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Ein Dorf wird bespielt – seit 30 Jahren

Die Theatergruppe Rattenfänger hat zum Jubiläum einen Klassiker im Programm.

Die Theatergruppe Rattenfänger steckt mitten in den Proben. Foto: N. Pont
Die Theatergruppe Rattenfänger steckt mitten in den Proben. Foto: N. Pont

«Wir wollen uns nach der Decke strecken», sagt Regisseur Danny Wehrmüller. «Das bringt uns weiter.» Zum 30. Geburtstag gönnt sich die Muttenzer Theatergruppe Rattenfänger einen absoluten Klassiker, Goethes «Faust» (ab 16. August).

«In Jubiläumsjahren wollen wir unbedingt etwas Besonderes schaffen», verspricht der 59-jährige Theaterprofi, der den Verein mit seinen heute 65 Mitgliedern einst mit Freunden gründete. Sowieso solle jedes neue Stück «so unterschiedlich wie möglich gegenüber dem letzten» sein. Natürlich müsse es literarischen Kriterien entsprechen. «Schwänke oder Kriminalkomödien sind nicht unser Ding.»

Einfach mitmachen kann man in diesem Verein nicht. Das Niveau soll konstant hochgehalten werden. Alle Ensemble-Mitglieder gingen durch ein Casting. «Das ist aber nicht so ein Seich wie bei Dieter Bohlen», wehrt sich Danny Wehrmüller, «sondern man lernt sich spielend, sprechend, ausprobierend kennen.» Gefragt seien gute Sprache und ein gutes Körperbewusstsein.

Was die rund 20 Mitglieder des Ensembles auch mitbringen sollten: «Viel Zeit und Energie.» Die Proben beginnen nach der Fasnacht. Die Regie probt bis zu viermal die Woche, die Schauspieler bis zu dreimal. In den Sommerferien wird vier Wochen pausiert, ehe die Freilichtinfrastruktur errichtet wird und die Intensivprobewoche ansteht. Für Letztere müssen alle Ferien nehmen. Geprobt wird täglich von 13.30 Uhr bis 23 Uhr.

«Nach dem Dernièrenfest gibt es uns eigentlich ein halbes Jahr nicht mehr», beschreibt Wehrmüller, «nur die kleine Produktionsgruppe sucht nach dem nächsten Stück, berechnet, ob wir uns die Produktion leisten können, klärt ab, ob jene Plätze bespielt werden dürfen, die infrage kommen.»

Hochkarätige Kritik

Noch bevor das erste Wort auf einer Freilichtbühne gesprochen sei, müssten 45'000 Franken für die Infrastruktur aufgeworfen werden. Finanziert werde die Produktion über den Ticketverkauf sowie eine Defizitgarantie von je 10'000 Franken der Gemeinde Muttenz und des Kantons Basel-Landschaft. Entsprechend «wahnsinnig» könne einen Regen machen. Oder wie es Danny Wehrmüller positiv ausdrückt: «Jede Vorstellung, die wir spielen, kann 8000 Franken in die Kasse spülen.»

Ein Höhepunkt in der Geschichte der Theatergruppe Rattenfänger sei gewesen, als der renommierte Theaterkritiker Reinhardt Stumm seinen Besuch ankündigte. Ein einziges Mal. «Er war dafür bekannt, dass er fürchterliche Verrisse schreiben konnte», erzählt Wehrmüller, «wir alle hatten Angst vor seiner Kritik.» Doch es kam anders. «Er lobte die Vorstellung über den grünen Klee, was uns allen einfach nur guttat.»

Dass der Verein sich auf Freilichtspiele spezialisiert hat, kommt dem Publikum entgegen. Aula oder Mehrzweckhalle schmälern mit ihrem Ambiente oft den Theatergenuss. Horvaths «Unbekannte aus der Seine» fand in der Hauptstrasse statt, Shakespeares «Macbeth» mitten im Wald. Weil sie dahin passen. «Jedes Stück ist mit einem komplett neuen Raumerlebnis verbunden», sagt Wehrmüller, «wer schon mehrere Spielorte erlebt hat, sieht die Gemeinde mit anderen Augen.»

www.theatergruppe-rattenfaenger.ch

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