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Öffentliche Aufarbeitung unerwünscht

Schwere Mobbingvorwürfe gegen Lehrer erschüttern die Sekundarschule Reinach. Die Verantwortlichen mauern.

Christian Keller
In der Krise. An der Sekundarschule Reinach sollen Lehrer Schüler blossstellen, beleidigen und unfair benoten. Eltern reichten Beschwerde ein.
In der Krise. An der Sekundarschule Reinach sollen Lehrer Schüler blossstellen, beleidigen und unfair benoten. Eltern reichten Beschwerde ein.
Nicole Pont

Mobbing, Psychospiele und unfaire Benotungen: Nachdem die BaZ am Mittwoch über schwerwiegende Vorwürfe gegen mehrere Lehrer sowie die Schulleitung der Sekundarschule Reinach berichtet hat, sind in der Baselbieter Gemeinde eine Reihe von Krisensitzungen abgehalten worden.

Die Lehrerschaft besprach sich am Donnerstag in der Aula. Der neunköpfige Schulrat, welchem die Aufsicht über die Schule obliegt, tagte bereits am Mittwochabend. Um eine konkrete Stellungnahme zu den Sachverhalten hat die BaZ vergeblich gebeten: Schulratspräsidentin und Gemeinderatskandidatin Doris Vögeli (BDP) sieht «keinen Mehrwert darin, den Konflikt in der Öffentlichkeit auszutragen». Dies sei für eine Lösung des Problems «keineswegs zuträglich». Man nehme die Vorwürfe «sehr ernst».

Nicht äussern wollen sich nach wie vor auch die beiden Schulleiter Michael à Wengen und Roland Herz, die eine erneute Anfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet liessen.

Weitere Eltern melden Vorfälle

Derweil haben sich seit der Publikation weitere Eltern bei der BaZ gemeldet, welche die laut gewordene Kritik aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen bestätigen und ihre Erlebnisse schildern. Diese Personen äussern sich differenziert: Man wolle auf keinen Fall alle Lehrkräfte über einen Kamm scheren – und pubertierende Jugendliche zu unterrichten, sei gewiss kein Zuckerschlecken. Es seien aber Grenzen überschritten worden, was nicht ohne Konsequenzen bleiben dürfte.

Die verschiedenen Stimmen berichten zusammenfassend, sie seien von Schulleiter Michael à Wengen willkürlich behandelt und angeschrien worden, zudem habe es verletzende Bemerkungen in E-Mails gegeben. Ein konkretes Beispiel liegt der BaZ vor. Der Redaktion wurde es von einem Vater weitergeleitet. «Wenn die Schulleitung schon beleidigend ist, wie sollen es die Pädagogen anders machen?», kommentiert er. Der Vater hat jedoch darum gebeten, nicht aus besagtem E-Mail à Wengens zu zitieren, weil dann Rückschlüsse möglich seien. Er befürchte, dass sein Kind deswegen an der Sek Reinach Nachteile erfahren könnte. À Wengen wollte die Anschuldigungen gestern nicht kommentieren.

Obwohl Schulleitung und Schulrat sich bislang inhaltlich nicht zur Situation an der Sekundarschule Reinach geäussert haben, sind die Verantwortlichen offensichtlich unter starken Druck geraten. Dies dürfte der Grund für die gestern gestartete Krisenkommunikation sein.

Alle Eltern und Erziehungsberechtigten der Schule erhielten einen Brief heimgeschickt. Der Bericht in der BaZ habe «bei uns allen an der Schule grosse Bestürzung und viele Fragen ausgelöst», steht darin geschrieben. Man sei mit den betroffenen Eltern und Lehrpersonen «im Gespräch» und habe über die «getroffenen und anstehenden Massnahmen» informiert. Mit allen «Anspruchsgruppen» stünde man im Dialog. «Der Schulrat und die Schulleitung sind sehr bestrebt, eine für alle Parteien – namentlich für die Kinder, deren Eltern und das unterrichtende Personal – gute und nachhaltige Lösung zu finden.»

Krisenkommunikation via Website

Es sei entschieden worden, die Website der Schule als «Informationsplattform» zu benützen, heisst es in dem Schreiben weiter. Unter der Internetadresse www.sekreinach.ch würden «im Rahmen der Möglichkeiten» immer wieder News aufgeschaltet.

Während gegen aussen Verständnis und Handlungsbereitschaft vermittelt werden, wurde intern ein anderes Signal gesetzt. Am Mittwoch, als der Artikel in der BaZ erschien, bekam eine vierte Klasse der Sekundarschule Reinach während des Deutschunterrichts unerwarteten «Besuch». Es handelt sich um jene Klasse, bei der mehrere Eltern eine Beschwerde beim Schulrat eingereicht haben.

Wie der BaZ berichtet wird, seien der Klassenlehrer sowie die beiden Schulleiter Michael à Wengen und Roland Herz vor die Schüler getreten und hätten ihr Befremden darüber ausgedrückt, dass die Presse eingeschaltet worden sei. Es sei traurig und er frage sich, weshalb es die Eltern so weit hätten kommen lassen, soll sich à Wengen beklagt haben. Herz hingegen habe betont, er lasse die ganze Geschichte «an sich vorbeiziehen», sie treffe ihn nicht. Der Klassenlehrer hielt fest, Schüler müssten lernen, gute Noten zu schreiben. Er steht unter anderem in schlechtem Ruf, weil er laut Protokollen des Schulpsychologischen Dienstes Jugendlichen gerne Ritalin verschreiben würde, wenn er mit ihnen nicht zurechtkommt.

Konsequenzen sind offen

Aus Sicht der involvierten Eltern ist es eine «Frechheit», wenn ihnen nun unterstellt werde, den Kontakt zu den Medien gesucht zu haben. «Wir haben uns immer um den Kontakt zur Schulleitung bemüht, aber das brachte nichts.» Sie fänden es indes bemerkenswert, wie rasch es vorangehe, seit die Öffentlichkeit von den Zuständen in Reinach wisse. So werde das Fach Mathematik neu im «Teamteaching» von drei Lehrpersonen unterrichtet. «Mein Sohn kam begeistert nach Hause. Niemand sei schikaniert worden und er habe die Erklärungen endlich einmal verstanden», erzählt eine Mutter.

Offen ist, welche Konsequenzen der Schulrat treffen wird. Gestern Abend fand eine Anhörung mit den Beschwerdeführern statt.

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