Baselbieter Verwaltung zieht an den Bahnhof

Am Bahnhof Liestal ist ein gewaltiger Neubau geplant, in dem künftig ein grosser Teil der Kantonsverwaltung untergebracht werden soll. Die Stadt erhofft sich eine Schubwirkung.

Neuer Standort fu?r Kantonsverwaltung: Das Liestaler Bahnhofsgebäude (links) soll in den nächsten Jahren einem Neubau weichen.

Neuer Standort fu?r Kantonsverwaltung: Das Liestaler Bahnhofsgebäude (links) soll in den nächsten Jahren einem Neubau weichen.

(Bild: Elena Monti)

Das Ergebnis ist beeindruckend. Monatelang haben die Baselbieter Behörden und die SBB Gespräche geführt, gefeilscht, verhandelt. Und sie haben sich geeinigt. Noch ist nichts öffentlich, doch die BaZ weiss: Die Partner planen gemeinsam einen Neubau anstelle des Liestaler Bahnhofgebäudes. Dieses soll nun dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Dimensionen des geplanten Neubaus sind beeindruckend und werden das Geviert dominieren: fünf Stockwerke hoch und 140 Meter lang. Der Bau wird relativ schmal und sich einpassen zwischen den Geleisen und den Neubauten von Kantonalbank und Migros-Pensionskasse.

Im Erdgeschoss werden die SBB untergebracht sein und von dort aus den Bahnhof Liestal betreiben. Die oberen Etagen werden vom Kanton bezogen, von der Bau- und Umweltschutzdirek­tion, von der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion sowie von der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Morgen Donnerstag wollen die Partner die Katze aus dem Sack lassen.

Dann werden SBB-Chef Andreas Meyer und Baudirektorin Sabine Pegoraro eine Absichtserklärung unterzeichnen, wie sie in ihrer gemeinsamen Medienmitteilung ankünden. Für die SBB ist der neue Liestaler Bahnhof «ein wichtiger Puzzlestein im Rahmen der Infrastrukturvorhaben der SBB zwischen Basel und Gelterkinden». Im Jahr 2020 soll der Neubau bezogen werden.

Sparen durch Synergien

Und für die Baselbieter Kantonsverwaltung ist der Neubau ein Befreiungsschlag. Schon seit Jahren plant der Kanton an einem zentralen Verwaltungsbau herum. Heute sind über ganz Liestal verstreut an rund 50 Standorten kantonale Dienststellen untergebracht, teils im Eigentum, teils in Einmietung. Diese Verteilung ist nicht nur unwirtschaftlich, ein Teil der Liegenschaften erfüllt auch nicht mehr die heutigen Anforderungen. Schon 2007 hatte die Regierung das Hochbauamt daher mit einem Flächenmanagement beauftragt.

Lange war die Rede von einem zentralen Verwaltungsneubau. Die Regierung erhoffte sich dadurch Synergien, die Einsparungen von geschätzten 1,6 Millionen Franken im Jahr ermöglichen. Zahlreiche Liegenschaften könnten abgestossen, Einmietungen gekündigt werden. Der Kanton hat bereits eine Immobilienstrategie entwickelt, ob er Liegenschaften veräussern, behalten oder vermieten will. Als Standort für den Verwaltungsneubau vorgesehen war lange Zeit das Gebiet Kreuzboden, auf dem ehemaligen Areal des Martin-Birmann-Spitals. Von diesem Standort aber ist die Regierung schon länger abgekommen.

Bereits im März kursierte verwaltungsintern ein Mail zum Flächenmanagement des Kantons. Schon damals war die Rede von einem Alternativ­standort auf dem Bahnhofsareal: Demnach beantworteten die SBB bereits im vergangenen November eine entsprechende Anfrage des Baselbieter Hochbauamts. Das Bahnunternehmen hatte damals bestätigt, dass grundsätzlich die Bereitschaft bestehe, das Areal gemeinsam mit der Stadt Liestal und dem Kanton zu entwickeln. Laut der internen Mitteilung soll beim Landrat noch in diesem Jahr Planungs- und Projektierungskredit beantragt werden; 2017 werde die Vorlage für den Baukredit folgen. Schon heute bewirbt Regierungsrätin Pegoraro das Projekt gar als Teil der Wirtschaftsoffensive, von der zahlreiche Politiker nun endlich konkrete Ergebnisse erwarten.

Wichtiges Aufbruchsignal

Erfreut zeigt sich Lukas Ott. Der Liestaler Stadtpräsident spricht von einer Win-win-win-Situation, bei welcher der Kanton, die SBB und auch die Stadt profitieren würden. So kommt die Verwaltung näher zum Stedtli, was neue Frequenzen fürs Gewerbe schaffe. Und das ist längst nicht alles: «Das ist auch ein wichtiges Aufbruchsignal für das Areal. Der Bahnhof sollte die Visitenkarte Liestals sein.» Darauf drängt die Stadt schon länger. Nun gebe der Kanton als Ankermieter den SBB die nötige Investitionssicherheit.

Für Liestal sei der Neubau auch als Impuls zu werten, um weitere Investoren und damit steuerzahlende Firmen anlocken zu können. «Und da sind wir sehr zuversichtlich», sagt Ott. Mit dem Projekt werde das Schwungrad in Bewegung gesetzt. «Wir haben rund um den Bahnhof ein wirklich grosses Potenzial.»

Basler Zeitung

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