Solothurn und Aargau beispielsweise gilt aktuell lediglich das liberalere Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen. In Solothurner Restaurants sind bediente Fumoirs erlaubt. Im Aargau können kleine Beizen sogar eine Bewilligung für ein Raucherlokal beantragen. Und im Kanton Basel-Stadt wird fröhlich weitergepafft, während sich der Verein Fümoar mit den Behörden ein Katz-und-Maus-Spiel liefert.

Beizensterben bleibt aus

So stehen die Baselbieter Wirte im regionalen Vergleich momentan als Verlierer da. Getroffen hat das Rauchverbot laut dem Verband Gastro Baselland vor allem Betriebe in der Agglomeration. «Im unteren Baselbiet hat man grosse Probleme wegen der Fümoar-Konkurrenz», sagt Geschäftsfürer Bruno Gruber. «Viele gehen lieber in die Stadt, wo sie rauchen können.» Besonders Betriebe aus dem Bereich «Unterhaltungs­gastronomie», also Diskotheken oder Music-Bars, sind betroffen.

Und auch für die Dorfbeizen kann das Rauchverbot ein weiterer Sargnagel sein. Schon seit Jahren leiden sie unter sinkenden Umsätzen, und Rauchverbot und Wirtschaftskrise haben die Situation noch schwieriger gemacht. «Die Zahlen sind im ganzen Gastgewerbe momentan im freien Fall», so Gruber. Konkrete Fälle, wo Wirte wegen des Rauchverbots ihren Betrieb schliessen mussten, sind ihm aber nicht bekannt. Auch die Regierung kann auf diese Frage keine abschliessende Antwort geben, hält aber fest: «Das Beizensterben aufgrund rauchfreier Gastrobetriebe ist bis heute sicher ausgeblieben.»

Trotz der klaren Absage der Baselbieter Regierung hoffen die Wirte darauf, dass in der Diskussion um Rauchverbote das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: «Am besten wäre eine Lösung für die gesamte Region, nicht so ein Flickenteppich wie jetzt», sagt Gruber. «Dann hätten wenigstens alle gleich lange Spiesse.» Am liebsten wäre den Wirten eine liberalere Lösung wie im Aargau oder Solothurn. Doch auch Gruber ist sich bewusst, dass das schwierig sein dürfte.

Basler Zeitung

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