Von klassisch bis rockig – Jazz in seiner ganzen Vielfalt

Reinach

Das 21. Jazz-Weekend war dank des neuen Leiters vielseitiger als in den Vorjahren.

Die Little Chevy haben die Sympathien des Publikums in Reinach auf ihrer Seite.

Die Little Chevy haben die Sympathien des Publikums in Reinach auf ihrer Seite.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Es wird geplaudert, gegessen – man geniesst ganz einfach den Abend, als pünktlich um Viertel nach sieben der Gitarrist der Little Chevy ins Publikum ruft: «Ladies and Gentlemen, are you ready for the blues?» Das Publikum auf dem Vorplatz der Schreinerei Wenger lässt sich nicht zweimal bitten und ist vom ersten Takt an voll im Blues- und Rock-’n’-Roll-Fieber.

Es wippen Füsse, klatschen Hände und nicken Köpfe im Takt zum Introstück. Ganz hinten schwingt bereits das erste Paar passend zum Blues im Lindy-Hop-Stil das Tanzbein. Doch alle warten gespannt auf Sängerin Evelyne Péquignot. Selbst der Gitarrist, so scheint es. «Have you seen the lady in the red dress?», fragt er schon leicht verzweifelt. Aus dem Publikum erhebt sich eine Frau in einem roten Kleid mit weissen Punkten. Sie tänzelt sich durch die Bank- und Tischreihen zur Bühne vor und begrüsst dabei das Publikum vereinzelt persönlich per Handschlag.

Die Little Chevy hatten die Sympathien von Beginn weg auf ihrer Seite. Eine bestens aufgelegte Leadsängerin traf auf ein bestens gelauntes Publikum. Die perfekte Symbiose – genau das macht das Jazz-Weekend in Reinach seit nunmehr 21 Jahren aus.

Etwas gedämpfter ging es auf dem Ernst-Feigenwinter-Platz zu und her. Dort spielt traditionell der Old Time Jazz im klassischen Stil. Am Samstagabend waren dies die Newcastle Jazz Band und die Cherry Pickers. Es ist zwar alles etwas älter und ruhiger – auch das Publikum –, doch nicht weniger begeisterungsfähig.

Für fast jeden Geschmack

Jeder der vier Plätze hat am Jazz-Weekend seinen eigenen Musikstil und daher auch sein eigenes Publikum. Was sich bewährt hat, soll auch so bleiben. Deshalb lancierte wie bereits im vergangenen Jahr eine Formation der Musikschule Reinach das Programm auf der Hauptbühne auf dem Gemeindehausplatz.

Mit «Tango Nuevo» des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla begleitete Tangorotschero das Publikum beim Nachtessen. Die vordersten Reihen – bei der Hauptbühne ist der Abstand zwischen Bands und Publikum etwas grösser als bei den anderen Bühnen – waren aber bereits voll bei der Sache. Auch Marianne und Robert Favre genossen den Auftritt der jungen Lokalmatadoren. Die beiden warteten aber vor allem auf die Lazy Poker Blues Band, die den Abend auf der Hauptbühne mit den altbekannten Basler Bands eröffnete. Auf ihr folgten The Countdowns fast ganz in ihrer Ursprungsbesetzung.

Neuer musikalischer Leiter

Das Ehepaar Favre studiert das Programm jeweils im Vorfeld genau. «Wir entscheiden uns aufgrund der Bands, auf welchen Platz wir gehen», verrät Marianne. Dabei gehen sie auch immer über das Areal im Dorfzentrum von Reinach und bleiben stehen oder sitzen, wenn ihnen eine Band gefällt, «oder können auch mal schnell wieder weiter, wenn uns etwas nicht gefällt».

Marianne und Robert Favre schätzen die Vielfalt am Jazz-Weekend. «Für fast jeden Geschmack gibt es etwas», lobt Robert, der Blues und Country und auch mal Dixieland mag. Diese Vielseitigkeit hat in diesem Jahr nochmals zugenommen. Das war das Verdienst von Ivan Kartschmaroff. Er wird ab 2020 die musikalische Leitung ganz übernehmen. In diesem Jahr teilt er sie noch mit dem mittlerweile 85-jährigen Urgestein Louis van der Haegen. Er hat das Jazz-Weekend zu dem gemacht hat, was es heute ist.

«Klar, es kann nicht immer für jede und jeden etwas haben. Aber mir ist wichtig, dass möglichst viele Geschmäcker bedient werden», sagt Kartschmaroff. Er möchte vermehrt regionale Formationen nach Reinach holen.

Kartschmaroff setzt auf Bands, die vorwiegend ihre eigenen Songs spielen, wenig Noten und Text ablesen und mit dem Publikum interagieren können. Es funktioniert – Little Chevy demonstrierten es in bester Blues- und Rock-’n’-Roll-Manier.

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