Riss in der Schiene neutralisiert BVB-Trams

Muttenz

Eine fast neuwertige Tramschiene musste in Muttenz notfallmässig ausgetauscht werden. Schuld sind vermutlich Österreicher.

Das Gleis hat sich in der Sommerhitze verformt. Wegen eines 70 Zentimeter langen Risses musste es ersetzt werden. Foto: Kostas Maros

Das Gleis hat sich in der Sommerhitze verformt. Wegen eines 70 Zentimeter langen Risses musste es ersetzt werden. Foto: Kostas Maros

Alexander Müller@mueller_alex

Erneut hat ein Schienendefekt BVB-Trams ausgebremst. Beim Freidorf in Muttenz entdeckten BLT-Mitarbeiter am Donnerstagmorgen im Zuge von Revisionsarbeiten einen 70 Zentimeter langen Riss in einer Schiene.

Der Riss verlief horizontal durch den Schienensteg, das ist jener etwas dünnere Bereich der Schiene zwischen der Lauffläche und dem Schienenfuss, auf dem das Gewicht der Schiene ruht.

Die BLT entschied daraufhin, das betroffene Schienenstück umgehend auszutauschen, was während rund zwei Stunden zu einem Unterbruch des Tramverkehrs zwischen St. Jakob und Pratteln geführt hat. Die Strecke wurde in dieser Zeit mit Ersatzbussen bedient.

Hitze sorgt für Probleme

Das Stück Schiene macht der BLT, die am 1. Januar 2018 die Zuständigkeit für die Strecke von der BVB übernommen hat, bereits seit rund zwei Wochen Sorgen. Bei der Hitzewelle von Mitte Juni kam es auf dem Teilstück beim Freidorf zu einer sogenannten Verwerfung: Das Gleis erhitzte sich so stark, dass sich die stählerne Schiene ausdehnte und das Gleis verformte.

Verwerfungen kommen laut Reto Rotzler, Leiter Infrastruktur bei der BLT, typischerweise nur in Kurven vor, wo die Kräfte der sich ausdehnenden Schienen stärker seitlich auf die Schwellen einwirken, die eigentlich die Schienen fixieren sollten.

Wegen des Hitzeschadens galt auf dem Streckenabschnitt seither für die Trams eine Höchstgeschwindigkeit von 10 Stundenkilometern. «Um die Anwohner vor dem auftretenden Lärm zu schützen«, begründet Rotzler die Massnahme.

Um die Spannung der Schiene zu lösen, machten BLT-Arbeiter vor zwei Wochen einen sogenannten Temperaturschnitt. Dabei wurde einige Zentimeter der Schiene herausgetrennt. Die beiden Schienenenden wurden danach mit Stahllaschen verschraubt. Zurück blieb ein kleiner Spalt, der beim Befahren jeweils einen ratternden Gruss an die Nachbarschaft schickte. 

Auch wenn es den Riss im Schienensteg nicht gegeben hätte, wären Arbeiten an der Schiene unumgänglich gewesen: Die BLT hätte die Laschen entfernt, die Schiene auf 28 Grad erwärmt und danach neu verschweisst. Diese Temperatur hat sich laut Rotzler beim «Neutralisieren» der Schienen, so nennt der Fachmann das spannungsfreie Verbinden der Gleise,  als ideal herausgestellt: «Diese 28 Grad liegen etwa im mittleren Temperaturbereich.» Im Sommer erhitzen sich die Schienen auf bis zu 60 Grad, während die Temperatur der Gleise im Winter weit unter den Gefrierpunkt fallen kann.

Wegen des langen Risses mussten diese Arbeiten nun vorgezogen werden. Das beschädigte Stück der Schienen wurde dabei auf einer Länge von rund vier Metern herausgeschnitten und durch eine neue Schiene ersetzt. Die Neutralisation des Gleises erfolgte dann in der Nacht auf Freitag, als keine Trams mehr auf der Strecke unterwegs waren.

Obwohl die Strecke noch bis vor anderthalb Jahren von den BVB gewartet wurde, ist die Schuld nicht beim Pannenbetrieb aus Basel zu suchen: Das betroffene Gleisstück wurde erst 2018 verlegt - von den BLT selbst.

Rotzler führt den Grund für die Hitzeverwerfung denn auch auf eine unsaubere Neutralisation bei den letztjährigen Bauarbeiten zurück. An dieser Stelle sind bereits moderne Beton-Schwellen verbaut, die im Normalfall Verwerfungen nicht zulassen würden, selbst bei einer Bruthitze wie im Juni 2019. Auch die BVB-Trams, deren Räder die Schienen stärker beanspruchen als jene der BLT, hätten keine Schuld am Defekt.

Jede Schiene geprüft

Den Grund für den Riss vermutet die BLT in einem Materialfehler. Vom beim Freidorf eingesetzten Schienentyp, ein Fabrikat des österreichischen Herstellers Voestalpine, seien auf dem BLT-Netz mehrere Kilometer verbaut. «Mit den Schienen haben wir sonst absolut keine Probleme», sagt Rotzler, der den Hersteller für seine hohe Qualität lobt.

Jede Schiene werde im Walzwerk vor der Auslieferung einzeln geröntgt und genauestens kontrolliert. Nun wollen die Experten der BLT und des Herstellers prüfen, wieso es zu dem Materialschaden kam.

Basler Zeitung

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