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7,5 Jahre Knast für systematische Vergewaltigung der Stieftochter

Das Baselbieter Strafgericht verurteilte am Donnerstag einen 72-Jährigen zu 7,5 Jahren Freiheitsstrafe. Er wurde für schuldig befunden, seine Stieftocher jahrelang sexuell missbraucht zu haben.

Mit 7,5 Jahren Freiheitsstrafe liegt das Strafmass bei der Hälfte der Maximalstrafe. Der Grund: Trotz der Schwere des Verbrechens konnte der Tatbestand der Schändung nicht nachgewiesen werden.
Mit 7,5 Jahren Freiheitsstrafe liegt das Strafmass bei der Hälfte der Maximalstrafe. Der Grund: Trotz der Schwere des Verbrechens konnte der Tatbestand der Schändung nicht nachgewiesen werden.
Dominik Pluess

Ein 72-jähriger Pädophiler ist am Donnerstag vom Baselbieter Strafgericht zu 7,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte seine Stieftochter von ihrem neunten bis zum vierzehnten Lebensjahr regelmässig vergewaltigt.

Der als Kranmonteur und Carchauffeur angestellte Mann hatte die Mutter des Mädchens, eine Thailänderin, 1993 kennengelernt. Bald darauf zog sie zu ihm und sie heirateten. Erst später erfuhr er, dass sie drei Kinder hatte. Diese lebten in Thailand bei der Grossmutter, bis zwei Töchter 1996 in die Schweiz kamen.

Im selben Jahr begannen seine sexuellen Übergriffe des Mannes auf die ältere Stieftochter. Auch kam es bereits zur ersten Vergewaltigung. Den Anfang nahmen die Taten breits in einer kleinen Reinacher Wohnung und gingen auch weiter, nachdem die Familie in ein nicht genanntes Dorf im Baselbiet umgezogen war. Der Täter nutzte auch einen Wohnwagen für seine Übergriffe.

«Völlig ausgeliefert»

Im neuen Land ohne Sprachkenntnisse und völlig isoliert seien ihm die jungen Stieftöchter zunächst «völlig ausgeliefert» gewesen, sagte Jacqueline Kiss, Präsidentin des fünfköpfigen Strafgerichts. Hier liege ein «klassischer Fall von struktureller Gewalt» vor. Der Täter arbeitete teils Schicht, und die Mutter war oft tagelang abwesend, etwa im Kasino. Dadurch hatte der Mann weitgehend freien Spielraum.

Im Prozess sagte er aus, die ältere Stieftochter – die jüngere war offenbar verschont geblieben – sei einverstanden gewesen. Bei Sexualdelikten gegen Kinder ist das aber juristisch irrelevant, wie die Präsidentin betonte. Das Mädchen habe sich bei der ersten Vergewaltigung wohl nur nicht gewehrt, weil es arglos nichts derartiges erwartet habe.

Später habe er sich um Widerstand foutiert. Den Geschlechtsverkehr habe er auch vollzogen, wenn das Opfer sagte, es tue weh. Vor allem alkoholisiert sei er oft gewalttätig und enthemmt aufgetreten. Im Schnitt hatte er nach eigener Aussage einmal pro Woche Sex – auch oral. Die Präsidentin sprach von einer «Degradierung des Kindes zum Sexualobjekt». Jahre später erstattete sie schliesslich Anzeige.

Schwierige Beweislage

Zur Einstufung als besonders schwere «qualifizierte» Delikte fehlten jedoch Beweise: Beispielsweise ob ein Kissen Geräusche dämpfen sollte, wie er aussagte, oder als Tatwerkzeug diente, war laut Präsidentin nach 19 Jahren aus der Erinnerung des traumatisierten Opfers heute schlicht nicht mehr ausreichend sicher festzumachen.

So wurde der Mann auch freigesprochen vom Vorwurf der Schändung; der Schuldspruch erfolgte nur für mehrfache Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Nötigung, sowie sexuelle Handlungen mit Kindern. Die Präsidentin sprach von «sehr schwerem Tatverschulden». Der Verurteilte nahm das Urteil wortlos und über den Tisch gebeugt zur Kenntnis.

Trotz schwere des Verbrechens nur Hälfte der Maximalstrafe

Am tragischsten sei, dass das Umfeld samt Mutter weggeschaut habe – man hätte ihn sonst viel früher stoppen können. Tiefere Einsicht sei nicht erkennbar, auch wenn er eine Genugtuungszahlung akzeptiere. Vielleicht liege das an seiner Pädophilie, die anhand der Akten diagnostiziert wurde – ein psychiatrisches Gutachten habe er abgelehnt.

Der Strafrahmen liege für solche Delikte bei maximal 15 Jahren, sagte die Gerichtspräsidentin weiter. Auf 7,5 Jahre komme das Gericht angesichts der Praxis des Bundesgerichts zur Verjährung und wegen des Geständnisses, ohne welches einiges nicht zu klären gewesen wäre. Den Strafvollzug hatte der Täter bereits vor einem Jahr vorzeitig angetreten.

Als Genugtuung hatte er mit 35'000 Franken die Hälfte der Forderung angeboten, was akzeptiert wurde – das Opfer könne heute ein normales Familienleben führen, hiess es. Dafür sowie für Verfahrens- und Pflichtverteidigerkosten hat das Gericht vorsorglich knapp 100'000 Franken Bankguthaben gesperrt. Etwaiger Schadenersatz sei hingegen auf zivilrechtlichem Weg einzufordern.

SDA/las

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