Maulkorb, nicht nur Leine

LÄUFELFINGEN

Mit einer Unterschriftensammlung wehren sich Läufelfinger Anwohner gegen eine auswärtige Hundehalterin. Deren Hund hat vor rund einem Jahr mehrfach andere Hunde attackiert und gebissen.

Maulkorb oder nicht: Bevölkerung und Kantonstierarzt sind sich uneinig über die Schutzmassnahmen vor dem bissigen Hund in Läufelfingen.

Maulkorb oder nicht: Bevölkerung und Kantonstierarzt sind sich uneinig über die Schutzmassnahmen vor dem bissigen Hund in Läufelfingen.

(Bild: Keystone)

Susanne Strub, SVP-Landrätin aus Häfelfingen, ist überzeugt: «Wenn etwas Schlimmes passiert, heisst es schnell, die Politik habe versagt.» Einen Vorwurf, den sie mit der Einreichung ihrer Interpellation vom 5. Mai vermeiden will. «Niemand soll sagen können, wir hätten nichts gegen diesen aggressiven Hund unternommen», so Strubs Begründung für ihren Vorstoss, betreffend «Durchsetzbarkeit des kantonalen Hundegesetzes».

«Dieser Hund», das ist der Rhodesier-Mischling einer auswärtigen Hundehalterin, die sich regelmässig in Läufelfingen aufhält, weil ihr Lebensgefährte dort wohnt. Mehrfach, heisst es in der Interpellation, habe dieser Hund andere Hunde aus dem Dorf attackiert. Und obwohl diese Vorfälle mittlerweile mehr als ein Jahr zurückliegen, beschäftigen sie neben den betroffenen Personen «auch andere ortsansässige Hundehalter bis heute stark», schreibt die SVP-Landrätin.

Leinenpflicht reicht

Besonders sauer aufgestossen sei der Läufelfinger Bevölkerung das Resultat des kürzlich durchgeführten Wesenstest mit dem Mischlingshund, sagt Strub. «Die Leute verstehen nicht, warum keine Maulkorbpflicht verordnet wurde.» Weil das nicht nötig ist, sagt der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch. Als Zuständiger der Meldestelle für Hunde (siehe Text links) wurde er von der Gemeinde Läufelfingen eingeschaltet, nachdem mehrere Anzeigen gegen die Halterin des Mischlingshundes eingegangen waren. Als Folge davon ordnete Bloch eine Wesensprüfung des Hundes an. Sein Fazit nach diesem Test: «Der Hund ist kontrollierbar an der Leine, er braucht keinen Maulkorb.» Vor einem Jahr, als die Übergriffe auf andere Hunde erfolgt waren, wäre er vielleicht zu einem anderen Urteil gekommen, fügt der Kantonstierarzt hinzu. «Aber da die Hundehalterin mittlerweile entsprechende Kurse besucht hat, reicht die Leinenpflicht als Massnahme.»

Ganz anders sehen das jene Anwohner, die sich an Strub gewandt haben, sagt diese: «In Läufelfingen geht die Angst um vor diesem Hund.» Die Situation wäre für alle angenehmer, würde der Hund einen Maulkorb tragen, ist sich die Landrätin sicher. «Damit könnte man ganz einfach sämtliche Risiken ausschliessen. Schliesslich will niemand, dass eines Tages ein Kind gebissen wird, oder?» Und sowieso: Mancherorts würde gar von einer «Schnellbleiche» gemunkelt, so Strub: «Viele im Dorf setzen ein Fragezeichen hinter die Prüfung des Hundes durch die Behörden.» Einer, der nicht zu diesen Skeptikern gehört, ist der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter: «Ich habe keine Zweifel am Gutachten des Kantonstierarztes.» Man habe den Hund während des Tests auf offenem Gelände mit anderen Hunden konfrontiert und alles lief gut. «Gemäss Experten ist das für einen Hund die schwerste Prüfung. Von einer Schnellbleiche kann nicht die Rede sein», sagt Forter.

Gemeindepräsident hat kein Verständnis für Unterschriftensammlung

Er selbst sei besagtem Hund ebenfalls schon begegnet beim Spazieren – und habe nichts bemerkt von einem aggressiven Verhalten gegenüber Menschen: «Diese Probleme treten offenbar nur dann auf, wenn das Tier auf andere Hunde trifft.» Entsprechend gebe es keinen Grund zur Angst, zumal die Leinenpflicht strikt eingehalten werde. Darum: «In Läufelfingen gibt es kein Hundeproblem.»

Dass die von den Bissattacken betroffenen Hundehalter – in der BaZ wollte sich niemand dazu äussern – diese Massnahmen für unzureichend halten, kann Forter aber nachvollziehen. «Da sind Leute darunter, die kleine Kinder haben. Dass die sich Sorgen machen, ist logisch, auch wenn es keinen Grund dafür gibt.» Kein Verständnis hingegen hat der Läufelfinger Gemeindepräsident für die angelaufene Unterschriftensammlung im Dorf, mit der die Unterzeichnenden sich für einen Maulkorbzwang des Rhodesier-Mischlings einsetzen. «Auch in einer Demokratie gibt es manchmal einen Punkt, an dem man die Entscheidungen der Behörden einfach akzeptieren sollte.»

Basler Zeitung

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