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Ja zur Neugestaltung des Dorfkerns

Die Einwohner von Birsfelden heissen das Zentrumsprojekt mit Dreiviertel-Mehr gut.

Alex Reichmuth
Gemässigte Verdichtung ist erwünscht. Gemeindepräsident Christof Hiltmann konnte die Ängste der Einwohner bezüglich einer zu hohen Verdichtung eindämmen.
Gemässigte Verdichtung ist erwünscht. Gemeindepräsident Christof Hiltmann konnte die Ängste der Einwohner bezüglich einer zu hohen Verdichtung eindämmen.
Nicole Pont

«Wir müssen dieses Goal heute schiessen», appellierte ein Einwohner an die Anwesenden der Birsfelder Gemeindeversammlung. Schon seit fünfzig Jahren diskutiere man über ein Zentrum für Birsfelden. «Es ist Zeit, dass dieses nun kommt.» Der Aufruf schien zu wirken: Am Ende der Diskussion hiess die Gemeindeversammlung die neue Zentrumsplanung mit 268 gegen 85 Stimmen gut.

Birsfelden hat im Gegensatz zu anderen Gemeinden keinen historisch gewachsenen Dorfkern. Bis heute fehlt darum ein eigentliches Zentrum. Pläne, das zu ändern, kursieren in der Tat seit Jahrzehnten. Doch nach der Gemeindeversammlung von dieser Woche stehen die Chancen gut, dass Birsfelden tatsächlich ein Zentrum bekommt.

Gebaut werden soll gemäss den Plänen des Architekturbüros Harry Gugger Studio. Der Gemeinderat präsentierte der Bevölkerung dessen Projekt «Camillo» erstmals im März. Anschliessend wurden die Pläne aufgrund eines Mitwirkungsverfahrens den Wünschen der Einwohner angepasst. Anfang November stellte Gemeindepräsident Christof Hiltmann das überarbeitete Projekt vor.

160 bis 180 neue Wohnungen

Dieses Zentrum soll ein Gebiet zwischen der Hauptstrasse und der Schulstrasse umfassen. Neue Bebauungen bieten Platz für gewerbliche Nutzungen und für 160 bis 180 Wohnungen. Ein neuer Zentrumsplatz von der Grösse des Arlesheimer Domplatzes grenzt an die Hauptstrasse. Im Norden führt eine Gasse zum Lavaterplatz. Dahinter befindet sich der Kastanienhof, der von Neubauten umgeben ist.

Im Dialog mit den Einwohnern wurde klar, dass die Bevölkerung weniger Dichte und mehr Grün wünscht. Entsprechend haben die Projektverantwortlichen die bebaute Fläche in der überarbeiteten Version um fünf Prozent reduziert. Einige Gebäude wurden zurückversetzt und die Grünflächen ausgebaut.

In der Diskussion an der Gemeindeversammlung zeigte sich, dass manche Einwohner noch immer eine zu grosse Verdichtung mit zu wenig Grün befürchten, trotz der Anpassungen. «Birsfelden steht schon heute an 16. Stelle bezüglich Dichte unter allen Schweizer Gemeinden», sagte ein Einwohner, der laut eigenem Bekunden «nicht begeistert» vom Projekt ist. «Und jetzt soll es noch dichter werden.» Es mache keinen Sinn, das Zentrum auch noch zu verbauen, mahnte ein weiterer Einwohner.

Gemeindepräsident Hiltmann hielt dagegen. Birsfelden habe in den letzten Jahrzehnten fast 5000 Einwohner verloren, darum sei eine gewisse Verdichtung im Interesse der Gemeinde. Zudem mache es mit Blick auf den Landschaftsschutz Sinn, in der stadtnahen Agglomeration massvoll zu verdichten. Rund drei Viertel der Stimmberechtigten folgten am Ende diesen Argumenten und hiessen die Zentrumsplanung gut.

Grünes Licht für Quartierplan

Mit grossem Mehr gaben sie auch grünes Licht für einen Kredit über 410'000 Franken zur Ausarbeitung des entsprechenden Quartierplans. Läuft alles wie vorgesehen, kann die Gemeindeversammlung im Jahr 2020 über diesen Plan entscheiden. Gebaut wird in den Jahren 2024 bis 2030.

Schon vor dem Ja zum Zentrumsprojekt hiess die Gemeindeversammlung Birsfelden einen Kredit über 8,65 Millionen Franken gut für den Erwerb des Gebäudes, in dem heute die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) untergebracht ist. Die Bank zieht bald aus. Der Gemeinderat will dieses Haus als neue Unterkunft für die Gemeindeverwaltung nutzen.

So soll das 90-Meter-Hochhaus am Birsstegweg aussehen.
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zvg
An der Birseckstrasse plant das Harry Gugger Studio aus Basel für eine Credit-Suisse-Anlagestiftung ein Hochhaus für 110 Wohnunge.
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zvg
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Hier war die Opposition grösser als beim Zentrumsprojekt: Ein Rückweisungsantrag wurde relativ knapp abgelehnt, mit 192 gegen 160 Stimmen. Die Kritik richtete sich gegen das Stockwerkeigentum, das für das BLKB-Gebäude gilt. Auf der Parzelle steht ein zweites, kleineres Gebäude mit zwei Gewerbenutzungen. Es könnten zusätzliche Kosten entstehen wegen des Unterhalts an gemeinschaftlichen Einheiten wie Fundament und Gebäudehülle, warnte ein Einwohner. Laut Christof Hiltmann sei das Risiko aber gering.

Der Gemeinderat kündigte für nächstes Jahr einen weiteren Kredit über 1,9 Millionen für den Umbau des Gebäudes an. Umziehen kann die Gemeindeverwaltung voraussichtlich im Sommer 2020.

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