Zum Hauptinhalt springen

Kampf um die letzte unberührte Wiese

Eine Informationsveranstaltung hat aufgezeigt, weshalb die Überbauung des Chilchachers so umstritten ist.

Ein Streit mit Präzedenzcharakter: Soll der Chilchacher in Tenniken überbaut oder ausgezont werden? Foto: Dominik Plüss
Ein Streit mit Präzedenzcharakter: Soll der Chilchacher in Tenniken überbaut oder ausgezont werden? Foto: Dominik Plüss

Die Informationsveranstaltung zum Streit über die geplante Überbauung des Chilchachers in Tenniken hat vor allem Gegner des Projekts mobilisiert. Gegen 200 Personen fanden den Weg in den Gemeindesaal von Tenniken. Gekommen sind auch Behördenvertreter, die das Komitee Chilchacher eingeladen hat: Regierungsrat Anton Lauber und die Gemeinderäte Sonja Caviola und Beat Heller. Die Komitee­mitglieder Paul Ruggle und Urs Wullschleger, die in den Abend einführen, haben Persönlichkeiten von auswärts für die Refe­rate gewonnen: Sie sollten die Frage nach dem Erhalt der an Kirche und Friedhof angrenzenden Wiese aus einer anderen Sicht beleuchten. Durch den Abend führte BaZ-Redaktor Jan Amsler.

Das Chilchacher-Komitee möchte, dass die Bevölkerung bei der von der Stiftung Kirchengut Baselland geplanten Überbauung mitreden kann. Es hat dem Gemeinderat eine Petition mit 290 Unterschriften überreicht. Ziel sei es, den Chilchacher auszuzonen. Wullschleger: «Wir glauben nicht, dass die Kirche wegen Austritten auf diese Einnahmen angewiesen ist.»

Keine Verdichtung

Franziska Grossenbacher, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz, stellte das in Auftrag gegebene Gutachten vor. Sie habe den Chilch­acher zuvor nicht gekannt, erklärte sie ihre Unabhängigkeit. Doch sie kam zu einem klaren Schluss: Eine Überbauung wäre keine Verdichtung, sondern statt einer Siedlungsentwicklung nach innen eine Ausdehnung des Siedlungsgebiets. Es handle sich um den letzten unberührten Siedlungsrand. Der Chilchacher sei ortsbildprägend und identitätsstiftend. Der planerische Schutz und die Entwicklungs­ziele auf kommunaler und kantonaler Ebene würden mit einer Überbauung verletzt.

Das sah Hansjörg Stalder, Vorstandsmitglied des Heimatschutzes, ebenso. Es gebe durchaus ­Lösungen, wenn man den Chilch­acher schützen wolle. Laura Grazioli, Landrätin und Vizepräsidentin der Grünen Baselland, bedauerte, dass die Kantonsregierung bei der Beantwortung einer Interpellation ihrer Partei sich nur formaljuristisch zum Ansinnen der Stiftung Kirchengut geäussert hat.

Um des Profits willen

Vera Weber von der Fondation Weber protestierte grundsätzlich gegen die Überbauung von Freiflächen. Dies geschehe vor allem um des Profits willen: «Gehen Sie auf die Barrikaden!»

In der anschliessenden Publikumsdiskussion wurden gegenseitig viele Vorwürfe erhoben. Dem Gemeinderat wurde vorgeworfen, seine Führungsfunktion nicht wahrzunehmen. Der Baselbieter Regierung wurde vorge­halten, die Interpellation im Landrat nicht neutral beantwortet zu haben. Und das Komitee Chilchacher wurde schliesslich beschuldigt, nur aus Eigeninteresse zu handeln und den Landschaftschutz vorzuschieben. Alle erhielten indes Gelegenheit, sich zu verteidigen.

Beat Heller sagte, der Gemeinderat sei für die ganze Bevölkerung da und weder für noch gegen die Überbauung. Regierungsrat Lauber sagte, die Gemeinde müsse einen Entscheid fällen, nicht der Kanton. Und Kaspar Geiger vom Komitee verwies auf die 290 Petitionsunterschriften, die keineswegs alle von Anwohnern geleistet wurden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch