Langmattstrasse soll ab 2022 realisiert werden

Oberwil

Trotz Volksnein zur Entwicklungsplanung Elba forciert die Regierung den Bau der Querverbindung in Oberwil.

Blick aus der Luft. Die Langmattstrasse soll quer durch das Getreidefeld (Bildmitte) führen und die Längsachsen (links und rechts aussen) verbinden.

Blick aus der Luft. Die Langmattstrasse soll quer durch das Getreidefeld (Bildmitte) führen und die Längsachsen (links und rechts aussen) verbinden.

Thomas Dähler

Mit dem Bau der Langmattstrasse, der umstrittenen Querverbindung im Leimental, soll schon 2022 begonnen werden. Der Regierungsrat beantragt beim Landrat die Bewilligung des Generellen Projekts zur Realisierung der neuen Verbindung als Kantonsstrasse. Vorgesehen ist, die Verbindung als Einzelmassnahme in den Richtplan einzutragen. Der Eintrag der Strasse wurde im Rahmen der Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba), die sich am Zeithorizont 2030–2050 orientiert, vor drei Jahren vom Volk abgelehnt.

Das erfolgreiche Referendum der Linken gegen die Elba im Herbst 2015 entwickelt sich seither immer stärker zu einem Pyrrhussieg. Statt einer Entwicklungsplanung forciert die Regierung nun Einzelmassnahmen. So auch in Oberwil. Zwar hatte die Regierung vorgesehen, die wesentlichen Elemente der einstigen Planung mit den Anpassungen 2017 gesamthaft in den kantonalen Richtplan (Krip) aufzunehmen. Doch die bei der Vernehmlassung Ende 2017 geäusserte Kritik hat nun dazu geführt, dass es auch Anfang 2019 zum Krip noch immer keine Gesamtvorlage mit den Anpassungen 2017 gibt.

Geringeres Wachstum

Im Leimental ist das Bevölkerungswachstum bisher geringer ausgefallen als seinerzeit bei der Elba angenommen. Dies hat die Regierung aber nicht daran gehindert, den Bau der Langmattstrasse als Entlastung bestehender Verbindungen einzuleiten und vorzeitig im Krip festzusetzen. Es blieb ihr auch nichts anderes übrig, denn der Landrat hat 2016 einer Motion von Oskar Kämpfer (SVP) zugestimmt. Diese verpflichtet die Regierung, «den Bau der Langmattstrasse unverzüglich umzusetzen». Nach dem Volksnein zur Elba sehen sich demnach auch die Bürgerlichen nicht mehr an das Gesamtkonzept der seinerzeitigen Entwicklungsplanung gebunden.

Die neue Talquerung über die Langmattstrasse soll es dem lokalen Verkehr ermöglichen, die Talseite ohne einen Bahnübergang zu wechseln. Der dichte Fahrplan der BLT führt heute dazu, dass zwei der drei bestehenden Querverbindungen in Therwil und Oberwil oft wegen einer geschlossenen Bahnschranke verstopft sind. In den Stosszeiten führt dies jeweils sowohl auf der oberen als auch auf der unteren Talachse – auf der Mühlemattstrasse und der Therwilerstrasse – zu Staus, Unter diesen leiden Therwil und Oberwil. Eine zusätzliche Kantonsstrasse könnte die Ortskerne vom Lokalverkehr teilweise entlasten.

Das Projekt Langmattstrasse ist mit Kosten von geschätzten 13 Millionen Franken verbunden und sieht vor, die heutige Langmattstrasse in Oberwil über den Bach zu verlängern und mit einem Kreisel an die Therwilerstrasse anzuschliessen. Nötig ist dafür eine rund 260 Meter lange Neubaustrecke, ergänzt durch eine Unterführung für den Fuss- und Radverkehr. Dem Landrat beantragt die Regierung, die neue Strasse im Richtplan zu verankern und das Generelle Projekt zu genehmigen. Die anschliessende Projektierung der Strasse liegt in der Kompetenz der Regierung, sodass das Kantonsparlament erst wieder die Realisierung beschliessen muss. Noch offen ist, ob eine Mitfinanzierung durch den Bund möglich ist. Dafür müsste das Projekt aber in die A-Liste des Aggloprogramms aufgenommen werden. Wegen der nur lokalen Verkehrsentlastung sind die Aussichten dafür aber ungewiss.

Knapper Entscheid erwartet

Offen ist auch, ob der Landrat der Vorlage zustimmt. In der Bau- und Planungskommission wurde das Projekt mit sieben zu sechs Stimmen verabschiedet. Zugestimmt haben die Vertreterinnen und Vertreter der SVP und der FDP. Dies reicht möglicherweise nicht für eine Zustimmung im Parlament, vereinen doch SVP und FDP im Landrat nur 43 der 90 Stimmen. Die CVP indes war bisher uneinig.

Umstritten ist die neue Langmattstrasse auch vor Ort. Sie verläuft nahe der Gemeindegrenze zwischen Therwil und Oberwil. Therwil befürwortet die neue Strasse, mildert sie doch den Verkehrsdruck auf die Ringstrasse in Therwil, eine parallele Gemeindestrasse ohne Bahnschranke. Oberwil hingegen ist gemäss Gemeindepräsident Hanspeter Ryser (SVP) gegen das vorliegende Projekt. Der Gemeinderat ist an die Entscheide der Gemeindeversammlung gebunden, welche die Verlängerung der Langmattstrasse schon mehrmals abgelehnt hat. Die Baselbieter Regierung räumt ein, dass die Verkehrsentlastung gering sei und sich auf die Spitzenzeiten konzentriere. Stimmt der Landrat nächste Woche zu, muss mit einem Referendum gerechnet werden.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt