Glatteis statt Kunstrasen

Sissach

Am Fest des Eishockeyclubs Zunzgen-Sissach duellieren sich regionale Sportvereine und Promis im Eisfussball.

In voller Eishockeymontur, jedoch ohne Schlittschuhe, fordern sich die Teams heraus. Foto: Florian Bärtschiger

In voller Eishockeymontur, jedoch ohne Schlittschuhe, fordern sich die Teams heraus. Foto: Florian Bärtschiger

«Ouuh, nein, nein, da bin ich froh, dass es das zu meiner Aktivzeit noch nicht gab», scherzte ein gut gelaunter Benjamin Huggel nach dem Promispiel am Fest des EHC Zunzgen-Sissach. Denn Initiant Kevin Schläpfer hatte nicht nur Huggels Team gecoacht. Er hatte sein Coaching mittels Mikrofonie auf die Lautsprecher der Sissacher Kunsteisbahn übertragen lassen. Dass Christian Gross diese Möglichkeit nicht besass, ist ganz in Huggels Sinn. Rund 600 Besucherinnen und Besucher hörten live mit, wenn Schläpfer lobte, fluchte, dirigierte, jubelte. Ein Fanal.

Wie OK-Präsident Ruedi Müller bereits im Vorfeld gesagt hatte, feierte der EHC Zunzgen-Sissach mit diesem Fest seine Zukunft. Endlich ist aus der maroden Überdachung eine funktionstüchtige Halle geworden. Den 120 Junioren kann wieder heimisches Eis geboten werden, nachdem sie vor fünf Jahren auf andere regionale Eisflächen ausweichen mussten.

Grund genug für Benjamin Huggel, Sissach seine Aufwartung zu machen. «Sport liegt mir am Herzen», begründete er sein Kommen, «ich unterstütze es, wenn Infrastruktur für den Sport gebaut, erhalten oder weiterentwickelt wird.» Zudem spiele er gerne Hockey. «Darum hat es extrem gepasst.» Nicht nur für ihn. Am zweitägigen Anlass kamen nicht nur die Hockeyspieler, sondern auch die Eisfussballer auf ihre Kosten.

Der andere Fussball

«Angereist sind wir einfach, um zu spielen und Spass zu haben», sagte Marco Müller, «aber nachdem wir den Finaleinzug geschafft hatten, wollten wir den Pot natürlich unbedingt.» Müller reiste mit der Fünftliga-Equipe des FC Oberdorf an. Im Halbfinal bezwang sein Team den TV Ormalingen, im Final den FC Diegten-Eptingen im Penaltyschiessen. «Auf dem Eis fühlt es sich schon seltsam an, die eigenen Bewegungen sind etwas unkontrolliert», führte der Oberdörfer aus.

In voller Eishockeymontur, jedoch ohne Schlittschuhe, treten fünf Feldspieler und ein Torhüter gegeneinander an. «Tempo aufzunehmen, ist nicht schwierig, aber das Bremsen», beschrieb Müller, «und die Reaktionszeit lässt oft zu wünschen übrig.» Damit die PS besser aufs Eis gebracht werden können, griffen die Teams der Eisfussballer zwischen den Spielen gern zu einem Bier. «Das hilft», beteuerte Marco Müller, «wir haben das im ersten Spiel zu spüren bekommen, als es noch nicht so lief– da waren wir etwas unterhopft.»

Das eine oder andere Bierchen tranken auch die Promis. Trotzdem spielte Altmeister André Rötheli brillant, Publikumsliebling Patrick Sutter souverän, Oliver Kamber technisch beschlagen. Überraschend stark trumpfte Benjamin Huggel auf. Der einstige Profifussballer hatte Kufen und Stock im Griff, schoss zwei Tore. «Als Kind habe ich im Winter oft auf Rollschuhen, später Inlineskates und mit kleinen Bällen Hockey gespielt», verriet er, «als ich mit dem Profifussball aufhörte, habe ich als Ersatz dafür mit Eishockey begonnen.»

Eine tiefe Verbundenheit

Weniger gut lief es dem ehemaligen Sportchef des FC Basel im gegnerischen Team. Zwar durfte auch Marco Streller einmal einnetzen, nur löste sich zu diesem Zeitpunkt sämtliche Gegenwehr in eine Art Wohlgefallen auf. Er blieb ehrlich. Gegenüber Moderatorin Seraina Degen äusserte er: «Man sieht, dass ich das nicht gewohnt bin.» Er schaue sich Eishockey gerne an, spiele aber nie. Kurz darauf fand Degen sogar heraus, was Streller mit Sissach verbindet. «Früher war ich gelegentlich im CH (eine Disco, Anm. d. Red.)», nährte Marco Streller das Klischee.

Viel zum Gelingen trug einer bei, den die Fans Hockeygott nennen. Kevin Schläpfer zog die Fäden, damit am Sonntag das Spiel zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos stattfinden konnte, am Samstag das Promispiel. «Ich bin mit Sissach verbunden», begründet er seinen Einsatz, «ich wohnte immer hier, schaute mir die Spiele an, meine Kinder lernten auf dieser Kunsti Schlittschuhlaufen, und ich habe den Kontakt nie verloren, egal wo in der Schweiz ich arbeitete.»

Team Grün – Team Weiss 8:7 (7:7) n. P.
600 Zuschauer.
SR Vögtlin, Engler/Wüthrich.
Tore:5. Kamber (Scheidegger) 1:0. 8. Huggel (Scheidegger) 2:0. 9. Sutter (Rötheli, Melichar) 2:1. 12. Huggel (Schwarz) 3:1. 13. Campbell (Rötheli) 3:2. 14. Lötscher 3:3. 14. Hürlimann 3:4. 16. Rüedi 4:4. 25. Streller 4:5. 25. Rötheli (Hürlimann) 4:6. 27. Steiner (Kamber) 5:6. 37. Hürlimann (Hunziker) 5:7. 38. Kamber (Steiner) 6:7. 39. Grieder (Di Biase) 7:7.
Penaltys:
3:2 für Grün. Für Grün trafen Huggel, Gislimberti und Stecher. Für Weiss trafen Maurer und Rötheli.
Team Grün:Mathis; Di Biase, Scheidegger; Grieder, Rüedi; Steiner, Kamber, Gislimberti; Huggel, Schwarz, Stecher; Burgherr, Herzog.
Team Weiss: Eichmann; Sutter, Melichar; Hunziker, Maurer; Käser, Campbell, Hürlimann; Lötscher, Rötheli, Streller; Frank.

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