Jedes Fohlen eine neue Hoffnung

Seewen

Josef Wiggli aus Seewen ist Sportpferdezüchter des Jahres. Obwohl Käufer für seine Pferde tief in die Tasche greifen müssen, macht er mit seiner Zucht nicht das grosse Geld.

Zucht liegt in der Familie. Josef Wiggli mit Sohn Urs Wiggli und ihrer Stute Viola und dem Fohlen Zora.

Zucht liegt in der Familie. Josef Wiggli mit Sohn Urs Wiggli und ihrer Stute Viola und dem Fohlen Zora.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Dina Sambar

Stute Viola ist nervös. Immer wieder versichert sie sich, dass ihr frisch geborenes Fohlen noch hinter ihr ist. Zora vom Eigen ist erst wenige Stunden alt und stakst noch etwas ungelenk hinter ihrer Mutter her.

Zora ist der jüngste Nachwuchs der Pferdezucht Wiggli auf dem Eigenhof in Seewen. «Bei jedem neu geborenen Fohlen hoffen wir, dass es in Zukunft ganz oben mitspringen kann», sagt Josef Wiggli. Der 63-Jährige wurde soeben vom Zuchtverband CH-Sportpferde zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren zum erfolgreichsten Sportpferdezüchter des Jahres erkoren. Ein Titel, der ihn stolz macht: «Das zeigt, dass wir in den letzten 30 Jahren nicht alles falsch gemacht haben», so Wiggli. Massgebend für die Wahl war das gute Abschneiden der von ihm gezüchteten Pferde an der Schweizer Meisterschaft der CH-Pferde in Avenches. Mit dabei war auch sein Paradepferd, Gräfin vom Eigen, die sogar international erfolgreich ist. Doch der ganz grosse Wurf, ein Pferd, das über 1,60 Meter springt, ist ihm bisher nicht gelungen.

Hohe Tierschutzstandards

Ob die frisch geborene Zora vom Eigen die Voraussetzungen für eine grosse Karriere mitbringt, kann Wiggli nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh. «Trotz guter Abstammung kommt es leider immer wieder vor, dass uns die Gesundheit des Pferdes einen Strich durch die Rechnung macht.» Eine dreijährige Stute leidet beispielsweise an Arthrose und für sein absolutes Lieblingspferd, Quinta vom Eigen, kommt Spitzensport wegen einer Verletzung nicht mehr in Frage.

Doch auch die Einstellung der Pferde spielt eine grosse Rolle, sagt die Springreiterin und Bereiterin Barbara Schnieper, die für die Ausbildung der Jungpferde zuständig ist: «Es gibt Pferde, denen der Wille oder der Mut fehlt, über hohe Hindernisse zu springen.» Wiggli ist Züchter in dritter Generation. «Ich wollte, schon als ich jung war, einen eigenen Hengst. 1993 habe ich mir diesen Wunsch erfüllt.» Während die Zucht in der Schweiz seither einen starken Rückgang erlebte, konnte Wiggli seinen Betrieb ausbauen. Heute kommen auf dem Eigenhof jährlich sechs bis acht Fohlen zur Welt. Das grosse Geld mache er damit allerdings nicht: «Die Pferdezucht ist mit enormem Arbeitsaufwand verbunden. Bis ein Ross vier, fünf Jahre alt ist, muss man mit Kosten von 15'000 bis 20'000 Franken rechnen. Und dies ohne zu wissen, was dabei herauskommt.» Der Verkaufspreis seiner jungen Pferde liegt je nach Qualität und Ausbildung zwischen 10'000 und 30'000 Franken.

Erfolg aus dem eigenen Haus

Obwohl die Gewinnspanne nicht gross ist, sind in der Schweiz gezüchtete Pferde teuer: «Es scheitert oft am Preis», sagt Wiggli. Der Grund liegt nicht nur in den hohen Lohnkosten der Schweiz: Die hiesigen Tierschutzstandards gehören zu den höchsten weltweit. «Für das Wohlbefinden der Pferde ist das sicher ein wichtiger Faktor. Den Käufern ist das leider nicht so wichtig. Deshalb sind wir gegenüber dem Ausland benachteiligt», sagt der Züchter.

«Ob wir nur von der Pferdezucht leben könnten, weiss ich nicht», sagt auch Urs Wiggli, Sohn des Hauses, der den Eigenhof im nächsten Jahr übernehmen wird. Geld fliesse aber auch durch Vermietung von Boxen und die Ausbildung von Pferden und Reitern in den Betrieb. Auf dem Hof leben 70 Pferde. Zudem halten die Wigglis auf dem 90 Hektaren grossen Hof 30 Milchkühe und betreiben nebst Ackerbau auch ein Restaurant.

Das Fohlen Zora vom Eigen wird die nächsten drei Jahre erst mal auf der Weide verbringen – «im Kindergarten», wie Urs Wiggli sagt. Danach wird sie von seiner Lebenspartnerin Barbara Schnieper angeritten. «Mit dem Springen beginnen wir erst, wenn sie vierjährig ist», so die Bereiterin.

Ziel sei es, die Pferde zu verkaufen, wenn sie zwischen drei und sechs Jahre alt sind. Ein guter Kunde sei das nationale Pferdezentrum in Bern, das bereits zwölf Pferde gekauft hat. Topstars wie Olympiasieger Steve Guerdat oder Martin Fuchs haben beim Eigenhof jedoch noch nicht angeklopft. Der Erfolg, den sich die Wigglis und Barbara Schnieper am meisten erträumen, hat ohnehin nichts mit fremden Topstars zu tun: «Am schönsten wäre es, wenn ich selber mit einem Pferd aus unserer Zucht ganz vorne mitreiten könnte», sagt Barbara Schnieper.

Basler Zeitung

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