Produktionsstopp bei der Rohner AG

Pratteln

Das Leck beim Prattler Chemieunternehmen war einiges grösser als bisher angenommen. Über vier Monate gelangten 15 Millionen Liter Industrieabwasser ins Grundwasser.

Die Rohner AG in Pratteln steckt tief in der Krise. Foto: Dominik Plüss

Die Rohner AG in Pratteln steckt tief in der Krise. Foto: Dominik Plüss

Lisa Groelly

Der Kanton Baselland stellte Ende Februar bei einer Routinemessung ganz zufällig auffällige Werte beim Areal der RohnerChem AG in Pratteln fest. Kurz darauf wurde klar, dass Industrieabwasser durch ein Leck ins Grundwasser gelangt war. Die Rohner AG informierte, dass sie das Leck bereits Mitte Februar entdeckt und behoben habe. In einem Interview mit der BaZ sagte Geschäftsführer Daniel Pedrett, dass das Leck «maximal einige Stunden» bestand.

Doch nun informiert das kantonale Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) über das wirkliche Ausmass: Zwischen November 2018 und Mitte Februar 2019 sind rund 15 Millionen Liter Industrieabwasser in das Grundwasser gelangt. Aus Sicherheitsgründen hat das AUE deshalb verfügt, das Abwassersystem der Rohner AG sofort ausser Betrieb zu nehmen.

Gemeinde fordert Strafe

Für das Unternehmen bedeutet dies de facto einen Produktionsstopp. «Ich habe mitbekommen, dass die Produktion eingestellt wurde», bestätigt auch der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder, der das Vorgehen des Kantons klar unterstützt. Der Gemeinderat hatte bereits Anfang März, als das AUE über das zufällig entdeckte Leck informiert hatte, vom Kanton verlangt, eine temporäre Schliessung des Betriebs zu prüfen. «Genau das ist jetzt erfolgt», sagt Burgunder.

Die Sicherheit der Bevölkerung und der Umwelt habe für den Gemeinderat nach wie vor oberste Priorität. «Es ist eine wahnsinnige Menge an Abwasser, die ins Grundwasser gelangt ist», sagt Burgunder, der ab Juli für die FDP im Landrat sitzt. Die Gemeinde sei befremdet über dieses Ausmass: «Wir erwarten, dass dies strafrechtliche Konsequenzen hat.» Laut dem AUE könne eine Gefährdung der Bevölkerung aber nach wie vor ausgeschlossen werden, da im betroffenen Gebiet kein Trinkwasser aus dem Grundwasser erfasst wird.

Der Kanton hatte im März verschiedene Massnahmen verfügt, die die Rohner AG umsetzen sollte. Es ging dabei insbesondere um die Kontrolle und die Sanierung des Abwassersystems. Da die Auflagen entweder gar nicht oder nur teilweise eingehalten wurden, sah sich das AUE nun gezwungen, dem Chemieunternehmen zu verbieten, Wasser in die kantonalen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) abzuleiten. «Wir wollen sichergehen, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann», betont Mediensprecher Nico Buschauer gegenüber der BaZ. Der Kanton verlange deshalb, dass sämtliche Mängel behoben werden.

Der Gemeinderat zeigt sich enttäuscht darüber, dass die Rohner AG die kantonalen Auflagen nicht eingehalten hat. Stephan Burgunder versuchte am Donnerstag, nachdem er die Verfügung vom Kanton erhalten hatte, jemanden von der Rohner AG zu erreichen. Doch er sei nur darüber informiert worden, dass man selbst noch beurteilen müsse, welche Folgen die Verfügung des Kantons für das Unternehmen hätte. Es werde sich aber zeitnah jemand bei ihm melden. Bis gestern wartete Burgunder vergebens auf eine Kontaktaufnahme: «Das ist sicher nicht die Kommunikation, die wir uns als Gemeinde vorstellen.»

Finanzielle Schwierigkeiten

Auch für die BaZ war beim Prattler Chemieunternehmen gestern niemand zu erreichen. Für die knapp 200 Mitarbeiter der Rohner AG, die seit März keinen Lohn mehr bekommen haben (die BaZ berichtete), dürfte die Verfügung des Kantons gravierende Folgen haben.

Die Kosten, die der Kanton aufwenden musste, um das verunreinigte Grundwasser abzupumpen und es zu untersuchen, belaufen sich bis jetzt auf rund 300'000 Franken.

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