Geschlechtertrennung ab fünf Jahren

Binningen

Ein offenbar finanzkräftiger Islamverband will in der Region Basel eine neue Moschee einrichten.

Umstrittenes Moscheeprojekt in Binningen. Luftaufnahme der Baselbieter Gemeinde mit der Stadt Basel im Hintergrund

Umstrittenes Moscheeprojekt in Binningen. Luftaufnahme der Baselbieter Gemeinde mit der Stadt Basel im Hintergrund

(Bild: Dukas)

Kurt Pelda@KurtPelda

Für nicht weniger als 5,8 Millionen Franken hat der Verband der islamischen Kulturzentren eine dreistöckige Liegenschaft im Basler Vorort Binningen gekauft. Das geräumige Gebäude soll in ein sogenanntes Kulturzentrum umgebaut werden. Dabei sind auch zwei Gebetsräume geplant, in denen unter anderem das Freitagsgebet abgehalten wird. Faktisch handelt es sich also um eine Moschee, die durch Schulungsräume und ein Internat ergänzt wird.

Die Geschlechter sollen im Kulturzentrum strikt getrennt werden, und zwar auch schon Mädchen und Buben ab dem Alter von rund fünf Jahren, wie im Baugesuch festgehalten wird. «Folglich sind die Räume alle doppelt vorhanden. Ebenfalls müssen die Eingänge, Gänge und Treppenhäuser ins und im Gebäude alle getrennt geführt werden», heisst es in dem Papier weiter.

Schülerheim für Buben geplant

In der Schweiz gibt es schätzungsweise 270 Moscheen, niemand weiss das so genau. Die wenigsten von ihnen haben aber nach Geschlechtern getrennte Eingänge, wohl aber getrennte Gebetshallen, oder – wo es nur einen grossen Raum gibt – eine Zone hinter den betenden Männern, die für Frauen reserviert ist. Da, wo die Frauen getrennt untergebracht sind und keinen Sichtkontakt mit dem Imam haben, werden Gebet und Predigt via Lautsprecher übertragen.

In den allermeisten muslimischen Gotteshäusern tollen Mädchen und Buben im Kindergartenalter übrigens unbeschwert herum. Eine strikte Geschlechtertrennung ab einem Alter von fünf Jahren ist die absolute Ausnahme und kann nur als extrem bezeichnet werden.

Im Kulturzentrum ist ausserdem ein Internat für 20 Buben aus der Region geplant. Sie sollen die öffentliche Schule besuchen und im Heim Unterstützung in den Schulfächern sowie Lektionen in Religion und türkischer Kultur erhalten, wie der türkischstämmige VIKZ-Präsident Fehmi Yildiz erklärt. Ein entsprechendes Gesuch sei beim Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Landschaft deponiert.

Der Binninger Gemeinderat hatte das Bauvorhaben des VIKZ nicht auf dem Radar und reichte erst am letzten Tag der Frist vorsorglich Einsprache ein. Er erwarte nun für die Zweckänderung ein detailliertes Nutzungs- und Betriebskonzept, schreibt er in einer Stellungnahme. Unabhängig davon lehne er jegliche Form von religiösem Extremismus entschieden ab und sei nicht bereit, Vereinigungen Raum zu bieten, welche die Werte der freiheitlichen Demokratie und des Rechtsstaats ablehnten.

Woher das ganze Geld?

Das klingt fast ein bisschen so, als ob es sich bei der geplanten Moschee um einen Hort der Indoktrination und Radikalisierung handeln könnte. Der Verband steht zwar für eine äusserst konservative Islamauslegung, hat aber mit Jihadismus und dergleichen nichts am Hut. Der deutsche VIKZ, der im Gegensatz zu seinem kleinen schweizerischen Bruder eine informative Webseite betreibt, praktiziert den Islam ähnlich wie der sunnitische Sufi-Orden der Nakschbandiya.

Diese stammen ursprünglich aus Zentralasien. Vom 14. Jahrhundert an haben sie sich unter anderem auf den indischen Subkontinent und in den Nahen Osten ausgebreitet. Sufis verkörpern die mystische und oft auch eine tolerante Variante des Islams. Die Nakschbandiya sind bekannt für Missionierungsbestrebungen, wobei sie sich auch stark auf Kinder und Jugendliche konzentrieren. In der Schweiz unterhält der VIKZ bisher 14 Moscheen und Kulturzentren sowie drei Schülerheime in den Kantonen Zürich und Aargau. Acht der Moscheen befinden sich im Besitz des Verbands.

Woher hat der VIKZ so viel Geld? «Wir erhalten keinen Rappen vom türkischen Staat und auch nicht von anderen Ländern», betont Verbandspräsident Yildiz. «Unsere Hauptquellen sind Spenden, Mitgliederbeiträge, die nach Verdienst gestaffelt meist zwischen 20 Franken und 200 Franken pro Monat betragen, und Einnahmen aus Basaranlässen.»

Der Verband ist als Verein im Handelsregister eingetragen. Zweck ist unter anderem die Unterweisung im islamischen Glauben und Lehre, die Wahrung der islamischen kulturellen Werte und «moralischer Schutz der Menschen islamischen Glaubens». Hauptziel sei es, Landsleute möglichst gut zu integrieren, ergänzt Yildiz. Wie das funktionieren soll, wenn Mädchen und Buben so früh und so strikt getrennt werden, bleibt schleierhaft.

Basler Zeitung

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