Therapiehund stirbt nach Vergiftung

Breitenbach

Eine Hundehalterin vermutet, dass ihr Hund mit einem Köder vergiftet wurde. Nun erstattet sie Anzeige bei der Solothurner Polizei.

Treuer Begleiter: Aslan unterstützte die Pfleger bei der Betreuung von Demenzkranken.

Treuer Begleiter: Aslan unterstützte die Pfleger bei der Betreuung von Demenzkranken.

(Bild: Alters- und Pflegeheim Passwang)

Der 29. Januar sollte für Aslan ein ganz normaler Arbeitstag werden. Der Riesenschnauzer ist für die Bewohnerinnen und Bewohner des ­Altersheims Passwang in Breitenbach der tägliche Aufsteller. Nach dem Mittag spaziert Trix Dominguez mit ihrem Therapiehund über den Parkplatz. Wie gewohnt schnüffelt er an Bäumen und Sträuchern. «Er schien etwas mit der Schnauze aufgehoben zu haben», erinnert sich Dominguez. In Sekundenschnelle verschlingt der einjährige Hund das unbekannte Etwas.

Trix Dominguez ist eine erfahrene Hundehalterin. Sie war im Hundesport und bildete auch schon Katastrophenhunde aus. Aslan ist bereits ihr fünfter sogenannter Sozialbegleithund. Er unterstützt sie in der täglichen Arbeit als Psychiatrieschwester. «Demenzkranke lächeln, wenn sie ihn streicheln dürfen, er tut ihnen gut.»

Verdacht auf Strychnin

Trotz eines «Pfui!» seiner Halterin rückt er das Gefressene nicht wieder heraus. Nach etwa einer halben Stunde setzt beim Hund der Speichelfluss ein. «Ich dachte zuerst, er müsse einen Knochen erbrechen, den er zuvor von mir erhalten hat», sagt Dominguez. Weil sie gerade in einem Personalgespräch ist, bringt sie Aslan kurz in ihr Auto. 45 Minuten später kehrt sie zurück. Der Speichelfluss ist nun stärker, erbrochen hat das Tier nicht. Dominguez fackelt nicht lange: Sie ruft die Tierklinik in Delémont an und fährt los.

In der Klinik angekommen, ist das Tier bereits bis zu Brust und Vorderläufen mit Speichel bedeckt. «Er konnte sich kaum mehr bewegen», so Dominguez. Der Tierarzt braucht nicht lange, um die Diagnose zu stellen: «Der Hund zeigte alle Anzeichen einer Vergiftung», sagt Jean-Bernard Deillon von der Tierklinik Vieux-Château in Delémont, der Aslan behandelte. Aslan sei in einem schlechten Zustand gewesen: Krämpfe trieben seine Körpertemperatur über 42 Grad, was das Gehirn schädigen kann, erklärt Deillon. Sehr wahrscheinlich sei das Tier mit Strychnin vergiftet worden. Früher wurde es gegen Ratten oder Wildtiere eingesetzt.

Glaubt nicht an einen Zufall

Der Therapiehund erhält eine Beruhigungsspritze und eine Infusion. Am Morgen danach die ermutigende Nachricht: Aslan überstand die Nacht, Hoffnung keimt bei Dominguez auf.

Die Polizei sucht die Gegend um das Zentrum Passwang ab. «Wir konnten aber nichts finden», sagt Melanie Schmid, Sprecherin der Solothurner Polizei. Obwohl der Tierarzt die Symptome einer Vergiftung gegenüber der Polizei bestätigte und Dominguez ihre Beobachtungen schilderte, könne man nicht automatisch von einem Giftköder ausgehen, erklärt Schmid. Andere Fälle von Vergiftungen seien zudem der Polizei bisher nicht bekannt. Die Hundehalterin ist sich ihrer Sache aber sicher: Strychnin liege nicht einfach so herum. Und hätte Aslan zum Beispiel Schneckengift aufgeleckt, bräuchte es eine grosse Menge, die er nicht in Sekunden verschlingen könne. Zudem streue niemand zu dieser Jahreszeit Schneckengift. Darum liegt ihr Verdacht auf einem präparierten Giftköder.

Vom Geruch angezogen

Dann der Telefonanruf der Tierklinik am 30. Januar um 11.40 Uhr: Aslan sei vor zehn Minuten verstorben. «Wir haben alles für Aslan getan», sagt Tierarzt Deillon rückblickend, doch das Gift wirkte bereits im ganzen Körper. Es sei eine aussergewöhnlich heftige Vergiftung gewesen. «Ein Riesenschnauzer mit einem Gewicht von über dreissig ­Kilogramm braucht eine ordentliche Menge Gift, wenn er bereits zwei Stunden nach der Aufnahme solche Symptome zeigt.» Allerdings könne Strychnin bereits in kleinen Mengen tödlich sein. Tückisch: Hunde werden vom Geruch des Giftes angezogen, erklärt Deillon.

Vor kurzer Zeit sei Gift hinter der Migros in Breitenbach gestreut worden, berichtet eine Hundehalterin auf Facebook. Die Gemeindeverwaltung Breitenbach ist über den Fall von Aslan informiert worden. Dieser sei ein «Novum», so Gemeindeverwalter Andreas Dürr. Jedoch seien der Gemeinde andere Fälle von Vergiftungen nicht bekannt.

Trix Dominguez hält an ihrem Verdacht fest. Gestern reichte sie bei der Polizei Anzeige ein. «Wir haben einen Familienmitglied verloren», sagt sie traurig. Auch die Altersheimbewohner würden ihren Therapiehund schmerzlichst vermissen.

Basler Zeitung

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