Schrebergärtner in Aufruhr

Muttenz

Eine Einbruchswelle hält Schrebergärtner in Atem. Das gestohlene Diebesgut ist meist wertlos. Häufig hinterlassen die Diebe aber Sachschaden am Mobiliar - und viel Ärger.

Schloss geknackt. Schrebergärtner Mario Gartmann hat die Verriegelung an seinem Häuschen verstärkt, nachdem sie aufgebrochen wurde.

Schloss geknackt. Schrebergärtner Mario Gartmann hat die Verriegelung an seinem Häuschen verstärkt, nachdem sie aufgebrochen wurde.

(Bild: Boris Gygax)

Der Stechbeitel steckte noch in der Türe, als ein Nachbar von Hans­peter Hartmann in sein Schrebergartenhäuschen zurückkehrte. Die Einbrecher schafften es jedoch nicht, diese aufzubrechen. «Also zertrümmerten sie die Scheibe, um sich Zugang zu seinem Häuschen zu verschaffen», erzählt der Arealchef der Schrebergärten im Muttenzer Hardacker. Gestohlen wurden Werkzeuge und Kissen.

Auch Hartmann selbst wurde vor gut einer Woche Opfer eines Einbruchs. Aus seinem Häuschen «s Paradiesli» wurde unter anderem eine Grillblache gestohlen. In der besagten Nacht regnete es stark, niemand verbrachte den Abend im Hardacker. Insgesamt wurden auf diesem Areal im Juli 17 Einbrüche verübt, sagt Hartmann. Meistens waren Häuschen am Rand des Areals betroffen. Er schüttelt den Kopf und haut auf den Tisch, sodass es im Aschenbecher voller ausgedrückter Stumpen stäubt. «17 Einbrüche», poltert der 70-Jährige.

Im Baselbiet gab es im Juli eine Serie von Einbrüchen in Schrebergartenhäuser. Die Polizei registrierte insgesamt 63 Fälle. Betroffen waren Bauten in Schrebergärten der Gemeinden Muttenz, Pratteln, Birsfelden, Binningen sowie Allschwil. In Muttenz wurden die meisten Einbrüche begangen, total 23. Die Polizei sucht weitere Geschädigte sowie allfällige Zeugen.

Scheiben und Schlösser zerstört

Edi Schuwey erhielt bereits zum dritten Mal ungebetenen Besuch. «Nachdem die Einbrecher die Fensterscheibe zerschlugen und mein Schreberhäuschen durchsuchten, nahmen sie sich den Materialraum vor.» Dort wurde das Schloss aufgebrochen, gestohlen wurde jedoch nichts Wertvolles. Nur Arbeitskleidung, Sitzkissen und Tücher liessen die Unbekannten mitgehen. Mario Gartmann und seiner Frau Ruth wurden zwar bei der aktuellen Einbruchswelle verschont, jedoch seien sie schon mehrere Male bestohlen worden. Beim Ehepaar kamen lediglich Getränke weg. Auch die Kellertüre wurde schon aufgebrochen oder die Schlösser geknackt. «Je besser ich den Eingang verschliesse, desto mehr machen sie kaputt», sagt Mario Gartmann.

Kein Schrebergärtner hat wertvolle Gegenstände in seinem Häuschen. Umso grösser ist das Unverständnis bei allen Betroffenen über die Zerstörungswut sowie das wertlose Diebesgut. Für die Reparatur der Schäden kommen die Schrebergärner selber auf. Es lohne sich nicht, die Versicherung einzuschalten, da die Schadensumme tiefer ist als der Selbstbehalt. Doch wenn es immer wieder vorkomme, gehe das trotzdem ins Geld, meinen alle Betroffenen.

Lampen mit Bewegungsmelder wurden installiert, «doch diese schrecken niemanden mehr ab», sagt Arealchef Hartmann. Es brauche mehr Schutz, doch man könne sich wohl nur selber helfen. Die Forderung, eine Nachtpatrouille einzurichten, sei nun wieder aufgeflammt. «Ich würde mitmachen, obwohl wir in einem Ernstfall sowieso nicht eingreifen dürfen», sagt Schuwey. Auch der Arealchef findet die Idee gut, teilnehmen würde er jedoch nicht mehr. «Früher vielleicht noch, als ich noch einen Deutschen Schäferhund besass. Der hätte jeden geholt», sagt Hartmann grinsend.

«Es tut halt einfach weh»

Dann vergeht ihm die gute Laune schnell wieder. Er schaut etwas wehmütig zu seiner wehenden Schweizer Fahne hoch, beisst sich auf die Lippen. «Hören Sie: Wir arbeiten hier mit Herzblut und Liebe zum Detail an unseren Häuschen.» Gartmann nickt. Er lackiert gerade die Fassade seines «Bündnerstüblis» und fügt an: «Das tut halt einfach weh.»

Über die Identität der Täter gehen die Vermutungen auseinander. Die einen tippen auf Jugendliche, die anderen auf Einbruchstouristen «oder auf Roma». Das sei letztlich alles Spekulation, betont Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Es könnte sich zum Beispiel auch um Einbrecher handeln, die nach begangenen Taten im Privat- oder Geschäftsbereich dort nächtigen. «Solange wir niemand anhalten und einer solchen Tat überführen können, wissen wir nicht mit Sicherheit, wer die Täter sind.»

Basler Zeitung

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