Auf der Autobahn nach Allschwil

Für rund 370 Millionen Franken wird das boomende Allschwiler Gewerbegebiet Bachgraben direkt mit der Basler Nordtangente und verbunden.

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Der Zubringer Bachgraben-Allschwil, «ZUBA» genannt, soll die Baselbieter Vorortsgemeinde direkt an das Autobahnnetz anschliessen. Er führt per Tunnel von der Basler Nordtangente zur Hegenheimerstrasse, um dann über französischem Boden entlang der heutigen Rue de Bâle über der Erde weiter laufen. Die neue Kantonstrasse wird zweispurig.

Dass der 370 Millionen Franken teure Zubringer ein Strassenbauprojekt der Extraklasse ist, zeigte schon der Grossaufmarsch der Politiker, Funktionäre und Staatsangestellten an der gestrigen «ZUBA»-Medienkonferenz im Feuerwehrmagazin Allschwil. Nicht weniger als 17 Offizielle waren erschienen um zusammen mit den Baudirektoren der beiden Basel, Sabine Pegoraro und Hans-Peter Wessels das Projekt vorzustellen und die geplante Linienführung zu präsentieren. Mit dabei waren neben den Kantonsingenieuren der beiden Basel auch die Gemeindepräsidenten von Allschwil und Saint Louis sowie Vertreter der grenznahen französischen Behörden und des Départements Haut Rhin.

Mit dem Ausspruch, dass Basel nicht an der Grenze aufhöre, verwies Hans-Peter Wessels auf den grenzübergreifenden Charakter der neuen Strasse und deren wirtschaftliche Bedeutung für Basel und die Region. Entsprechend werde grenzüberschreitend geplant.

Liestal übernimmt Kosten

Sabine Pegoraro freute sich, an ihrer letzten Medienkonferenz als Baselbieter Regierungsrätin ein derart wichtiges Projekt präsentieren zu dürfen: «Das Bachgrabengebiet ist ein Arbeitsgebiet von kantonaler Bedeutung und hat ein grosses Entwicklungspotential, das heute durch die eingeschränkte Erreichbarkeit gebremst ist. Das sieht jeder, der hier mit Auto oder ÖV durchfährt. Es ist dringend nötig, dass wir Abhilfe schaffen», begründete die abtretende Baudirektorin das grosse Baselbieter Engagement in Sachen «ZUBA». «Wir sind diejenigen, die das wollen», so Sabine Pegoraro. Darum übernehme der Kanton Baselland auch den Grossteil der Kosten, obwohl der Zubringer zu 90 Prozent auf Basler und auf Elsässer Boden gebaut wird.

Allerdings werde man sich um Bundesgelder bemühen und das Projekt beim Agglomerationsprogramm des Bundes eingeben. Dieser müsse dann 40 Prozent der Kosten von 370 Millionen Franken übernehmen. «Es gibt keinen Grund, dass er dies nicht tut». So der federführende Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu. Man erfülle alle Bedingungen des Agglomerationsprogramms.

Basel-Stadt wird nichts an «ZUBA» bezahlen, hat sich aber im Gegenzug zum Baselbieter Engagement dazu verpflichtet, eine neue Tramlinie zwischen dem Bachgraben und dem Bahnhof St. Johann zu erstellen. Ausserdem bemühe man sich auch um die Entwicklung des Veloverkehrs im betroffenen Gebiet, so Hans Peter Wessels. Dieses stehe vor einem eigentlichen Entwicklungsschub. So sollen dort in den nächsten Jahren 6000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, was zu mehr Verkehr führe. Eine bessere verkehrstechnische Erschliessung des Gewerbegebiets Bachgraben sei also unerlässlich.

UPK wird untertunnelt

Bei der projektierten «ZUBA»-Linienführung musste Rücksicht genommen werden, auf die dichte Bebauung des Gebiets. Konkret soll nun ein neuer Tunnel auf Schweizer Territorium gleich bei der Flughafenstrasse beim Autobahnzoll beginnen und unter den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) durch bis zur Hegenheimerstrasse führen. Der Tunnel soll im Bergbau-Technik bis zu fünfzehn Meter unter Boden erstellt werden.

Die Bewohner des Gebiets zwischen Theodor Herzl- und Oltingerstrasse sollen von den Bauarbeiten ebensowenig etwas merken, wie die Patienen und Angestellten der UPK, hoffen die Verantwortlichen. Von der Linienführung nicht tangiert wird im Übrigen der Israelitische Friedhof. «Zuba» taucht bei der Hegenheimerstrasse im Bereich der heutigen Familiengärten wieder aus dem Untergrund auf und führt dann entlang der alten Rue de Bâle weiter, die heute schon stark befahren ist. Die Rue de Bâle münde dann neu in eine zu bauende Umfahrung von Hegenheim und Hésingue, die rund 20 Millionen Euro kosten wird. Diese werden von den elsässischen Gebietskörperschaften aufgebracht.

35 Gärten machen Platz

Die für «ZUBA» gewählte Variante weise bezogen «die geringsten mweltauswirkungen auf», so die Bauherren gestern. Allerdings müssten 35 Familiengärten weichen. Für diese soll Ersatz angeboten werden. Für Allschwil bringe«ZUBA» neben der Anbindung des Gewerbegebiets Bachgraben vor allem Entlastung vom Durchgangsverkehr. Entlastet werde auch Basel West, da der Verkehr direkt in die Nordtangente gehe. Im Elsass würden vor allem Hésingue und Hegenheim vom Verkehr befreit. Mit der neuen Strasse wollen die französischen Gemeinden aber auch gegenüber dem schweizerischen Bachgraben neue Gewerbegebiete zu entwickeln. «ZUBA»-Baubeginn ist nach Plan 2024.

baz.ch/Newsnet

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