1000 InterGGA-Kunden ohne Telefon/Internet

Für den Baselbieter Kabelnetzbetreiber ist nicht er sondern der Kunde verantwortlich für das Migrations-Chaos.

Die hohe Anzahl Kunden, die noch nicht migriert wurden, hat die Verantwortlichen der Quickline überrascht.

Die hohe Anzahl Kunden, die noch nicht migriert wurden, hat die Verantwortlichen der Quickline überrascht.

(Bild: Keystone)

Joël Hoffmann

Der Grossmutter geht es schlecht. Sie schleppt sich zum Telefon und will ihren Arzt anrufen. Doch das Telefon ist tot. Die Grossmutter könnte eine der 1000 InterGGA-Kunden sein, die seit heute weder telefonieren noch sich ins Internet einloggen können. Dies ist kein Aprilscherz.

Der Kabelnetzbetreiber InterGGA und der neue Provider Quickline haben es nicht geschafft, alle Kunden bis Ende März zu übernehmen. Der bisherige Provider Improware darf ab heute kein Signal mehr liefern. Etwa 3500 bisherige Internetkunden sind noch immer nicht bei Quickline und damit offline – davon sind 1000 Konsumenten auch ohne Festnetz. Unter den Betroffenen sind Internetkonsumenten, die ihre Modems noch nicht eingesteckt haben oder zur Swisscom gewechselt sind. Bei den 1000 Kunden jedoch, deren Telefonnummern noch nicht portiert wurden, ist die Ausgangslage eine andere.

Bereits seit Tagen melden sich Kunden bei der BaZ. Sie zeigen Briefe, die belegen, dass sie sich frühzeitig um ihr Festnetz gekümmert haben. Dennoch steht in den Antworten der InterGGA, dass ihre Nummern erst nach dem 1.  April oder erst Mitte April gezügelt werden. Da jedoch das Modem erst nach der Übernahme der Festnetznummer in Betrieb genommen werden soll, haben die Kunden auch kein Internet.

Am Montag, zwei Tage bevor Improware vom Netz muss, haben die InterGGA und Quickline Handlungsbedarf erkannt und für den Nachmittag eine Krisensitzung einberufen. Gregor Schmid, Geschäftsführer der InterGGA, spricht hingegen von einer Ad-hoc-Sitzung. Die hohe Anzahl Kunden, die noch nicht migriert wurden, hat die Verantwortlichen der Quickline überrascht. Quickline fragte den bisherigen Provider Improware, ob dieser nicht noch so lange auf dem Netz bleiben könne, bis alle noch ausstehenden Kunden gezügelt werden konnten. Die Improware lehnte mit Verweis auf den vertragslosen Zustand eine solche Lösung ab. Die Improware hatte in der Vergangenheit für einen fliessenden Übergang plädiert, um solche Härtefälle zu verhindern. Die InterGGA jedoch beharrte auf einen fixen Übergang per 31. März.

Offline an Ostern?

Für Quickline und InterGGA steht der Schuldige dieser unangenehmen Situation jedenfalls fest: Der Kunde. «Viele haben bis zum letzten Moment gewartet. Wir haben die Kunden insgesamt mindestens drei Mal angeschrieben», sagt Patrick Kocher, Marketing-Leiter bei Quickline. InterGGA CEO Schmid appelliert an die Verantwortung der Konsumenten: «Auch der Kunde muss seinen Beitrag leisten.»

Nun geben sich Quickline und InterGGA grosszügig. «Die Kunden, die ihre Modems noch nicht in Betrieb genommen haben, erhalten heute einen Brief mit der Aufforderung, das Modem einzustecken», so Kocher. Bei den Telefonkunden ist die Situation ein wenig anders. Der Wechsel ist komplizierter. Dazu Kocher: «Die Kunden, die sich bisher nicht gemeldet haben, werden von uns automatisch portiert, um sicherzustellen, dass sie über einen funktionierenden Telefonanschluss verfügen. Gleichzeitig erhalten sie dazu morgen einen Brief von uns.» Dies sei die kundenfreundlichste Massnahme. «Wir tun alles dafür, dass alle unsere Kunden noch vor Ostern ein Telefonsignal haben werden», sagt der Marketing-Chef.

Gestern wurden etwa 500 Telefonnummerportierungen eingeleitet. Diese und weitere 500 Nummern müssen in knapp zwei Tagen portiert werden, damit die Kunden über Ostern Festnetz und Internet haben. Die Improware und die InterGGA haben inzwischen dafür gesorgt, dass immerhin Notrufe und eingehende Anrufe möglich sind. Die Grossmutter kann also im Notfall zwar nicht ihren Hausarzt aber immerhin die Ambulanz verständigen.

Basler Zeitung

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