Gemeinderat drängt auf Schliessung der Havarie-Firma

Pratteln

Eine lecke Leitung der Chemiefirma Rohner AG hat das Grundwasser in Pratteln verschmutzt. Der Gemeinderat zeigt sich nun schockiert über den Umgang mit der Sicherheit der Bevölkerung.

Letzter grösserer Zwischenfall bei der Chemiefirma Rohner AG war eine Explosion im Februar 2016, bei der zwei Personen verletzt wurden sowie in der Folge Probleme mit Gestank.

Letzter grösserer Zwischenfall bei der Chemiefirma Rohner AG war eine Explosion im Februar 2016, bei der zwei Personen verletzt wurden sowie in der Folge Probleme mit Gestank.

(Bild: Keystone)

Industrieabwasser hat das Grundwasser in Pratteln verschmutzt. Ausgelaufen ist es aus einer lecken Leitung bei der Chemiefirma Rohner AG. Das Leck ist repariert; nun wird verschmutztes Grundwasser abgesaugt. Die Bevölkerung ist laut Behörden nicht in Gefahr.

Aufgefallen ist die Grundwasserverschmutzung bei Routinemessungen am 25. Februar, wie die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) am Dienstag mitteilte. Eine Firma hatte im Kantonsauftrag am Südrand des Rohner-Areals Analysen vorgenommen und erhöhte Werte festgestellt, wie bei der BUD zu erfahren war. Sofort folgende Messungen am Nordrand ergaben ein ähnlich unerfreuliches Bild.

Der Firma selber war das Problem bereits am 12. Februar aufgefallen; selbentags hatte sie das Leck behoben. Eine Meldung an den Kanton blieb jedoch aus. Die Behörden haben nun Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Betroffen war eine Abwasserleitung in einem Energieleitungstunnel.

Monatelang ausgelaufen

Wie lange davor das Abwasser aus dem Leck lief, ist derzeit nicht bekannt. Entsprechend weiss man auch zur Gesamtmenge und Schmutzfracht, die in den Boden und das Grundwasser flossen, noch nichts Genaues. Ein BUD-Sprecher sprach fürs Erste vage von mehreren hundert Kubikmetern, also «erheblichen Mengen».

Nach der inzwischen erfolgten Auswertung von automatischen Messgeräten des Kantons ist allerdings klar, dass bereits seit Anfang November 2018 der Grundwasserpegel stetig angestiegen war. Entsprechend besteht laut BUD der Verdacht, dass jene Rohner-Leitung schon seit mehreren Monaten nicht dicht war.

Am Dienstag wurde mit der Installation der Pumpe begonnen, die so lange laufen soll, bis die Grundwassermesswerte wieder in Ordnung sind. Sie hat eine Leistung von zwei Litern pro Sekunde, also rund 172'800 Litern pro Tag. Das Volumen wird limitiert durch den knappen Querschnitt des bestehenden Brunnenrohrs, das man dafür nutzt.

Lösungsmittel im Grundwasser

Das hoch gepumpte Dreckwasser wird zur Reinigung in die ARA Rhein geleitet. Zudem wird beim Havarieort im Firmenareal die Bodenluft abgesaugt. Die Dauer dieser Massnahmen ist offen.

Im Grundwasser wurden diverse Stoffe nachgewiesen - das Abwasser des Unternehmens enthält je nach aktueller Produktion unterschiedliche Substanzen. Unter anderem geht es um Lösungsmittel wie Toluol. Detaillierte Analysen und Abklärungen laufen.

Gemäss Communiqué ist das Trinkwasser im Raum Pratteln nicht von der Verschmutzung betroffen; in der Umgebung des Firmenareals gebe es keine Fassungen. Laut BUD fliesst das Grundwasser von dort eher nordwärts - jedenfalls nicht in Richtung Hardwald, wo Trinkwasser unter anderem für Basel mittels Bodenfilterung generiert wird.

Mehrere Pannen

Für die Gesundheit der Bevölkerung habe nach bisherigem Kenntnisstand «zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr» bestanden, hiess es im Communiqué weiter.

Rohner hatte in der Vergangenheit schon mehrfach Negativschlagzeilen gemacht. Letzter grösserer Zwischenfall war eine Explosion im Februar 2016, bei der zwei Personen verletzt wurden sowie in der Folge Probleme mit Gestank. Historische Grundwasserbelastungen mit Lösungsmitteln hatten 2005 eine Bodenluft-Absaugung ausgelöst.

Die Rohner AG mit gegen 200 Angestellten hat in Pratteln ihren Sitz und das einzige Werk. Das 1906 gegründete Unternehmen entwickelt und produziert laut eigener Webseite Zwischenprodukte als Zulieferer für Chemie- und Pharmafirmen.

Schliessung der Firma überprüfen

Der Gemeinderat zeigt sich in einer Medienmitteilung schockiert über den «fahrlässigen Umgang mit der Sicherheit und dem Schutz unserer Bevölkerung». Denn zum einen liegt der Industriebetrieb am Rande eines Wohngebietes, zum anderen sei es «nicht die erste Havarie bei der Firma RohnerChem AG». Letzter grösserer Zwischenfall war eine Explosion im Februar 2016, bei der zwei Personen verletzt wurden sowie in der Folge Probleme mit Gestank. Historische Grundwasserbelastungen mit Lösungsmitteln hatten 2005 eine Bodenluft-Absaugung ausgelöst.

Gemäss aktuellem Informationsstand könne man davon ausgehen, dass die Firma Rohner bereits vor dem Entdecken des Lecks durch das Amt für Umweltschutz und Energie davon Kenntnis hatte, dies aber niemandem mitgeteilt hätte. «Hätte nicht eine routinemässig durchgeführte Grundwassermessung stattgefunden, wäre der Schaden kaum entdeckt und das Ausmass noch grösser geworden», schreibt der Gemeinderat weiter.

Er fordert das Sicherheitsinspektorat auf, die Schliessung des Betriebes bis zum Vorliegen aller Abklärungen zu prüfen. Zudem fordert der Gemeinderat von den Verantwortlichen der Firma RohnerChem AG eine rechtzeitige, klare und offene Information über sämtliche Vorfälle.

ms/sda

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