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Grippeimpfung: Apotheken teurer als Ärzte

Apotheker dürfen in Basel eigenhändig die Spritze setzen – zum Unmut der Medizinischen Gesellschaft.

In ihrer eigenen Apotheke kostet die Grippeimpfung 39 Franken.
In ihrer eigenen Apotheke kostet die Grippeimpfung 39 Franken.
Keystone

Seit diesem Sommer dürfen Apotheker eigenhändig Grippeimpfungen stechen. Einen Arzt oder ein Arztrezept brauchen sie dafür nicht mehr. Nun, da die Grippewelle anrollt, werben sie für diese Dienstleistung. Bis Ende Dezember kann man sich in 43 Basler Apotheken den Stupf machen lassen – «unkompliziert und kostengünstig», wie der Baselstädtische Apotheker-Verband wirbt.

Dass eine Impfung in der Apotheke unkompliziert ist, stimmt. In viele der Geschäfte kann man ohne Voranmeldung hineinspazieren und sich immunisieren lassen. Kostengünstig sind diese Grippeimpfungen indes nicht. Entgegen der gängigen Meinung erhält man eine Impfung bei manchem Arzt sogar für weniger Geld. Hinzu kommt, dass Menschen über 65 Jahre und solche mit gewissen Grunderkrankungen die Impfkosten mit einem Arztrezept von der Krankenkasse zurückerstattet erhalten. Lassen sie sich in der Apotheke impfen, ist dies nicht der Fall.

Grosse Preisspanne

Was heisst das konkret? Bei einer Stichprobe von zehn Apotheken ergab sich für den Impfservice eine Preisspanne zwischen 29 und 43 Franken. Ärzte sind bei der Preisgestaltung an die Tarmed-Taxpunkte gebunden. Trotzdem gibt es auch hier Unterschiede, wie eine kleine Umfrage der BaZ zeigt.

Ist der Patient sowieso schon wegen einer Konsultation in der Praxis, verrechnet einer der befragten Ärzte nur knapp 19 Franken – den Preis des Impfstoffes. Kommt der Patient exklusiv für die Impfung, verrechnet er zusätzlich die Injektion – verlangt also rund 26 Franken.

«Ich habe keine Ahnung, wie die Apotheken ihre Preise begründen. Eigentlich täuscht man so die Patienten», sagt er. Ein weiterer Arzt verrechnet auch nur den Impfstoff, sofern die medizinische Praxisassistentin die Spritze setzt. Nur einer der Befragten will mehr als die Apotheken: nämlich den Impfstoff und zweimal fünf Minuten für die Konsultation, was auf knapp 45 Franken zu stehen kommt.

Allerdings könne der Patient die rund 24 Franken für die Konsultation bei der Krankenkasse zurückfordern. Felix Eymann, Arzt und Präsident der Medizinischen Gesellschaft Basel, verlangt nach eigenen Angaben pauschal 30 Franken, falls die Impfung nicht innerhalb einer Konsultation stattfindet. Eymann will den Apothekern bei ihrer Preisgestaltung nicht reinreden, er will vielmehr, dass sie gar nicht selber impfen.

«Ich finde, dass Apotheker selber spritzen, ist eine Frechheit. Wir haben eine lange und schwierige Ausbildung, und sie machen schnell mal einen kurzen Kurs, haben aber eigentlich keine Ahnung», sagt Eymann und fügt an: «Ich werde ja auch nicht im Hinterstübli Medikamente mischen und dann verkaufen.»

Burgfrieden mit dem Verband

Schon mehrfach seien Patienten in seiner Praxis aufgetaucht, nachdem sie in einer Apotheke bei einem Herz- oder Cholesterin-Check falsch beraten worden seien: «Es sind vor allem die grossen Ketten-Apotheken, die aggressiv in unser Terrain eindringen.» Mit den Apotheken des Basler Apotheker-Verbandes habe man einen Burgfrieden.

Lydia Isler-Christ, Präsidentin des Baselstädtischen Apotheker-Verbandes, impft neu auch selber: «Wir müssen dafür eine aufwendige Ausbildung machen, die über ein halbes Jahr verteilt ist und insgesamt fünf volle Tage dauert. Zudem müssen wir immer wieder Weiterbildungen nachweisen», erklärt die Inhaberin der Sevogel-Apotheke.

Weshalb die Preise bei den Apotheken so unterschiedlich und teilweise teurer als bei einem Arzt sind, kann Isler nicht sagen. Auf diese Preisgestaltung habe der Verband keinen Einfluss. «Das wäre nicht wettbewerbskonform», so Isler.

In ihrer eigenen Apotheke kostet die Grippeimpfung 39 Franken. «Wir müssen den Gesundheitszustand erfassen und elektronisch dokumentieren. Das braucht seine Zeit. Deshalb ist der Preis gerechtfertigt. Ich finde nach wie vor, es ist eine unkomplizierte und kostengünstige Art, sich impfen zu lassen.»

Als ein Über-den-Hag-Fressen empfindet Isler die Apotheken-Impfungen nicht. «Unsere Hauptzielgruppe sind gesunde Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, die sich sonst gar nicht impfen lassen würden. Ältere Menschen und solche mit einer Grunderkrankung haben einen Hausarzt und lassen sich auch dort impfen.» Schweizweit zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Laut einer Studie, die der nationale Apothekerverband Pharmasuisse zitiert, sind rund 30 Prozent der in den Apotheken Geimpften über 65 Jahre alt.

Durchimpfungsrate erhöht

Tatsächlich hilft das Angebot jedoch, die Durchimpfungsrate zu erhöhen, wie dies vom Bund angestrebt wird. Mittlerweile sind in der Schweiz bereits in 19 Kantonen Grippeimpfungen ohne Arztrezept in der Apotheke zugelassen (im Baselbiet bereits seit zwei Jahren).

Laut einer Studie haben sich in der letzten Grippesaison 20'000 Menschen den Stupf in einer Apotheke geben lassen. Das sind 12'000 mehr als im Vorjahr. Fast 20 Prozent der in Apotheken Geimpften liessen sich zum ersten Mal gegen Grippe immunisieren und rund 15 Prozent hätten sich ohne das Angebot gar nicht impfen lassen.

Dies ist auch der Grund, weshalb sich Ärzte-Präsident Felix Eymann nicht auf die Hinterbeine stellt. «In der Schweiz fordert die Grippe 2000 Tote jedes Jahr. Natürlich sind es nur die Schwachen, die sterben. Doch wir Gesunden stecken sie an. Deshalb will ich, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen – egal wo.»

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